Im Interview: Marc Hiller, Digital Publishers

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Foto: Tom Maurer Photography www.tommaurer.de
(c) Tom Maurer Photography, www.tommaurer.de

Wie würdet ihr Digital Publishers in 3 Sätzen beschreiben?
Dafür benötigen wir nur einen Satz und den haben wir zu unserem Leitmotiv gemacht haben: „Wir machen schöne E-Books, die gelesen werden möchten“.

In einer Welt, in der es gefühlt vor Verlagen nur so wimmelt, wie seid ihr auf die Idee gekommen, einen Verlag zu gründen? Was war euer Anspruch?
Da gebe ich Dir Recht: Es wimmelt tatsächlich von Verlagen. Anfänglich wurden wir belächelt: „Noch so eine Gründung, die die Goldgrube der digitalen Bücher für sich nutzen möchte?!“ Inzwischen haben wir bewiesen, dass es uns um mehr als das rein wirtschaftliche Potential geht. Mit Erfolg: Denn dp ist aus der Idee entstanden, dass es für jedes Werk, für jeden Text einen Leser gibt, der dank der digitalen Möglichkeiten auch erreicht werden kann. Wir kombinieren dafür die Qualität eines tradierten Verlages mit dem Know-how eines digitalen Teams. Dabei haben wir von vornherein definiert, dass unsere Geschäftsbeziehungen auf Fairness und Transparenz basieren.
Bisher ist es uns gelungen, diesen Anspruch zu halten. Wir konnten viele AutorInnen von uns, unserer Idee und unserem Anspruch überzeugen. Natürlich ist nicht jedes Werk ein wirtschaftlicher Erfolg, und zur Transparenz und Fairness gehört auch, dass wir dies offen an unsere Partner kommunizieren. Wichtig ist uns dabei aber immer, dass ein Werk am Ende nicht daran scheitern, dass es mangelhaft umgesetzt oder nicht gelesen wurde. Manchmal ist die Zeit noch nicht reif oder die Zielgruppe der Leser im E-Book Markt schlicht zu klein.

Warum habt ihr euch dazu entschieden, nur E-Books herauszubringen?
„Wenn du etwas machst, dann mache es gefälligst richtig oder lass es.“ Wenn Du uns nach unserer Kompetenz fragst, können wir mit vielen Schlagwörtern glänzen. Was wir nicht leisten können, versprechen wir auch nicht. Der Buchmarkt ist vom stationären Handel geprägt, und die Vertriebsmechanismen sind sehr komplex. Man braucht hier neben der Kompetenz vor allem ein exzellentes Vertriebsteam. Das können die tradierten Verlagshäuser vorweisen, wir nicht. Wenn wir also ein gedrucktes Buch herausbringen, dann nur aus Marketingzwecken für das E-Book und ohne den Anspruch, dieses in jeder Buchhandlung aufzufinden. Das glaubhaft zu versprechen, wäre Augenwischerei und vor allem gegen unsere Grundsätze. Zudem – technisch kann möglicherweise jeder ein E-Book machen. Dieses E-Book dann aber auch noch richtig vermarkten und Sichtbarkeit generieren? Das kann nicht jeder – wir schon. 😉

Inwieweit lohnt es sich für euch, reine E-Booklizenzen zu nehmen? Was passiert, wenn das Buch z.B. zeitgleich als Taschenbuch erscheint, oder ist dies vertraglich ausgeschlossen?
Dreimal „Ja“: Ja, es lohnt sich. Ja, es ist möglich und Ja, es gewinnen alle Parteien. Wichtig ist es, die Spielregeln einzuhalten, und das ist sicherlich eine Hürde. Der E-Book Markt ist nur ein Bruchteil des Gesamtmarktes. Gelingt es uns, ein Werk am E-Book Markt erfolgreich zu platzieren, haben wir eine gute Basis für den Buchmarkt geschaffen. Die Spielregeln beziehen sich dabei vor allem auf die Preisgestaltung: Dem Partnerverlag muss klar sein, dass der Preis eines E-Books im Zweifel nicht bei 80% des gedruckten Buchs liegen kann. Uns muss hingegen klar sein, dass 400 Seiten wirtschaftlich nicht unbedingt für 8,99 EUR im Handel platziert werden können. Insofern gilt es, Erscheinungstermine, Preisgestaltung und Marketingaktionen eng abzustimmen, um das Potential für den Autor und die Verlage optimal abzuschöpfen.

Ihr werbt mit eurer digitalen Kompetenz, inwieweit unterscheidet ihr euch von anderen Verlagen? Was zeichnet euch in diesem Aspekt aus?
Na ja, so ganz ins Detail können wir nicht gehen. Da würden wir zu viel preisgeben. Lass es mich so formulieren: Wir arbeiten viel mit Daten, Datenbanken und E-Book-spezifischem SEA und SEO. Wir differenzieren zwischen organischen Vermarktungsindikatoren wie Autorenbekanntheit, Inhalt und Thema und ergänzen diese mit anorganischen Vermarktungsindikatoren, die jedem Verlag theoretisch zur Verfügung stehen. Also z.B. Klappentexte, Titelausprägung, Titelgestaltung etc.. Wir gehen noch ein paar Schritte weiter und greifen im Zweifel auch in die Begrifflichkeiten des Titels ein, wenn wir daraus eine höhere Sichtbarkeit ableiten können. Dafür nutzen wir Datamanagement-Tools, die uns helfen, die Wertigkeit eines Titels festzustellen. Das kombinieren wir mit unseren Datenbanken und dem Wissen darum, wie wir die Zielgruppe definieren und erreichen können.

Arbeitet ihr viel mit Bloggern zusammen? Aus aktuellem Anlass: Inwieweit schützt ihr Bücher, die ihr an Blogger schickt, vor Piraterie?
Ja. Blogger, aber auch Rezensenten sind für uns eine wichtige Basis, um unbekannte Werke am Markt zu platzieren und ein erstes Feedback zu erhalten. In unserem Partnernetzwerk können wir heute auf mehr als 1.500 dieser Vielleser zurückgreifen.
Gegen Piraterie kann man sich nur geringfügig schützen. Es ist auch eine Philosophiefrage, und man kann vorzüglich abendfüllende Diskussionen darüber führen, ob Menschen, die E-Books kostenfrei auf einer Piraterie-Plattform herunterladen, tatsächlich je ein E-Book gekauft hätten. Fakt ist natürlich, dass mit dieser Aktion ein Autor um seine faire Bezahlung gebracht wird. Deshalb haben wir uns für einen professionellen Dienstleister entschieden, der versucht, einen Großteil der Plattformen nach unseren Titeln zu scannen und die Löschung der Daten herbeizuführen.

Inwieweit hat sich der Verlag in den letzten Jahren entwickelt? Was sind künftige Ziele, die ihr erreichen wollt?
Wir haben 2016 ein sehr gutes Jahr gehabt. Wir konnten unsere Ziele, die vor allem auf den Aufbau eines möglichst zielgruppenspezifischen Programms aus Populärliteratur fokussiert waren, erreichen.
Unser Verlagsprogramm umfasst Stand heute mehr als 150 Titel von mehr als 50 AutorInnen. Wir sind im Bereich der Frauen-, Spannungs- und humorvollen Literatur positioniert.
Neben unserer Verlagsmarke haben wir mit booksnacks und Secret Desires zwei weitere Marken am Markt erfolgreich platziert.
Booksnacks ist Marketingplattform und Imprint für Autoren. Über ein Abomodell sprechen deren Kurzgeschichten vor allem Pendler und Leser mit wenig Zeit an. Secret Desires ist ein Imprint für niveauvolle und qualitativ anspruchsvolle Erotikliteratur. Das Imprint Secret Desires werden wir massiv ausbauen und mit booksnacks werden wir weitere Abonnenten generieren.
Neben dem Ausbau unseres Verlagsprogramms werden wir den Bereich der humorvollen Männerliteratur (Lad-lit) und den Lesermarkt der Frauen ab 40 mit unserer Starke-Frauen-Reihe erschließen. Unter der „Haube“ arbeiten wir vor allem an der Vernetzung und Ausbau unserer Datenbanken.

Wie entscheidet ihr, welches Buch ihr verlegt? Welche Kriterien entscheiden? Achtet ihr auch auf die Social-Media-Präsenz der Autoren? Und arbeitet ihr zur Veröffentlichung mit ihnen an der Verbesserung dieser?
Nein, die Social-Media-Aktivität des Autors ist uns nicht wichtig. Das sollte sie/er schon im Eigeninteresse machen. Aber einen passionierten Fahrradfahrer ohne Führerschein davon zu überzeugen, Auto zu fahren, ist vergebene Liebesmühe. Dann fahre ich den Fahrradfahrer mit seinem Rad lieber ans Ziel oder die Station, die er sich wünscht. Da kommen beide schneller ans Ziel.
Wir haben ein Team und arbeiten auch bei verlegerischen Entscheidungen mit diesem Team aus allen Kolleginnen und Kollegen zusammen. Wir alle treffen einmal pro Woche zusammen und besprechen Manuskriptangebote. Jeder kann seine Meinung äußern und jede Meinung zählt (unabhängig ob Assistentin, Volontär, Verleger, Programmleitung oder Marketing Manager). Bisher sind wir damit gut gefahren. Damit steht jeder auch immer hinter dem ausgewählten Werk.

Was sind die Qualitätsmerkmale eures Verlages?
Fairness, Transparenz, Professionalität und trotzdem eine „Hands-on“-Mentalität.

Inwieweit habt ihr euren Verlag als Marke etablieren können? Welche Markenzeichen habt ihr entwickelt? Inwieweit unterscheidet ihr euch in der Aufarbeitung und im Erscheinungsbild von anderen Verlagen?
Da wären wir wieder beim Anfang: „Wir machen schöne E-Books die gelesen werden möchten.“

Vielen Dank an Mark Hiller, Verleger Digital Publishers, für das Gespräch!