Interview-Mittwoch mit Elke Becker

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Elke Becker,(c) by Urbschat

Sie bezeichnet sich als Weltenbummlerin und würde für ihren Traummann ihre größte Phobie überwinden – vielleicht macht gerade das die Romane von Elke Becker so authentisch?

Im Interview hat uns die Autorin mehr darüber verraten.

 

Wer ist Elke Becker und wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Tja, wer bin ich? Wenn ich das so genau wüsste, denn da lasse ich mich nicht so ganz festlegen 😉 Ich bin ein weltenbummelndes Schwabenkind, das auf Mallorca lebt und in Venezuela zum Schreiben gekommen ist. Begonnen hat es mit einem Online-Reisetagebuch in 2 Versionen, während meines Spanisch-Studiums. Eine Version war für meine Eltern, die andere für meine Freunde. So könnte man meinen Start beschreiben, wobei Romane schreiben erst viel später nach meiner Drehbuchausbildung kam.

Du schreibst sowohl Frauenromane und Krimis, als auch – unter dem Pseudonym J. J. Bidell – Romane aus dem Bereich Fantasy. Was fasziniert Dich so an diesen doch sehr gegensätzlichen Genres?

Mir drängt sich immer die Geschichte auf, das Genre kommt dann ganz von allein.

Wie würdest Du Deine Bücher aus dem Bereich Romance beschreiben? Was zeichnet sie aus? Worauf legst Du besonderen Wert?

Ich mag starke Frauen, die wissen, was sie wollen, es aber nicht ohne Umwege bekommen. Das spiegelt sich in all meinen Romance-Romanen wider. Denn auch starke Frauen dürfen schwach werden, ohne sich dabei selbst zu verlieren.

Was kannst Du uns über Dein aktuelles Buch erzählen?

Mein aktuelles Buch ist ein Krimi, der gerade aus dem Piper-Lektorat kommt. Der erste Band der Krimireihe um Toni Morales, der auf Mallorca ermittelt. Der erste Band greift ein trauriges Kapitel während der Franco-Zeit auf, in der von Kirche und Ärzten etwa 300.000 Kleinkinder und Säuglinge ihren Eltern weggenommen wurden. Im Roman rächt sich eines der geraubten Kinder.

Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei Dir aus?

Kaffee trinken und Mails beantworten, Yoga, um mich zu konzentrieren und fit zu bleiben – danach steht bis mittags mein Schreibpensum an, Mittagspause mit kleinem Powernap und dann geht es bis zum Abend weiter. Entweder am Skript arbeiten oder eben Mails beantworten oder mich um das Autorensofa kümmern. Gegen 18 Uhr mache ich meist Feierabend. Außer natürlich, die Hütte brennt 😉

Was inspiriert Dich für Deine Geschichten?

Meist eine erlebte Situation, das kann auch eine Reportage im Fernsehen oder ein Zeitungsartikel sein, aber auch eine Unterhaltung am Nebentisch. Da kommt dann schnell die Frage auf: Was wäre, wenn …?

Wie recherchierst Du für Deine Bücher?

Immer vor Ort. Ich denke, der Leser merkt sehr genau, ob man die beschriebenen Orte selbst kennt oder nicht. Dann natürlich viele Gespräche mit den Menschen. Beim Krimi kläre ich alles direkt mit der hiesigen Polizei. Da ist es von Vorteil, die richtigen Leute zu kennen, sonst stochert man bei den Zuständigkeiten schnell im Dunkeln. Und auch das merkt der Leser.

Haben Deine Protagonisten reale Vorbilder?

Nein, ganz selten, wobei so mancher Charakterzug, den ich einem Protagonisten verpasse, durchaus auch von jemandem aus meinem Bekanntenkreis stammen kann.

Wie entscheidest Du über die Namen Deiner Protagonisten? (Historische) Vorbilder? Persönliche Vorlieben?

Ich habe da immer ein Gesicht vor Augen. Und kennt ihr das auch: Ihr seht jemanden und wenn der seinen Namen sagt, dann passt der für euch oder eben nicht? So geht es mir mit meinen Protagonisten, ich habe ein Bild vor Augen und die Person KANN nur so heißen, weil es nur so passend ist.

Auf welche (exotischen?) Handlungsorte oder Geschichten dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Im Moment verweile ich auf Mallorca, da ist neben der Krimireihe auch noch ein Romance-Titel geplant. Und sonst entführe ich Euch weiterhin in die Welt, wie bisher auch. Ich bin ein Reisevogel und bringe meist eine neue Geschichte aus dem Urlaub mit, da ist dann das Schreiben wie ein weiterer Urlaub 🙂

Wie weit würdest Du für Deinen Traummann gehen?

Weit. Wenn ich sage, ich würde, um ihn retten zu müssen, durch ein großes Netz voller Spinnen gehen, sagt das bei meiner Phobie alles aus.

Hast Du ein Guilty Pleasure, das Du uns verraten möchtest?

Ich stehe zu all meinen schrägen Vorlieben und ich denke, ich habe einige davon. Ich schaue zum Beispiel „Medical Detectives“, wenn ich nicht schlafen kann. Das ist für mich wirksamer als jedes Schlafmittel. Oder ich sehe auch gerne die Auswanderer auf VOX.

Welche Bücher liest Du in Deiner Freizeit? Welches im Moment?

Eigentlich lese ich alles querbeet, je nach Stimmung. Im Moment lese ich „Die Samariterin“. Einen Thriller meiner geschätzten Kollegin Ulrike Bliefert, den sie mir mit einer tollen Widmung auf die Insel geschickt hat.

Welches Buch/welchen Autor aus dem Bereich Romance würdest Du als aktuelle Leseempfehlung geben und warum?

Ich lese die Romane von Jo Berger sehr gerne. Ich liebe ihren trockenen Humor.

Welche Frage würdest Du Dir selbst gerne stellen?

Wo wirst du in zehn Jahren leben? Die Antwort dazu würde mich sehr interessieren.

Welche Frage/n würdest Du gerne an Deine Leser richten?

Lest Ihr auch quer durch alle Genres oder seid Ihr einem Genre treu? (SL)

Elke Becker,(c) by Urbschat