Interview mit Stefanie Ross

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Wer ist Stefanie Ross, und wie bist Du zum Schreiben gekommen?
Fangen wir mit einem ewigen Missverständnis an: „Stefanie Ross“ ist kein amerikanisches Pseudonym, sondern mein richtiger Name oder war es vielmehr, denn es handelt sich um meinen Geburtsnamen. Ansonsten bin ich chaotisch, ungeduldig, ein typischer Widder, der gern mit dem Kopf durch die Wand will, für Freunde aber auch durchs Feuer geht.

Die Idee zu meinem ersten Buch kam mir während der Arbeit, als es darum ging, ein Computersystem gegen Missbrauch abzusichern. Ich fragte mich damals, was eigentlich wäre, wenn jemand eine entsprechende Lücke ausnutzen würde. Drei Jahre später hatte ich während der Elternzeit die Chance, diese Idee in ein Buch umzusetzen und so entstand „Fatale Bilanz“.

Du hast Dir ja einen Namen als Romantic-Suspense-Autorin gemacht. Was faszinierte Dich so an dem Genre?
Es ist das Genre, das ich selbst auch am liebsten lese. Spannende, rasante Thriller liebe ich zwar auch, aber mit einer Dosis Gefühl mag ich sie noch lieber. Außerdem finde ich es nur fair, wenn der Held oder die Heldin am Ende – nach allen durchlebten Gefahren – auch sein persönliches Happy End bekommt.

Inzwischen bist Du auch als Self-Publisherin unterwegs. Wie kam es zu dem Wechsel? Wie würdest Du Deinen neuen Titel beschreiben?Stefanie Ross: Einsame Entscheidung
Bei der letzten LoveLetter Convention haben mich liebe Kolleginnen von den Vorteilen des Self-Publishing überzeugt (winke zu Tina Folsom und Katja Piel). Ich wollte das danach unglaublich gerne ausprobieren und da bot sich dann die diesjährige Weihnachtsnovelle als perfektes Experiment an. Zeitlich war es 2015 so eng, dass ich einem Verlag keinen sicheren Abgabetermin für die Novelle hätte garantieren können. Ein Self-Publisher ist da wesentlich flexibler und schneller. Als sich ein Zeitfenster auftat, habe ich es sofort genutzt und es hat sehr viel Spaß gemacht.
Die Novelle „Einsame Entscheidung“ ist insofern etwas Besonderes, dass sie die Tradition meiner Weihnachtsnovellen fortsetzt, aber auch gleichzeitig die DeGrasse-Serie und die LKA/SEALs-Serie verbindet. Es gibt ein Wiedersehen mit einigen Leser-Lieblingen, sie hat dennoch eine ganz eigenständige Handlung und zeigt schon, wie sich die beiden Serien weiterentwickeln werden. Die Novelle ist kein typischer Romantic Suspense, weil die (zukünftige) Heldin kaum persönlich präsent ist, aber dennoch eine wichtige Rolle spielt.

Wie würdest Du Deine Bücher beschreiben? Was zeichnet sie aus? Worauf legst Du besonderen Wert?
Neben der Spannung und der Liebe darf auf keinen Fall der Humor zu kurz kommen! Und neben den starken Männern würde jede schwache Frau gnadenlos untergehen, also müssen auch sie ‚ihren Mann stehen können‘.
Als besonderes Kennzeichen der Bücher wird immer wieder der Zusammenhalt der Familie oder der Freunde genannt.
Daneben gibt es auch immer ein ernstes Thema, das ohne erhobenen Zeigefinger angesprochen wird. Es ist mir immer wichtig, einen ganz konkreten Missstand in der heutigen Welt aufzuzeigen, aber diesen dann spannend und unterhaltsam zu verpacken.

War es schwer, einen Verlag für Deine Bücher zu begeistern?
Jein. Die DeGrasse-Serie landete gleich im ersten Versuch bei Lyx. Mit der anderen Serie hat es zunächst eine ganze Zeit gedauert, weil es in Deutschland einfach nicht üblich war (ist), dass eine Frau über militärische Themen schreibt. Witzigerweise ist die LKA/SEALs-Serie dann aber doch zeitgleich mit „Luc“, dem ersten DeGrasse Bruder, veröffentlicht worden, weil der Sutton-Verlag mutig genug war, das ungewöhnliche Thema zu publizieren.

Wie recherchierst Du für Deine Bücher?
Wenn es geht, dann in Form von Gesprächen mit Leuten, die sich in dem Thema gut auskennen, und ansonsten viel im Internet. Ich hoffe sehr, dass jedem, der meine Internetprotokolle auswertet, klar ist, dass ich ein Autor bin und meine Jungs die Welt retten und nicht beabsichtigen, sie zu zerstören! Die „Google“-Abfragen sind manchmal schon etwas heikel, ich denke da nur an „Rob“, als ich herausfinden musste, wie man Trinkwasser vergiften kann.

Haben Deine Protagonisten reale Vorbilder?
Bewusst nicht, aber unterbewusst wohl doch. So ist mir zum Beispiel erst im Nachhinein aufgefallen, dass rein äußerlich eine Nebenfigur aus der DeGrasse Serie eine erstaunliche Ähnlichkeit mit einem Schauspieler hat, der einen göttlichen, nordischen Superhelden spielt. Und beim Coverbriefing zu Band 3 aus der Heart Bay-Serie hatten meine Lektorin und ich sofort den gleichen Schauspieler (Gerard Butler) vor Augen. Außerdem kann ich nicht ausschließen, dass – rein unbewusst natürlich –  auch mal jemand, der mich im realen Leben geärgert hat, sich in einem der Bücher wiederfindet, dann aber nicht gerade als Held.

Wie entscheidest Du über die Namen Deiner Protagonisten? Historische Vorbilder? Persönliche Vorlieben?
Bisher sind sie mir meistens spontan eingefallen, alternativ hilft auch ein Brainstorming mit Freundinnen oder natürlich auch ein Hilferuf auf Facebook. Die Facebook-Gemeinde hat mir schon bei Hundenamen (Scout, Shadow) und beim Namen einer weiblichen Heldin (Samira) geholfen.

Auf welche exotischen Handlungsorte oder Geschichten dürfen wir uns in Zukunft freuen?
Es wird demnächst eine Hochzeit in San Diego geben, die noch mit einigen Überraschungen aufwartet. Der übernächste Band der LKA/SEAL-Serie führt dann unter anderem in den Kosovo und nach Somalia und dann ist auch Afghanistan immer noch ein großes Thema.

Wirst Du weiterhin im Bereich Romance schreiben oder darf man sich auch auf anderes aus Deiner Feder freuen?
Es wird in nächster Zeit zwei Veröffentlichungen geben, die stärker in Richtung Thriller tendieren, und als Kontrastprogramm dazu gibt es noch ein Geheimprojekt für das Jahr 2016, das ich mit einem Co-Autor plane und das in eine andere Richtung geht. Darauf freue ich schon sehr und kann es kaum erwarten. Ich glaube, das wird einige überraschen, andere, die mich (uns) kennen, vielleicht nicht so sehr.

Welche Frage würdest Du Dir selbst gerne stellen?
Ich passe. 🙂

Welche Frage/n würdest Du gerne an Deine Leser richten?
Die Verlage behaupten, dass der Leser immer ganz bestimmte Anforderungen und Vorstellungen hat, die ein Autor keinesfalls übertreten darf. Ich teste aber gerne Grenzen und mich würde interessieren, ob das wirklich so gilt. Muss es immer ein klassisches Happy End sein, oder geht nicht auch ein Ende wie in „Einsame Entscheidung“? Oder ein anderes Beispiel: Die Szenen mit Luc und Scott in der Weihnachtsnovelle waren aus Sicht des Lektorats eigentlich überflüssig, aber ich mochte sie sehr. Ist der Leser wirklich so streng, wie das Lektorat unterstellt? Oder geht es nicht eher um das Gesamtbild, das stimmen und unterhalten muss?