Interview-Mittwoch mit Anne Gard

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(c) Anne Gard

Ob Michael Jackson, Tagträumereien oder „Ben and Jerry´s“-Eis: Genauso vielseitig wie Anne Gard selbst, sind auch ihre Bücher. Doch wie kam die Autorin überhaupt zum Schreiben? Und was hat es mit der „Romance Alliance“ auf sich, bei der die Autorin Mitglied ist? Für diese und weitere Fragen ist uns Anne Gard im Interview Rede und Antwort gestanden …

Wer ist Anne Gard und wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich bin romantisch, neugierig, manchmal chaotisch und verpeilt. Ich liebe meine Familie und mein Häuschen auf dem Lande, das nicht immer so ordentlich ist, wie ich es mir wünsche. Aber „Women with clean houses do not have finished books“ ist die perfekte Ausrede, wenn ich gerade mal wieder im Kopfkino rumhänge, um die nächste Geschichte zu erfinden. Ich bin kein rationaler Mensch, auch kein Zahlenmensch. Ich liebe es, meiner Fantasie Raum zu geben – am besten auf unendlich vielen Seiten eines Romans – denn es gibt nichts Schöneres, als eine Geschichte zum Leben zu erwecken.

Wie ich zum Schreiben gekommen bin? Daran ist meine große Liebe Schuld. Und das ist kein Geringerer als Michael Jackson. Für ihn schrieb ich im zarten Alter von 17 Jahren ein Drehbuch. Hätte er es je zu Gesicht bekommen, wäre er ganz sicher in Liebe zu mir entbrannt. Mrs. Anne Jackson. Hört sich doch gut an, oder nicht? Nun ja, das Schicksal wollte uns leider nicht zusammenführen.

Sie schreiben Liebesromane. Was fasziniert Sie so an diesem Genre? Warum gerade dieses Genre?

Ich glaube an die Kraft der Liebe in allen Lebensbereichen – ob zwischen Mann und Frau, zu den Eltern, zu den Kindern oder zu Freunden. Über die Liebe zu schreiben, ist mein Herzensprojekt und ich kann mir kein erfüllenderes Thema vorstellen.

Wie würden Sie Ihre Bücher beschreiben? Was zeichnet sie aus? Worauf legen Sie besonderen Wert?

Die Authentizität der Protagonistin ist mir ein großes Anliegen. Wenn eine Leserin schreibt, sie habe in meiner Hauptfigur eine gute Freundin gefunden, gibt es für mich kein größeres Lob. Ich liebe zudem humorvolle Situationen, die gern auch ins Skurrile gehen dürfen.

Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich liege genüsslich in den Federn, bis mir ein Dienstmädchen ein leckeres Frühstück serviert und ein herrliches Schaumbad einlaufen lässt. Ab 12 Uhr setzte ich mich ausgeruht und voller Schwung bis zum Nachmittagstee an den Laptop und ab 16 Uhr ist Feierabend, den ich in aller Ruhe mit meiner Familie verbringe … Ach, Tagträume sind doch was Wunderbares!

Mein Arbeitstag sieht leider ganz anders aus – früh aufstehen, dann ab ins Büro. Wieder zu Hause heißt es, die Familie versorgen und ansonsten den ganz normalen Alltagswahnsinn überleben. Aber dann – ab 20 Uhr gehört der Abend nur mir. Dann ziehe ich mich in mein Schreibkammerl im Dachgeschoss zurück, je nach Stimmung mit einer Tasse heißem Tee oder einem Gläschen Wein, und tauche ab in andere Welten. Leider oft bis über Mitternacht hinaus, weswegen ich dann am nächsten Tag nicht immer ganz so frisch im Büro erscheine, wie ich sollte.

Was inspiriert Sie für Ihre Geschichten?

Die Menschen um mich herum und die grundlegenden Fragen des Lebens und der Liebe. So gab es auch bei meinem aktuellen Roman „Zwei Volltreffer sind einer zu viel“ eine konkrete Fragestellung, die mich interessiert: welche Beziehung könnte besser funktionieren, welche beständiger sein – die, die im Internet entsteht, wo man nach einem Foto und nach Profilangaben urteilt, oder eine Partnerschaft, die im realen Leben ihren Ausgang nimmt und die Chemie und die spontane Sympathie über eine gemeinsame Zukunft entscheidet.

Wie recherchieren Sie für Ihre Bücher?

Tante Google ist meine beste Freundin. Wir verbringen viele aufschlussreiche Stunden miteinander.

Haben Ihre Protagonisten reale Vorbilder?

Nein, aber ich versuche, sie möglichst realitätsnah darzustellen. Meine Protagonistin soll einer ganz normalen Frau entsprechen, einer Frau wie du und ich, auch wenn sie in Situationen gerät, in die wir vielleicht nicht so ohne Weiteres hineinschlittern würden.

Wie entscheiden Sie über die Namen der Protagonisten? Gibt es Vorbilder? Persönliche Vorlieben?

Vorbilder bei der Namensfindung gibt es keine. Letztendlich entscheidet die Handlung des Romans. Spielt sie in Bayern, dann erhält die Protagonistin einen bayrischen Namen, vorausgesetzt natürlich, dass er auch zur Geschichte passt. Und dann kommt es auf den Charakter der Protagonistin an. Ist sie ein sanfter, verträumter Mensch, bekommt sie einen weichen Namen. Ist sie eine unsympathische Figur oder gar eine Mörderin einen härteren Namen.

Auf welche exotischen Handlungsorte oder Geschichten dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Auf einen Cosy Crime, den ich Mitte nächsten Jahres im Rahmen der Romance Alliance Love Shots-Reihe bei DP Digital Publishers veröffentlichen werde. Der Handlungsort ist allerdings kein exotischer, sondern ein ganz bodenständiger – nämlich ein Dorf in Bayern.

Können Sie uns schon etwas zu Ihrem neuen Buch verraten?

Ich habe bisher nur ein paar Gedanken im Kopf, die noch ihren Weg aufs Papier finden müssen. Die Charaktere müssen also erst noch zum Leben erweckt werden.

Sie sind Mitglied der „Romance Alliance – Bücher mit Herz“. Was können Sie den Lesern darüber erzählen? Was bedeutet die „Romance Alliance“ für Sie?

Die „Romance Alliance“ ist ein ganz besonderer Teil meines Lebens. Gefunden haben wir uns 2014, als Bettina Kiraly die Idee hatte, gemeinsam eine Adventsaktion auf Facebook zu starten. Damals waren wir nur ein paar Autorinnen, der harte Kern. Über die Monate und Jahre hinweg sind wir eng zusammengewachsen. Und dann sind auch noch weitere Autorinnen dazugekommen und nun sind wir ein richtig bunter, fröhlicher Haufen. Wir tauschen uns aus und unterstützen uns gegenseitig, und das nicht nur in Bezug auf unsere Autorentätigkeit, sondern auch wenn eine von uns mal private Sorgen hat. Fühle ich mich mies, weiß ich, dass ich in unserer Gruppe immer Rückhalt erfahre.

Ein besonderes Highlight sind unsere Treffen auf Messen. Dieses Jahr hatten wir zudem die wundervolle Chance, bei DP Digital Publishers eine eigene Reihe auf die Beine zu stellen: die Romance Alliance Love Shots. Monatlich erscheint ein neuer Love Shot aus den verschiedensten Genres – historical, chick lit, cosy crime, gay romance und und und und … Wer mehr erfahren möchte, kann gern auf unserer Facebook-Seite, auf der wir auch immer wieder Gewinnspiele veranstalten, oder unserem Blog vorbeischauen.

Haben Sie ein Guilty Pleasure, das Sie mit uns teilen möchten?

Da muss ich mich wohl outen – ich liebe „Germany’s next Top Model“ und verpasse keine Folge der „Bachelorette“ oder des „Bachelors“. Dann noch eine große Schale „Ben and Jerry´s“-Eis und mein Paradies ist perfekt.

Welche Bücher lesen Sie in Ihrer Freizeit? Welches im Moment?

„Tage des Sturms“ von Iny Lorentz. Bisher war ich kein Fan von historischen Romanen, aber gerade ändern sich meine Vorlieben.

Welches Buch/welchen Autor würden Sie uns als aktuelle Leseempfehlung geben und warum?

Natürlich lese ich sehr gern unsere Love Shots oder die Romane meiner Romance Alliance Kolleginnen. Bettina Kiralys Kurzroman „Zwei Wochen Ibiza“ hat mir sehr gut gefallen, weil es auch hier um eine grundlegende Frage geht: wie weit ist man bereit für die große Liebe zu gehen? Wird Andre sich für Nathan entscheiden, um mehr Zeit als nur zwei Wochen auf Ibiza mit ihm zu verbringen? Oder wird ihre Liebe scheitern?

Welche Frage würden Sie sich selbst gerne stellen?

Wie sieht mein Leben in fünf Jahren aus? Sind alle wohlauf und gesund? Bin ich an meinen Zielen angekommen, die ich mir heute gesteckt habe?

Welche Frage/n würden Sie gerne an Ihre Leser richten?

Was bedeutet für Dich Glück?