Interview-Mittwoch mit Barbara Longley

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(c) Barbara Longley

Barbara Longley ist bekannt für ihre Geschichten rund um die keltischen Sagen und Legenden. Was sie an diesem Genre fasziniert, warum sie sich gerne Zeit für ausgedehnte Recherchen lässt und wie ihr Arbeitstag als Autorin aussieht, hat uns Barbara Longley im Interview verraten!

Wer ist Barbara Longley und wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich wurde an der Ostküste der USA geboren. Mein Vater war Biochemiker und wegen der vielen verschiedenen Ortswechsel, die seine Karriere gefordert hat, mussten wir oft umziehen. Weil ich dadurch so oft das „neue Kind“ in der Nachbarschaft und der Schule war und es schwer hatte, Anschluss zu finden, lernte ich, mich alleine zu unterhalten – indem ich mir Geschichten ausdachte. Mein Vater war auch ein begnadeter Geschichtenerzähler, genau wie meine sehr irische Großmutter – was natürlich großen Einfluss auf mich hatte. Das Geschichtenerzählen liegt mir also im Blut 😉

Als ich dann erwachsen war, arbeitete ich für viele Jahre als Grundschullehrerin und nachdem meine eigenen Kinder dann in der High School waren und für sich selbst sorgen konnten, fing ich wieder mit dem Schreiben an – diesmal mit dem Bestreben, dass meine Geschichten veröffentlicht werden. Meine erster veröffentlichter Roman erschien 2011: „Heart of the Druid Land“, ein Celtic Fantasy-Roman.

Sie schreiben sowohl im Bereich Contemporary Romance als auch Celtic Fantasy-Romane. Was fasziniert Sie so an diesen Genres und besonders an der keltischen Geschichte?

Ich schreibe Celtic Fantasy weil ich das, was wir über diese Kultur wissen und die Mythologie darüber wirklich faszinierend finde. Das Volk der Tuatha dé Danann, mystische Krieger wie Fionn MacCumhail, Brian Boru, die hohen Könige und der magische Aspekt eignen sich hervorragend für meine Art, zu schreiben. Ich habe mehr Bezug zu diesen Geschichten als zu anderen Mythologien. Vielleicht spielen da auch meine keltischen Wurzeln mit rein. Die Zahl an Büchern, die ich über die Geschichte, die Mythen und die Legenden der Kelten gelesen habe, ist fast schon peinlich! 😉

Zeitgenössische Romane schreibe ich, weil ich eine Vielfalt an Genres bedienen will, um schreibtechnisch immer auf dem neuesten Stand zu sein. Beide Genres brauchen verschiedene Fähigkeiten und ich denke, diese zu wechseln, regt meine Kreativität an.

Wie würden Sie Ihre Bücher beschreiben? Was zeichnet sie aus?

Ich würde meine zeitgenössischen Romane als sehr persönlich beschreiben, weil alle meine Geschichten reale Erlebnisse oder etwas, das mich tief berührt hat, erzählen – und was ich daher unbedingt entdecken, aufarbeiten und ausdrücken muss.

Was die Celtic Fantasy-Romane angeht: Sie lassen meiner Vorstellungskraft und Fantasie freie Hand und das ist pures Glück für mich. Ich kann mich in puncto Magie/Naturwissenschaften und den unendlichen Möglichkeiten, die in unserem Universum existieren, voll ausleben! Ehrlich gesagt, ermöglichen mir Fantasien, die Königin in meinem Universum zu sein! Ich kann coole Dinge erfinden, Welten kreieren und entscheiden, wie die Dinge auf glaubhafte Art und Weise ineinandergreifen. Die Handlungen meiner Celtic Fantasy-Romane sind viel komplizierter, als die meiner zeitgenössischen Geschichten. Fantasy ist viel mehr Arbeit, weil das Erschaffen einer eigenen Welt um einiges mehr an Planung und Aufteilung erfordert. Das ist gut. Ich glaube, es ist genauso wichtig, unseren Geist zu trainieren, wie unsere Körper.

Wie recherchieren Sie für unsere Bücher?

Ich bin ein Freak im recherchieren! Für meine Recherchen lasse ich mir lange Zeit, besonders, weil ich dafür gerne an andere Orte reise oder Fechtunterricht nehme, um Kampf-Szenen besser verstehen und verfassen zu können. Ich habe sogar ein Jahr lang einen Kurs in Irisch belegt.

Meine Bücherregale quellen fast über von Geschichtsbüchern, Schottischen, Englischen und Irischen Mythen und Legenden, Bücher über Kräuterkunde, Naturwissenschaften, Wiedergeburt, Ley-Linien … alles, was es so gibt. Ich sammle Bücher, wie andere Leute Steine oder Münzen. Ich bin überzeugt davon, dass ich solche Infos irgendwann für eine Geschichte brauche, deswegen horte ich alle Arten von Büchern. Ich liebe den Recherche-teil meiner Arbeit um einiges mehr als den Marketing-Teil. Bring mich in einen Raum voller Recherche-Material über etwas, das ich interessant finde und schon macht du mich zum glücklichsten Mädchen der Welt! 😉

Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Autorin bei Ihnen aus? Sind Sie sehr organisiert oder beherrscht das Chaos oder gar eine/r Ihrer Protagonist*innen Ihren Alltag?

Ich bin organisiert, fast schon obsessiv, was Struktur betrifft. Für jedes Buch entwerfe ich eine Tabelle, mit einem Entwurf, was in welchem Kapitel passieren muss. Ich habe eine Art „Buch-Bibel“, in der jede einzelne Figur festgehalten ist – und ihre Beschreibung, Abstammung, Charakterzüge, wo die Geschichte spielt usw. Ich schreibe eine eine lange Inhaltsangabe nachdem die Recherche abgeschlossen ist, welche mir dann als Entwurf dient. Neue Inspiration kann zwar die Handlung, die ich vorgesehen hatte, verändern, aber dann überarbeite ich die Inhaltsangabe dementsprechend, um über die Änderungen nachzudenken.

Ich stehe ungefähr um 5:15 Uhr aus, mache mir einen Kaffee, kümmere mich um den Hund und danach setze ich mich an den Schreibtisch und schaue nochmal über das, was ich am Tag zuvor geschrieben habe. Das hilft mir, mich wieder in die Geschichte einzufühlen. Ich optimiere und überarbeite Dinge und dann beginne ich, weiter zu schreiben. Aber ich denke nicht daran, Wörter zu zählen, wie es andere Autoren tun. Ich habe keine „Schreib-Ziele“. Ich erlaube mir, mich in der Geschichte zu verlieren und werde zu den Charakteren, so als wäre ich ein Schauspieler auf der Bühne.

Gegen 8:30 Uhr gönne ich mir dann ein Frühstück und mache mich frisch. Ungefähr um 10:30 Uhr werde ich aber unruhig und gehe mit dem Hund spazieren. Wenn ich zurückkomme, arbeite ich meist an anderen anfallenden Aufgaben, wie zum Beispiel diesem Interview oder ich mache gewöhnliche Alltagsdinge 😉

Haben Ihre Protagonist*innen reale Vorbilder?

Ja, definitiv. Bewusst oder unbewusst wähle ich für meine Figuren Charakterzüge von Menschen, die ich kenne und liebe oder von Leuten, über die ich in der Zeitung lese oder von Songs aus dem Radio und diese Charakteristika binde ich dann in meine erfundenen Figuiren mit ein. Wie könnte ich das auch nicht tun? Wir Autor*innen können nichts dafür, aber wir kreieren oft Dinge, die auf der Welt um uns herum basieren 😉

Wie entscheiden Sie über die Namen Ihrer Charaktere? Historische Vorbilder? Persönliche Vorlieben?

Manchmal ist es echt schwierig, Namen auszuwählen. Als ich noch unterrichtet habe, habe ich Namen von Schülern oder Kollegen geklaut 😉 An den Wochenenden habe ich für einen Blutspendedienst geworben. Ich hatte einen kleinen Laptop auf meinem Tisch und wenn mir ein interessanter Name aufgefallen ist, habe ich ihn notiert, um ihn vielleicht mal verwenden zu können. Natürlich habe ich auch Bücher über Baby-Namen und typische, keltische Namen 😉

Auf welche (exotischen) Handlungsorte und Geschichten dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Im Moment arbeite ich an einer brandneuen post-apokalyptischen Fantasy-Serie namens „The Chronicles of Worthlore“. Das Setting der Geschichte könnte man schon als exotisch bezeichnen – die Geschichte spielt zwar in unserer Welt, doch diese unterscheidet sich ziemlich von der Welt, wie wir sie kennen. Die Erde hat keine sieben Kontinente mehr, sie hat sich durch eine „große Flut“ verändert und die tektonischen Platten haben sich stark bewegt, weshalb einige jetzt von Ozeanen überschwemmt sind. Eine von diesen Platten enthüllt einen lange verborgenen Zauber und einige Kreaturen, von denen man dachte, sie wären Mythen, tauchen auf. Lustiger Inhalt, mit einer Menge Intrigen, Spannung und einer Gruppe von drei Teenagern, die einen Weg finden müssen, ihr Königreich und sich selbst zu retten.

Sie sind viel gereist und haben sogar in einer Appalachen Gemeinde gelebt. Hatte das irgendeinen Einfluss auf Ihre Romane?

Ja, aber nicht auf die Art, wie Ihr vielleicht denkt. Meine Neugier treibt mich dazu, neue Dinge auszuprobieren und zu neuen Orten zu reisen – und neugierig zu sein heizt meine Fantasie an. Meine „Perfect, Indiana“-Serie habe ich in einer erfundenen Stadt angesetzt, die auf Haubstadt in Indiana basiert, wo ich als Kind gelebt habe. Und die „Haney“-Reihe spielt in Saint Paul in Minnesota, wo ich auch 15 Jahre lang gewohnt habe. Es ist leicht, über einen Ort zu schreiben, den ich kenne aber es macht viel mehr Spaß, zum recherchieren an Orte zu reisen, die ich nicht kenne.

Haben Sie ein Lieblingsbuch oder gibt es ein Buch, dass Sie ihr ganzes Leben lang in irgendeiner Form begleitet hat?

Nein, nicht wirklich. Ich lese drei oder vier Bücher pro Woche, daher ändert sich mein Lieblingsbuch fast jeden Tag 😉

Planen Sie, in naher Zukunft nach Deutschland zu kommen?

Das würde ich wirklich total gerne! Meine Mutter hatte deutsche Vorfahren und ich würde die Orte, an denen meine Ahnen lebten, gerne mal besuchen. Ich möchte einige der Burgen und mittelalterlichen Dörfer sehen und die Geschichte hinter diesen Gebäuden erleben. Ich glaube, ich werde wirklich bald mal dorthin reisen!

Welche Frage würden Sie sich selbst gerne stellen?

Wo wirst Du in fünf Jahren sein? Ich möchte mir Ziele setzen.

Welche Frage würden Sie Ihren Lesern gerne stellen?

Wie kann ich Euch locken, meine Bücher zu lesen? 😉