Filmkritik: Lion – Der lange Weg nach Hause

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Der Film Lion ist derzeit in aller Munde. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit und erzählt die Geschichte des kleinen indischen Jungen Saroo, der in einem Zug einschläft, nur um dann über 1000 km entfernt von zu Hause in Kalkutta aufzuwachen.

Dort kümmert sich keiner um den kleinen, und er lebt mehrere Wochen verwahrlost auf den Straßen, nur um in ein Waisenhaus zu gelangen und das Glück zu haben, von einer Familie aus Tasmanien adoptiert zu werden. Sue und John Brierley nehmen den kleinen Saroo in ihre Familie auf, doch seine Wurzeln hat er nie vergessen. Als junger Mann beginnt er 2008 mit Hilfe von Google Earth nach seiner Familie in Indien zu suchen, denn es macht ihn schier verrückt zu wissen, dass seine Mama und sein Bruder „Guddu“ noch nach ihm suchen könnten, auch nach 25 Jahren noch. Soweit zur Story des Films, der auf dem Buch „Mein langer Weg nach Hause“ von Saroo Brierley beruht.

Der erste Teil des Films zeigt die Geschichte des kleinen Saroos, die Beziehung zu seinem Bruder und seiner Mama, und wie es dazu kommen konnte, dass er alleine auf den Straßen Kalkuttas lebte. Diese Bilder sind wirklich sehr eindringlich, denn obwohl es ein Film ist, weiß der Zuschauer, dass dies die Realität, nicht nur der indischen Straßenkinder, widerspiegelt. Gewalt, auch sexueller Natur, an den Kindern wird nie direkt gezeigt, dennoch weiß man ganz genau, was dort passiert. Auch dies macht den Film aus und macht ihn dadurch noch eindringlicher. Mit Sunny Pawar als junger Saroo hat man dabei nicht nur Glück gehabt, vielmehr ist er ein Segen für den Film. Er spielt die Rolle so großartig, dass einem fast die Worte dafür fehlen. Wenn man dann bedenkt, dass der gerade einmal 8-Jährige aus 2000 Kindern in ganz Indien ausgewählt wurde und selber aus den Slums kommt, nicht einmal wirklich Englisch spricht und der Regisseur Garth Davis ihm die Dialoge und Emotionen mit Zeichensprache erklären musste, ist seine Leistung noch umso beeindruckender.

An dieser Stelle soll aber auch die Musik des Films erwähnt werden, für die Dustin O`Halloran und der deutsche Musiker Hauschka verantwortlich sind. Sie war auch für einen Oscar nominiert. Die beiden Musiker verstehen es in eindrucksvoller Weise, die Bilder des Filmes nicht nur zu untermalen, sondern auch zu tragen. Auch wenn man danach den Soundtrack des Films anhört, kommen einem fast die Tränen, weil man sich sofort zurückversetzt fühlt und gefangen in dem Film ist, und allein dies weiß nur die Musik zu bewerkstelligen.

Aber auch der zweite Teil des Filmes, mit Saroo als Erwachsenem, weiß zu überzeugen, nicht umsonst wurde Dev Patel (bekannt aus Slumdog Millionär, oder auch aus Skins) für diese Rolle für eine Oscar nominiert! Er zeigt eindrucksvoll die Zerrissenheit von Saroo, zwischen seinem Leben in Tasmanien und seinem zurückgelassenen Leben in Indien. Dies wird immer wieder mit Rückblicken und auch Vermischungen zwischen den beiden Welten dargestellt. Immer häufiger taucht vor allem sein Bruder Guddu scheinbar auch in seiner zu Hause in Tasmanien auf und begleitet ihn dort, dennoch nur scheinbar. Der Zuschauer hat Sorge, dass er an der Suche psychisch und körperlich zerbricht. Er redet nicht mehr mit seinen Eltern, hat den Job gekündigt und auch die Beziehung zu seiner Freundin steht mehr als nur auf der Kippe. Es sind Bilder, die einfach überzeugen können, man fühlt ganz mit ihm, fiebert mit ihm, ist ganz in seiner Welt. Und dies ist keine Übertreibung, und so ist es nicht verwunderlich, wenn am Ende bei den Zuschauern die Tränen fließen. Die Geschichte wird einfach so wunderschön von Regisseur Garth Davis inszeniert und scheut auch vor drastischen Bildern nicht.

Alles in allem ein wirklich gelungener Film, der berührt und dem Zuschauer noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Und wir hören jetzt weiter den wirklich tollen Soundtrack an! (AW)

  • Kinostart: Feburar 2017 (Deutschland)
  • Genre: Drama
  • FSK: 12
  • Laufzeit: 158 Min.
  • Regie: Garth Davis
  • Darsteller: Dev Patel, Sunny Pawar, Nicole Kidman, Rooney Mara
  • Musik: Dustin O`Halloran, Hauschka

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