Interview-Mittwoch mit Jo Berger

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(c) Jo Berger

Schon in der Schule hat ihre Deutschlehrerin Jo Berger geraten, beruflich in Richtung Schreiben zu denken – denn ihre Aufsätze stachen schon früh heraus. Heute sind die Bücher der Autorin aus dem Romance-Bereich nicht mehr wegzudenken. Wieso Jo Berger so gerne über die Liebe schreibt und warum sie „Titanic“ gerne ein Happy End verpasst hätte – das und mehr hat uns die Autorin im Interview erzählt!

Wer ist Jo Berger und wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Wer ich bin? Hm, gute Frage. Kurz und knapp: Ein Mensch, der ständig auf der Suche nach dem Ideal- und Gleichgewicht ist 😉 Mutter, Ehefrau, Hundesitterin, Autorin. Im Jahr 2016 habe ich meinen Hauptberuf, Controllerin, an den Nagel gehängt, um mich hauptsächlich meiner kreativen Hirnhälfte zu widmen und das zu tun, woran mein Herz hängt. Ich bin glücklich, diese Entscheidung getroffen zu haben.

Zum Schreiben gekommen bin ich ganz klassisch: In der Schule. Es begann mit dem Buchstaben A. Scherz. Die Schule allerdings stimmt. Meine Aufsätze waren länger, wurden stets vorgelesen, und meine Deutschlehrerin sagte mir den entscheidenden Satz, der mich prägen sollte: Egal, welchen beruflichen Weg du später einschlägst, mach was mit Schreiben.

Nun, ich bin prompt ihrem Rat knappe zwanzig Jahre später gefolgt. Dazwischen war ich mit Leib und Seele Controllerin, habe geheiratet, mich dem Sport verschrieben und brachte eine bezaubernde Tochter auf die Welt.

Sie schreiben humorvolle Liebesromane. Was fasziniert Sie so an diesem Genre? Warum gerade dieses Genre?

Die Liebe. Es ist immer die Liebe. Sie steckt in allem, was uns berührt, uns bewegt, uns antreibt und am Leben hält. Die Liebe zu den Eltern, den Kindern, dem Partner, den Freunden. Und die Liebe zu sich selbst. Nichts ist so sehr mit Emotionen angefüllt wie die Liebe in all ihren Facetten. Darüber zu schreiben ist wundervoll. Ein guter Freund sagte mir vor einer Weile: Du hast den schönsten Beruf der Welt, du verkaufst Träume. Dem kann ich aus vollsten Herzen zustimmen.

Wie würden Sie Ihre Bücher beschreiben? Was zeichnet sie aus? Worauf legen Sie besonderen Wert?

Alle meine Romane haben ein Happy End, darauf lege ich großen Wert. Wenn ich dürfte, würde ich dem Film „Titanic“ ein anderes Ende verpassen. Sehr wichtig sind mir starke Frauen und glaubhafte Protagonisten. Menschen wie Du und ich, mit Kanten und Ecken, mit Wünschen, Sorgen und Träumen. Humor ist ein weiterer Bestandteil, denn ohne ihn fehlt auch dem realen Leben etwas, oder?

Wenn eine Leserin einen Roman von mir mit einem Lächeln und einen »Hach« schließt, habe ich einen guten Job gemacht.

Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei Ihnen aus?

Früh aufstehen, Kaffee holen und in meinem Büro bei mir zu Hause mit dem ersten Kaffee des Tages Mails und andere Benachrichtigungen checken. Gegen sieben Uhr plausche ich für gewöhnlich bei Kaffee Nr. 2 mit meiner Tochter in der Küche. Danach zieht es mich mit dem Hund raus in die Natur und dann … Kaffee Nr. 3. Erst dann bin ich wach, des Denkens fähig – und stecke ich gerade in einer Schreibphase, schreibe ich bis mittags. Vorausgesetzt, es kommt nichts dazwischen. Familie und Haustiere zu haben, heißt ja auch: Action. Da tut Flexibilität Not. Hin und wieder lege ich Nachtschichten ein, um in Ruhe schreiben zu können. Nur ich und meine Welt, in die ich mich zurückziehen kann. Ich liebe es! Normalität? Was ist das? Beispielsweise jetzt: Es ist Samstag, kurz vor Sieben Uhr am Morgen. Normalerweise gehe ich gleich einkaufen, stecke aber tief in der Beantwortung von Interviewfragen. Lösung? Ich gehe heute erst mittags einkaufen. In der Hoffnung, der große Ansturm hat sich dann gelegt.

Was inspiriert Sie für Ihre Geschichten?

Die Inspiration steckt eigentlich überall: In Zeitungsberichten, Gesprächsfetzen, Musikvideos, Zeitungsartikeln, Nachrichtenmeldungen … Manchmal genügen eins, zwei Worte oder ein Satz und die Idee springt in meinen Kopf.

Wie recherchieren Sie für Ihre Bücher?

Zu einem großen Teil frage ich Google. Es geht jedoch nichts über explizite Fachmeinungen zu bestimmten Themen, und persönlichen Gesprächen. Das ziehe ich immer vor. Das Autorendasein ist einsam genug 😉

Haben Ihre Protagonisten reale Vorbilder?

Um Gottes willen, nein 😉 Es wäre viel zu aufwendig, passende Figuren aus dem Real Life für die Story zu wählen. Da bemühe ich lieber die eigene Fantasie.

Wie entscheiden Sie über die Namen der Protagonisten? Gibt es Vorbilder? Persönliche Vorlieben?

Der Name muss immer zur Person passen. Habe ich eine feurige Rothaarige, die sich dem Kampfsport verschrieben hat, passt ein starker, kurzer Name besser als ein weicher längerer. Mir geht es immer so, dass Namen bereits Bilder zur Person im Kopf entstehen lassen. So habe ich bei einer Margarete völlig andere Assoziationen als bei Samantha.

Zu Frage 2: Nein, siehe vorherige Frage 😉 Persönliche Vorlieben habe ich bezüglich der Namenswahl nicht, er muss zur Figur passen sowie in deren Lebensraum, und ihren Charakter repräsentieren.

Auf welche exotischen Handlungsorte oder Geschichten dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Letztes und Anfang dieses Jahres haben meine Romane hauptsächlich in Schottland gespielt. Dieses Jahr werde ich einen Abstecher nach Deutschland machen. Anschließend ist eine USA-Reihe geplant.

Können Sie uns schon etwas zu Ihrem neuen Buch verraten?

Gerne. Es wird in Deutschland spielen. Wo genau verrate ich noch nicht. Nur eines: Es kommt Urlaubsfeeling auf.

Man konnte Sie bereits beim „Autorensofa“ persönlich kennenlernen. Was schätzen Sie am „Autorensofa“?

Den Zusammenhalt und den Austausch mit den Kollegen. Beim Autorensofa lebt der Teamgedanke. Seit 2015 hat sich ein starkes Team etabliert. Man ist füreinander da, berät sich bei Klappentexten, Covern und motiviert sich gegenseitig. Die Autoren vom Sofa sind wie ein Fels in der Branchenbrandung. Und ich liebe es, einmal im Jahr mit dem Autorensofa auf der Frankfurter Buchmesse vertreten zu sein und mit meinen Lesern quatschen, Kaffee oder Sekt trinken zu können.

Haben Sie ein Guilty Pleasure, das Sie mit uns teilen möchten?

Niemals werde ich verraten, dass ich für Nutella und Giottos jedes exquisite 5-Gänge-Menü stehenlasse und eine Salatschüssel voll davon verschlingen könnte, während ich eine komplette Staffel Navy CIS ansehe.

Welche Bücher lesen Sie in Ihrer Freizeit? Welches im Moment?

In meiner Freizeit gehe ich fremd und lese wahnsinnig gerne Thriller und gelegentlich Fantasy. Aktuell liegt hier »Das Einstein Enigma« von J. R. Dos Santos, und wartet darauf, dass ich anfange zu lesen.

Welches Buch/welchen Autor würden Sie uns als aktuelle Leseempfehlung geben und warum?

Ein Buch, das ich sicher schon drei Mal gelesen habe, ist: Stein und Flöte: und das ist noch nicht Alles. Von Heinz Bemmann. Es handelt von einem Faun, der mit drei magischen Gegenständen immer wieder in die Irre geht und schließlich doch ein Ziel erreicht. Ein Buch, das mich immer wieder anzieht, weil es so wundervoll geschrieben ist und so viel Wahrheit über uns Menschen enthält.

Welche Frage würden Sie sich selbst gerne stellen?

Werde ich meinen Traum leben können, noch bis ins hohe Alter Geschichten zu erfinden?

Welche Frage/n würden Sie gerne an Ihre Leser richten?

Erfülle ich Eure Erwartungen? Was kann ich besser machen? (SL)