Interview-Mittwoch mit Isabell May

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Isabell May Autorenfoto, (c) Sylvia van Heek

Eine Liebesroman-Autorin, die in ihrer Freizeit am liebsten Horrorgeschichten und Thriller liest? Für Isabell May sind diese Genres ein willkommener Ausgleich, denn als Autorin spielt sie sehr oft Amor und schickt ihre Heldinnen gerne mal auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Woher die Autorin ihre Inspiration nimmt und was es mit den Namen ihrer Protagonisten auf sich hat, das und vieles mehr hat uns Isabell May im Interview erzählt.

 

Wer ist Isabell May und wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich bin Kitschprofi und Bücherverschlingerin, Crazy Dog Lady und Horrorfan. Die Antwort auf die Frage, wie ich zum Schreiben gekommen bin, ist leider fürchterlich unspektakulär: Ich wollte es einfach immer schon. Als Kind habe ich (neben Tierärztin und Hühnerzüchterin) immer „Autorin“ als Berufswunsch genannt, mit zehn oder elf Jahren heimlich in der Schule während des Unterrichts meinen ersten Fantasy-Roman geschrieben, der seither in einem dicken Ordner verstaubt.

Wenn man erwachsen wird, hört man viel zu oft, man solle sich realistischere Träume zulegen, aber dieser Traum hat dann doch seinen Weg in die Realität gefunden. Seit 2014 schreibe ich Fantasy-, Liebes- und Heftromane, und zwar unter so vielen Pseudonymen, dass ich manchmal selbst fast den Überblick über all die Persönlichkeiten verliere.

Sie schreiben Romane im Bereich Romance. Was fasziniert Sie so an diesem Genre? Warum gerade dieses Genre?

Vielleicht ist an mir eine Kupplerin verlorengegangen. Ich liebe es, Buchcharaktere zueinander zu führen, die erst gar nicht begreifen, dass sie füreinander bestimmt sind – natürlich nicht, ohne sie vorher ein bisschen zu quälen und ihnen Steine in den Weg zu legen. Privat lese ich eigentlich wenig Romantik, befinde mich mitten in einer Thriller- und Horrorphase, aber auch dabei mag ich es, wenn eine Liebesgeschichte vorkommt. Wie langweilig wäre die Welt denn ohne die Liebe? Man geht Risiken ein, macht sich verletzlich, aber trotzdem ist es das alles hundertfach wert. Das sollen auch meine Romanheldinnen lernen und es gefällt mir, sie auf diesem Prozess zu begleiten.

Wie würden Sie Ihre Bücher beschreiben? Was zeichnet sie aus? Worauf legen Sie besonderen Wert?

Mir ist wichtig, dass sich die Emotionen in einer Geschichte echt anfühlen. Obwohl man weiß, dass man gerade nichts weiter als ein Stück Fiktion konsumiert, sollen die Gefühle dabei authentisch sein. Wenn mir Leserinnen erzählen, dass meine Bücher oder Heftromane sie aufrichtig berührt haben, habe ich meinen Job gut gemacht.

Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich schlafe geradezu unverschämt lange, schaffe es meist erst gegen Mittag aus dem Bett und auf die Couch, wo ich dann bis tief in die Nacht oder die frühen Morgenstunden schreibe. Pausen gibt es an den meisten Tagen nur, um mit meiner Hündin Gassi zu gehen und etwas zu essen. Ziemlich unspektakulär, fürchte ich. Alle bisherigen Versuche, mir einen vernünftigeren Arbeitsalltag mit normalem Tag-Nacht-Rhythmus zuzulegen, wie eine „richtige Erwachsene“, sind bisher fehlgeschlagen. Aber ich bemühe mich weiterhin redlich!

Was inspiriert Sie für Ihre Geschichten?

Das Leben und die Menschen, Bücher und Filme, Träume, Erzählungen von Freunden und Verwandten: Alles, was ich aufschnappe, bleibt irgendwo in meinem Kopf hängen, fließt in einen Gedankenpool mit ein und hat das Potenzial, eines Tages bei Bedarf eine Wiedergeburt als Buchidee zu erfahren.

Wie recherchieren Sie für Ihre Bücher?

Zu meinem großen Bedauern ausschließlich online. Falls ich es irgendwann schaffe, mir Recherchereisen zahlen zu lassen, mache ich ein dickes Häkchen auf meine Lebensziele-Liste und schreibe in Zukunft nur noch Romane, die auf Hawaii oder in Florida spielen.

Haben Ihre Protagonisten reale Vorbilder?

Schreiben ist etwas sehr Persönliches, darum fließt in jeden Romancharakter ein bisschen von mir selbst mit ein. Auch Menschen aus meinem persönlichen Umfeld oder öffentliche Persönlichkeiten inspirieren meine Protagonisten manchmal mit einzelnen Eigenschaften. Trotzdem ist jede Buchfigur eine eigenständige Persönlichkeit.

Wie entscheiden Sie über die Namen der Protagonisten? Gibt es Vorbilder? Persönliche Vorlieben?

Manche stammen von Namenlisten im Internet und klingen einfach nur schön, viele sind aber auch Hommagen an Menschen oder fiktive Figuren, die ich mag: Aidens Nachname ist von Jim Morrison geklaut, der Name der Protagonistin Violet Darcy ist an Mr. Darcy aus „Stolz und Vorurteil“ angelehnt, und so weiter. Und sämtliche Menschen aus meinem privaten Umfeld durften ihren Namen schon mal einem Heftromancharakter leihen.

Auf welche exotischen Handlungsorte oder Geschichten dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Ich bin noch nicht sicher, welches Projekt ich als nächstes angehen werde, aber möglicherweise wird es ein Fantasy-Roman sein, der in einer magischen Welt spielt.

Ihre Leser konnten Sie auf der Love Letter Convention persönlich kennenlernen. Was schätzen Sie an diesem Event?

Die LLC war der absolute Wahnsinn, ich bin danach tagelang aus dem Schwärmen gar nicht herausgekommen. Die Veranstaltung war die perfekte Gelegenheit, mit Leserinnen und Kolleginnen ins Gespräch zu kommen und sich über das Thema auszutauschen, das uns miteinander verbindet: Liebesromane. Die vielen netten persönlichen Kontakte, die zustande gekommen sind, haben mich begeistert.

Haben Sie ein Guilty Pleasure, das Sie mit uns teilen möchten?

Ich bombardiere Freunde und Familie mit völlig übertriebenen Mengen an Hundefotos. Sehr viel mehr, als sie sehen wollen, fürchte ich. Ganz im Crazy Dog Lady Style!

Welche Bücher lesen Sie in Ihrer Freizeit? Welches im Moment?

Tatsächlich gar nicht viele Liebesromane, momentan mag ich am liebsten Thriller und Horror. Aktuell lese ich aber Schillers „Kabale und Liebe“. Wenn es romantisch sein soll, dann greife ich eher zu Fantasy-Romanen, zum Beispiel von Nina Blazon.

Welches Buch/welchen Autor würden Sie uns als aktuelle Leseempfehlung geben und warum?

Nicht ganz aktuell, aber ich liebe „Der Winter der schwarzen Rosen“ von Nina Blazon. Erst recht nicht neu, aber: „Wahn“ von Stephen King. Außerdem habe ich die Twin Addict Reihe von Emma Winterling, einer lieben Kollegin, verschlungen.

Welche Frage würden Sie sich selbst gerne stellen?

Wann legst Du Dir endlich ein paar Zwerghühner zu?

Welche Frage/n würden Sie gerne an Ihre Leser richten?

Was ist Euch in Liebesromanen besonders wichtig? Was berührt und begeistert Euch? Und was würdet Ihr von mir gerne lesen? Ihr könnt Euch übrigens jederzeit über das Kontaktformular auf meiner Website, über Instagram oder Facebook bei mir melden 🙂