Bettgeflüster – Die klassische Hollywood-Romanze

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Bettgefluester

Es ist schon merkwürdig, dass ausgerechnet Rock Hudson und Doris Day eines der berühmtesten Filmpaare Hollywoods sind. Er, der homosexuelle Traummann aller Frauen und Männer, und sie, die legendäre Schauspielerin und Sängerin, deren Sexualität umrankt von Gerüchten ist. Auch wenn wir gerne glauben, dass die Gegenwart viel progressiver, moderner und toleranter ist, so war Hollywood schon immer ein Zentrum für Freigeister, Außenseiter und aller Art skandalösen Verhaltens. Nicht umsonst gibt es Geschichten und Gerüchte über fast jeden Namen aus dieser Zeit, von Errol Flynns notorischem Aufreißertum bis hin zur S&M-Beziehungen zwischen James Dean und Marlon Brando.

Und so ist schön, dass Filme aus dieser Zeit zwar oberflächlich ein wenig sozial veraltet wirken, aber ein Hintergrund voller Geheimnisse und Affären dennoch durchscheint. Bettgeflüster (1959), oder Pillow Talk im Original, ist damit ein schon fast ironisch betitelter Film, denn wer weiß, was für intime Unterhaltungen zwischen Rock Hudson und Doris Day wirklich stattgefunden haben oder hätten können.

Jan Morrow (Doris Day) ist eine erfolgreiche Innenarchitektin, alleinstehend und glücklich damit, auch wenn ihre Haushaltshilfe Alma (Thelma Ritter) sie immer darauf anspricht. Nebenan wohnt Brad Allen (Rock Hudson), der talentierte, gutaussehende Broadway-Komponist und quintessentielle Playboy, inklusive aus dem Boden fahrendem Bett. Die beiden müssten sich nie auseinandersetzen, haben sich sogar noch nie gesehen, wäre da nicht das Problem ihrer geteilten Telefonleitung. So muss sich Jan immer wieder von Brads jüngsten Errungenschaften stören lassen, während Brad sich sorgt, dass die alte Jungfer am Telefon seine Chancen vermiest.

Als die beiden sich dann doch eines Tages zufällig über den Weg laufen, verguckt sich Brad in Jan und wissend, dass er nie eine Chance bei ihr haben wird nach all dem Streiten über das Telefon, erfindet er die Persona eines reichen Texaners namens Rex Stetson und versucht, die ahnungslose Jan zu verführen.

Bettgeflüster war ein Riesenhit, und Rock Hudson und Doris Day setzten ihre Karriere fort mit zwei weiteren romantischen Filmen. Diese Trilogie aus Bettgeflüster, Ein Pyjama für Zwei (1961) und Schick mir keine Blumen (1964) stehen weit oben im Pantheon der Liebesfilme. Damit waren die beiden Hauptdarsteller maßgeblich daran beteiligt, den Liebesfilm, wie wir ihn heute kennen, zu definieren, denn ohne Rock Hudson und Doris Day hätte es vielleicht nie andere berühmte Paare nah an unseren Herzen gegeben. Historische Bedeutung lässt sich manchmal schwer leugnen.

Zwar wirkt das Problem einer geteilten Leitung heutzutage archaisch (wirkt allerding auch als nicht uninteressanter Kontrast zu unserer digitalisierten Zeit), und das Ende ein wenig veraltet, und dennoch ist Bettgeflüster unleugbar komisch – und viel wichtiger: unfassbar romantisch. Die Klischee belastete Struktur hilft dabei nur, die ganze Erfahrung zeitlos unterhaltsam und belohnend zu machen. Manchmal möchte man das Rad einfach nicht neu erfinden. Und falls man sich wirklich an den Geschlechterrollen der späten 50er stört, kann man sich einfach immer damit ablenken, darüber nachzudenken, was alles hinter den Kulissen stattgefunden hat.

Hollywood, Heimat der Heimatlosen. (LH)

EinPyjamaFuerZwei SchickMirKeineBlumen

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