Interview-Mittwoch mit Elli C. Carlson

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(c) Elli C. Carlson

Elli C. Carlson liebt ihre Hunde, ihre Katzen und Elefanten. Warum es die Dickhäuter der Autorin so angetan haben, hat sie uns am Interview-Mittwoch verraten. Und natürlich auch, was ihre Romane auszeichnet. In ihren Geschichten geht es oft um starke Frauen, die wichtige Entscheidungen treffen müssen – was im echten Leben dabei helfen kann? Dafür hat Elli C. Carlson ihren ganz eigenen Trick …

Wer ist Elli C. Carlson und wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Elli ist eine Geschichten-Diebin, das fing schon als Kleinkind an. Da habe ich alle dazu gebracht, mir ihre Geschichten zu erzählen. Ich habe die komplette Verwandtschaft in die Verzweiflung getrieben. Später habe ich dann alles gelesen, was man in die Finger bekommen konnte. Die Bibliothekarin unserer Stadtbücherei hat mich vermutlich öfter gesehen, als meine Mutter. Irgendwann war ich allerdings so genervt davon, dass die richtig tollen Charaktere in den Büchern oder Märchen meistens die Jungs waren: Die Mädels standen oft nur daneben, sollten toll aussehen und mussten am Ende gerettet werden. Mich hat das so geärgert, dass ich angefangen habe, mir meine eigenen Geschichten auszudenken. So hat alles angefangen.

Später bin ich dann auf Reisen gegangen, habe als Journalistin fürs Fernsehen gearbeitet und irgendwann Drehbücher geschrieben. Ziemlich viele Drehbücher. Was ziemlich viel Spaß gemacht hat. Doch beim Drehbuchschreiben ist man oft so eingeschränkt. Man muss aufs Budget achten, auf die Schauspieler, den Regisseur, die Produzenten, den Sender und und und … Wenn ich mich hinsetze und einen Roman schreibe, dann habe ich alle Freiheiten der Welt. Und so habe ich 2016 damit begonnen, einfach beides zu machen.

Du schreibst Liebesromane. Was fasziniert Dich so an dem Genre, warum gerade dieses Genre?

Ist die Liebe nicht das, was alles irgendwie zusammenhält? Es gibt keine Geschichte, die ich kenne und die mich fasziniert, die nicht mit Liebe zu tun hat. Vermutlich ist es daher klar, dass – egal welche Idee mich gerade anspringt – am Ende immer eine Liebesgeschichte dabei rauskommt.

Wie würdest Du Deine Bücher beschreiben? Was zeichnet sie aus? Worauf legst Du besonderen Wert?

Es gibt zwei Dinge, auf die sich die Leser*Innen bei meinen Romanen verlassen können – die beiden Hs, wie ich sie gerne nenne: Humor und Happy End. Ich möchte, dass meine Leser*Innen bei all dem Drama und der Tragik und den Emotionen dennoch lachen können und am Ende mit einem guten Gefühl die letzte Seite lesen. Dazwischen dürfen gerne Tränen fließen, es muss nicht alles Eitel-Sonnenschein sein und die Leser*Innen dürfen sich auch gern an der einen oder anderen Stelle über die Charaktere und ihre Entscheidungen ärgern. Zum Schluß halte ich es wie Oscar Wilde: Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.

Was kannst Du uns über Dein aktuelles Buch erzählen?

In „Ausgerechnet Kalifornien“, das im Frühjahr erschienen ist, geht es um Anna, die eigentlich alles hat, was man sich wünschen kann: Geld, eine tolle Wohnung, eine erfolgreiche Karriere. Was sie gerade nicht gebrauchen kann, ist die Liebe, eine Beziehung oder eine Familie. Zumindest denkt sie sich das. Bis eines Tages ein völlig chaotischer Hund in ihr Leben purzelt und eine ziemlich turbulente Kettenreaktion auslöst, die alles, woran Anna bislang geglaubt hat, auf den Kopf stellt. Sixpacktragende Feuerwehrmänner und zickige Teenager spielen ebenfalls eine nicht unerhebliche Rolle.

Es ist eine ziemlich rasante, humorvolle Liebesgeschichte, die aber auch ein paar ernstere Themen anspricht und im Grunde die Frage stellt, ob wir überhaupt ohne Liebe leben können oder wollen, auch wenn sie uns großen Kummer bereitet.

Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei Dir aus?

Ich stehe meist früh auf, setze mich mit einem Kaffee auf die Terrasse und versuche, wach zu werden. Wenn mir das gelungen ist, gehe ich mit meinen beiden Hunden auf eine Morgenrunde. Danach bin ich dann wirklich wach und kann mich an den Schreibtisch setzen. Bis Mittags arbeite ich an den aktuellen Projekten. Bis zum Nachmittag mache ich eine Pause. Etwas essen, Nachrichten lesen, mich mit Freunden treffen und dann natürlich mit den Hunden raus aufs Feld. Anschließend arbeite ich weiter und wenn der Termindruck groß ist, kann’s auch mal spät werden. Die Wochenenden versuche ich mir frei zu halten, auch wenn die aktuellen Geschichten ständig im Kopf herumschwirren. Wenn mann´s so auflistet, hört es sich ziemlich langweilig an.

Was inspiriert Dich für Deine Geschichten?

Tatsächlich meist das wahre Leben. Geschichten, die mir erzählt worden sind oder die ich irgendwo gelesen habe oder die mir selbst passiert sind. Davon nehme ich dann die passenden Fragmente, die ich dann zu einer neuen, gänzlich fiktiven Geschichte zusammenfüge. Ich glaube nämlich, dass das echte Leben die besten Geschichten schreibt. Auch wenn sie auf den ersten Blick völlig absurd erscheinen. Und ich kann versichern, dass Bellini (der chaotische Vierbeiner aus „Ausgerechnet Kalifornien“) ein reales Vorbild hat, das genau so zu seinem Namen und seiner Familie gekommen ist 😉

Wie recherchierst Du für Deine Bücher?

Ich versuche mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen und mir alles zu merken, was für eine Geschichte interessant sein könnte. Daneben gibt es natürlich das Internet und Fachleute, die ich befrage, wenn ich etwas genauer wissen muss. Die Orte, die ich beschreibe, besuche ich selbst oder habe sie besucht, um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen.

Für meinen Roman „Erleuchtung inklusive“ (der mir übrigens ganz besonders am Herzen liegt) bin ich zum Beispiel den Jakobsweg gegangen. Und zwar mit meinem Hund Bamba, was ziemlich nervenaufreibend war. Aber immerhin lade ich meine Leser*Innen auf ein gemeinsames Abenteuer ein und da bin ich es ihnen doch schuldig, genau zu wissen, wohin unsere Reise geht.

Haben Deine Protagonisten reale Vorbilder?

Nein, aber ich möchte mich an dieser Stelle zutiefst und aus ganzem Herzen bei allen bedanken, die mich auf die eine oder andere Weise (und mit ihren manchmal schrägen Eigenschaften) zu meinen Protagonisten inspiriert haben.

Wie entscheidest Du über die Namen Deiner Protagonisten? (Historische) Vorbilder? Persönliche Vorlieben?

Das ist ziemlich kurios. Oft ist es so, dass ich die Charaktere ziemlich genau ausarbeite bevor ich anfange, zu schreiben. Wo sie herkommen, was sie lieben und was sie nicht mögen, wovor sie vielleicht Angst haben. Und dann versuche ich ihnen einen Namen zu geben. Und sie geben mir ziemlich deutlich zu verstehen, ob sie damit einverstanden sind oder nicht. Es ist ein bißchen so, als würden sie mir ihren Namen erst verraten, nachdem ich meine Vorarbeit geleistet habe und wir uns schon ziemlich gut kennen.

Auf welche (exotischen?) Handlungsorte oder Geschichten dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Im Herbst erscheint mein neuer Roman „Sieben Tage und ein Jahr“ und darin geht es mal wieder in den hohen Norden an die wunderschöne Ostseeküste, die ich sehr liebe. Es ist eine Homecoming-Geschichte, in der es die Heldin nach zehn Jahren mehr oder weniger freiwillig wieder in ihren Heimatort verschlägt. Es ist eine Liebesgeschichte, aber auch ein Familienroman und beschäftigt sich mit der Frage, ob wir vor den Dingen, die uns Angst machen wirklich davonlaufen können oder ob wir uns nicht stellen müssen, um wirklich glücklich zu werden. Ein Hund taucht ebenfalls auf 😉

Wie weit würdest Du für Deinen Traummann gehen?

Darf ich die Frage etwas abwandeln? Es muss ja nicht immer ein Mann sein. Kann ja auch eine Frau sein, ein Kind oder etwas, das wir aus ganzem Herzen lieben. Und ja, dafür würde ich bis ans Ende der Welt gehen. In der Theorie. Ob ich im entscheidenden Moment so mutig und so entschlossen bin, muss dann wohl die Praxis zeigen.

Hast Du ein Guilty Pleasure, das Du uns verraten möchtest?

Ich lese Horoskope und vergesse zum Glück ganz schnell wieder, was genau drin steht.

Welche Bücher liest Du in Deiner Freizeit? Welches im Moment?

Ich lese so ziemlich alles, was ich in die Finger bekommen kann. Falls gerade nichts anderes zur Hand ist, auch schonmal die Gebrauchsanweisung eines Stabmixers. Auch wenn man zum Gebrauch eines Stabmixers nicht wirklich die Gebrauchsanweisung lesen muss. Das ist ziemlich schräg, aber wenn da was geschrieben steht, dann muss ich es einfach lesen. Romane oder ein tolles Sachbuch sind natürlich wesentlich unterhaltsamer und ich ziehe sie jederzeit vor.

Welches Buch/welchen Autor aus dem Bereich Romance würdest Du als aktuelle Leseempfehlung geben und warum?

Es gibt so viele wirklich wunderbare Bücher von großartigen Kolleginnen, da kann ich mich gar nicht entscheiden. Aber was ich gerade gelesen habe und was auf die eine oder andere Art auch eine herzergreifende Liebesgeschichte ist, ist „Die Spuren meiner Mutter“ von Jodi Picoult. Ein wirklich wunderbarer Roman über die Liebe zwischen Mutter und Tochter. Und Elefanten. Die sind jetzt (neben meinen Hunden und meiner Katze) meine Lieblingstiere.

Welche Frage würdest Du Dir selbst gerne stellen?

Es gibt tatsächlich eine Frage, die ich mir hin und wieder gerne stelle, um in diesem Chaos, das man so Leben nennt, nicht die Orientierung zu verlieren: Was ist es, was mich glücklich macht? Solltet ihr unbedingt ausprobieren, das hilft ziemlich gut bei kniffligen Entscheidungen.

Welche Frage/n würdest Du gerne an Deine Leser richten?

Da fallen mir ganz viele ein, ich bin ja so schrecklich neugierig. Aber um es kurz zu machen: Was ist es, was ihr an Geschichten liebt und welche Heldinnen gehen euch so richtig ans Herz und nicht mehr aus dem Kopf?

(c) Elli C. Carlson