Der gemeinsame Weg

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(c) Gabriele Richter

Immer wenn wir uns neu verlieben, stehen wir am Anfang eines unbestimmten Weges. Wir wissen nicht, wohin er uns führt, ob es ein langer gemeinsamer Weg wird, oder sich schon nach der ersten Kurve unsere Wege wieder trennen. Die Liebe führt uns hinein ins Blaue … ins Ungewisse, das mit einem gewissen Risiko verbunden ist. Die Sehnsucht nach Harmonie und Verbundenheit ist groß.

Es sind jedoch zwei Menschen, die sich begegnen und mit unterschiedlichem Lebensgepäck aufeinander zu gehen. Das Leben hat uns geschliffen, wir wurden verletzt, enttäuscht, sind vorsichtiger geworden.

Der Wunsch nach Liebe bleibt, ein Leben lang. Wenn wir uns trauen, uns auf den Weg zu machen, brauchen wir nach der anfänglichen Begeisterung sehr viel Mut. Wir kennen das Risiko, den Schmerz einer weiteren Enttäuschung aushalten zu müssen. „No risk, no fun!“ Könnten wir sagen und uns begeistert in jedes neue Abenteuer stürzen. Einige meiner Freundinnen tun das auch, leider mit bisher mäßigem Erfolg auf dauerhaftes Liebesglück. Wenn wir versuchen, unseren eigenen Weg zu dem des Menschen zu machen, der uns begleitet, werden wir vermutlich nicht weit kommen. Unsere eigenen Erwartungen sind die Steine, die uns hindern, gemeinsam weiter zu gehen. Jeder hat innere Bilder und Wünsche, wie eine neue Beziehung laufen soll. Wunderbar, wenn diese bei Beiden übereinstimmen, dann hält die Liebe nichts mehr auf, sie kann frei fließen. Reife Menschen jedoch, die mitten im Leben stehen, möchten das, was sie sich geschaffen haben, nicht gleich aufgeben oder ändern. Was tun also, wenn der Liebste gern Motorrad fährt und ich nicht? Es sind viele Kleinigkeiten, Macken, Lebensspuren, die wir in jede neue Beziehung mitbringen. Sortieren wir deshalb zunächst, was wir nicht mitnehmen wollen auf die Reise: Wut und Groll auf den letzten Partner drücken wie eine zentnerschwere Last auf jede neue Liebe – befreien wir uns besser davon. Vergeben wir uns und anderen, nicht perfekt zu sein. Bevor wir Händchen haltend in die nächste Runde der Liebe starten, haltend wir besser einen Moment lang inne und betrachten den Partner mit den Augen der Liebe. Wenn wir uns sicher sind, dass wir dem Anderen nicht unser Gepäck aufladen oder umgekehrt, können wir den nächsten Schritt gehen. Vertrauen entwickeln in das, was uns verbindet und besonders die Unterschiede zwischen uns achten. Den Partner verändern zu wollen, uns ähnlich zu machen, verbiegt ihn. Nur das gegenseitige sich annehmen, sich einlassen auf Distanz und Nähe, schafft den Boden für einen langen glücklichen gemeinsamen Weg. (GR)

(c) Thorsten Menges, pixelio.de