Unsere Meinung: Beim Ersten Mal – Zeitkapsel der Gegenwart

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Beim Ersten Mal
Beim Ersten Mal

Neun Jahre sind nicht lange her. Natürlich ist es nicht überraschend, dass, wenn wir in die 90er Jahre blicken, viele Dinge nicht mehr mit ganz vereinbar sind mit unseren modernen Sensibilitäten. Klar sind manche Episoden von Friends ein bisschen homophob und sexistisch, aber das ist ja auch schon eine halbe Ewigkeit her. Immerhin ist Kurt Cobain vor 22 Jahren gestorben. Das ist fast ein Vierteljahrhundert.

Neun Jahre sind ja nicht einmal lange genug, um in die Pubertät zu kommen. Und trotzdem, es können schon viele Dinge passieren in diesem Zeitraum. Zum Beispiel war vor neun Jahren George Bush noch Präsident. Das erste iPhone kam vor neun Jahren raus. Wenn man es so betrachtet, hat sich schon viel getan.

Auch im Film haben sich Dinge verändert. Geschmäcker sind anders, vor allem Superhelden sind überall. Dinge, die uns früher geschockt haben, sind heute normal, und Dinge, die damals normal waren, sind heutzutage zum Nachdenken. So ist Beim Ersten Mal (2007) auf eine gewisse Art und Weise ein Einblick in die Zukunft. Denn obwohl der Film noch so unterhaltsam ist wie in 2006, hat man jetzt schon das Gefühl, dass es Filme wie diese heutzutage noch mehr gibt.

Beim Ersten Mal erzählt die Geschichte von Allison (Katherine Heigl) und Ben (Seth Rogen). Allison ist eine Karriere-Frau. Hart arbeitend und ambitioniert hat sie es gerade geschafft, einen Job als Moderatorin auf einem Promi-Sender zu bekommen. Ben dagegen ist ein tiefenentspannter Loser, der mit seinen Mitbewohnern Jay (Jay Baruchel), Jonah (Jonah Hill), Jason (Jason Segel) und Martin (Martin Starr) entweder Drogen nimmt oder an einer Website arbeitet, die Nacktszenen in Filmen sammelt.

Als sich die beiden eines Abends zufällig in einem Club kennenlernen, kommt es zum betrunkenen One-Night-Stand, inklusive unverhoffter Folgen. Allison wird schwanger, und die beiden Menschen müssen zum Wohle des ungeborenen Kindes miteinander auskommen, während Allison versucht, ihre Karriere nicht von der Schwangerschaft riskieren zu lassen, und Ben sich endlich mit der Tatsache auseinandersetzen muss, erwachsen zu werden.

Ohne Frage ist Beim Ersten Mal der quintessentielle Judd-Apatow-Film. Als Produzent und Regisseur hat Apatow in der letzten Dekade den Comedy-Film definiert wie kaum ein anderer. Filme wie Jungfrau (40), männlich, sucht … (2005), Superbad (2007), und Brautalarm (2011) waren die erfolgreichsten und einflussreichsten Komödien ihrer Zeit und haben Schauspieler wie Michael Cera, Steve Carrel, Jonah Hill und Kristen Wiig zu Stars gemacht. Immer mit einer Mischung aus vulgärem Humor (häufig starker Einfluss von Marihuana) und Geschichten über Freundschaft, Liebe und sympathischen Losern, die erwachsen werden, haben diese Filme ihre eigene Nische geschlagen.

Als einer der besten Apatow-Filme war Beim Ersten Mal mit dafür verantwortlich, Seth Rogen und Katherine Heigl einem weiten Publikum bekannt zu machen. Und obwohl die Karrieren beider Schauspieler unterschiedliche Wege eingeschlagen haben, ist die Chemie zwischen den beiden eines der besten Elemente des Films, und sorgt dafür, dass die Figuren nie zu Klischees verkommen.

Die Apatow-Filme haben inzwischen ihren Zenit überschritten. Teilweise weil der Zeitgeist sich entfernt hat, aber auch, weil die zentralen Personen selbst reifer geworden sind. So hat der Film, trotz seiner jungen neun Jahre, inzwischen einen Hauch vergangener Tage. Die damalige Kritik, dass Liebeskomödien in Zukunft nur noch über liebeswürdige Loser die wunderschönen Frauen handeln werden, hat sich als falsch erwiesen. Mit dem Wissen kann man Beim Ersten Mal genießen für das, was er ist: Eine Quasi-Relikt-Liebeskomödie, die es schafft, lustig zu sein für Männer und Frauen, nie schmalzig ist, und zeigt, was es heißt, im 21. Jahrhundert schwanger zu werden. Während die einen sich über ihre Karriere Sorgen machen müssen, müssen die anderen nur aus ihrer Spät-Pubertät wachsen.

Ganz schön feministisch für einen Film, der einst kritisiert wurde, sexistisch zu sein. Wie doch die Zeit vergeht. (LH)