Interview-Mittwoch mit Julie Cohen

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(c) Ruth Ng 2

Heute haben wir ein ganz besonders Interview für Euch: Die internationale Bestseller- Autorin Julie Cohen, die uns so einige spannende Fragen beantwortet hat. Was uns besonders beeindruckt hat: Ihre ganz eigene Sichtweise auf Beziehungen in Liebesromanen – und das macht ihre Geschichten so einzigartig!

Übrigens: Wer nach diesem Interview noch Fragen an Julie Cohen hat, kann die Autorin auf der diesjährigen LoveLetter Convention treffen!

Wer ist Julie Cohen und wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich wollte schon immer Schriftstellerin werden, seit ich ein kleines Mädchen war. Meine erste Geschichte habe ich bereits mit elf Jahren geschrieben aber ich habe nie eine Veröffentlichung geplant, bis ich in meinen 30ern war und als Englisch Lehrerin gearbeitet habe. Erst war es sehr schwierig, weil drei meiner Bücher abgelehnt wurden, bis ich meinen ersten Vertrag zur Veröffentlichung in den Händen hielt. Von da an wurden meine Romane über eine Millionen mal verkauft und in 15 Sprachen übersetzt.

Neben meiner Tätigkeit als Autorin gebe ich noch Kurse in kreativem Schreiben und bin Vize-Präsidentin der RNA (dt.: Vereinigung der Romance Autoren im Vereinigten Königreich/UK).

Mein neuester Roman in Deutschland ist „Das geheime Glück“, der im Dezember 2018 im Diana Verlag veröffentlicht wurde (in UK: „Together“)

Sie schreiben Liebesromane. Was fasziniert Sie an diesem Genre? Warum ausgerechnet dieses Genre?

Ich würde sagen, dass ich eher Geschichten über die Liebe und Beziehungen schreibe, als Liebesromane. Diese neigen dazu, eher auf den Beginn von Beziehungen einzugehen – Zwei Menschen verlieben sich und kommen zusammen – während meine Bücher eher darüber erzählen, was nach dem „Happy End“ passiert und auch andere Beziehungen, wie zwischen Eltern und Kindern oder Freunden und Gruppen, beleuchten.

Für die meisten von uns sind Liebesbeziehungen das allerwichtigste im Leben. Ich interessiere mich für den Aspekt, WIE Menschen entscheiden, mit wem sie zusammen sein wollen und wie sich diese Beziehungen im Laufe der Zeit entwickeln. Die Leute nennen Romane, die von Beziehungen handeln, als „Chick-Lit“, also Literatur für Frauen, aber ich denke, dass diese Beziehungen jeden etwas angehen, egal welches Geschlecht.

Wie würden Sie Ihre Bücher beschreiben? Was ist das Besondere an ihren Romanen? Was zeichnet sie aus?

Meine Bücher sind sehr charakterbestimmt, die Geschichten handeln oft von einem zentralen Problem oder einer bestimmten Frage, was sie zu einer guten Wahl für Buch- Club-Diskussionen macht 😉

Ich versuche, mit verschiedenen Erzählstrukturen zu spielen, während die Geschichte an sich aber immer leicht zugänglich sein soll. „Das geheime Glück“ ist beispielsweise rückwärts geschrieben – es beginnt am Ende der Geschichte eines Paares und spult dann bis zu deren erstem Treffen zurück, was dann das letzte Kapitel des Buches ist.

Wie recherchieren Sie für Ihre Bücher?

Wann immer es möglich ist, versuche ich natürlich, aus erster Hand zu recherchieren, indem ich die Orte bereise, an denen die Geschichte spielt oder mit Leuten spreche, die die Jobs ausüben, die meine Charaktere inne haben. Für „Das geheime Glück“ bin ich nach Maine, Cambridge und Miami gereist und habe eine Menge Zeit damit verbracht, mit Seglern und Bootsbauern zu sprechen.

Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei Ihnen aus? Sind Sie eher organisiert oder bestimmen das Chaos oder vielleicht sogar Ihre Protagonist*innen Ihren Alltag?

Da ich einen kleinen Sohn habe, muss ich meinen Tag um seinen Stundenplan in der Schule herum strukturieren. Morgens laufe ich oft oder gehe mit dem Hund spazieren, dann beantworte ich Emails und bringe mich per Social Media auf den neuesten Stand. Am Schreibtisch sitze ich dann gegen 10:30 Uhr und wenn ich schreibe, versuche ich mindestens 1000 Wörter am Tag zu tippen, bis dann mein Sohn von der Schule nach Hause kommt. Abends finden dann oft Veranstaltungen oder die Kurse, die ich gebe, satt.

Haben Ihre Protagonist*innen reale Vorbilder?

Nein, nicht wirklich. Aber ich hoffe dennoch, dass sie die Emotionen so rüberbringen, wie es echte Menschen tun würden.

Wie entscheiden Sie über die Namen Ihrer Protagonist*innen? Historische Vorbilder? Persönliche Vorlieben?

Manchmal sind die Namen der Charaktere von Anfang an in meinem Kopf, aber manchmal muss ich auch etwas herumexperimentieren, um den richtigen Namen zu finden. Den Helden aus „Das geheime Glück“, Robbie Brandon, habe ich nach Colonel Brandon aus dem Jane Austen Klassiker „Sinn und Sinnlichkeit“ benannt – nicht, weil Robbie genau wie Colonel Brandon ist, sondern weil ich dachte, es klingt romantisch. Der Mutter der Heldin, Charlotte Greaves, habe ich unabsichtlich den gleichen Namen gegeben, wie die Schwester einer Freundin heißt – und ich bin etwas verlegen deswegen 😉

Auf welche (exotischen) Handlungsorte dürfen wir uns in Zukunft freuen?

„Das geheime Glück“ spielt wie gesagt in Maine, Miami und in England. Mein nächster Roman „Louis & Louise“ ist in einer fiktionalen Version von der Stadt, in der ich aufgewachsen bin, angesiedelt.

Haben Sie ein Lieblingsbuch? Gibt es Bücher, die Ihnen wichtig sind, die Sie Ihr ganzes Leben lang begleitet haben?

Ein Buch, das mein Leben verändert hat, war „The Complete Adventures of Sherlock Holmes“. Ich habe es gekauft, als ich elf Jahre alt war und seitdem habe ich es unzählige Male gelesen. Ich wurde ein begeisterter Sherlock-Fan. Meine Arbeit über ihn hat mir meinen Universitätsplatz gesichert und es war auch Sherlock Holmes, weshalb ich jetzt in England lebe 😉

Haben Sie auch im wahren Leben einen Helden/eine Heldin? Wenn ja, was macht ihn/sie so besonders?

Ich habe meine Großmutter sehr geliebt. Sie war eine clevere Frau – die erste in ihrer Immigranten-Familie, die in den 30ern zur Universität ging und die Wortspiele und Kommunikation liebte. Sie hat mir die schönsten Briefe geschrieben. Aber vor allem war sie wahnsinnig freundlich und hat immer das beste in jedem gesehen.

Planen Sie, demnächst mal nach Deutschland zu kommen?

Ja! Ich werde auf der LoveLetter Convention von 1.-2. Juni 2019 in Berlin dabei sein und ich freue mich sehr darauf!

Welche Frage würden Sie sich selbst gerne mal stellen?

„Julie, was wird das nächste Buch sein, das Du schreiben wirst? (Ich habe nämlich nicht die geringste Ahnung.)

Welche Frage würden Sie Ihren Leser*innen gerne stellen?

(c) Stewart Smith Photography

Es ist so ein großes Privileg, wenn Leser*innen mich kontaktieren, um mir zu sagen, dass sie eines meiner Bücher in irgendeiner Art und Weise berührt hat – wenn es sie zum Lachen gebracht hat, zum Weinen oder wenn sie irgendwelche Parallelen zu ihrem eigenen Leben entdeckt haben.

Ich hatte immer Angst, Autoren zu schreiben und ihnen zu sagen, wie viel deren Bücher mir bedeuten. Aber seit ich selbst Autorin bin, habe ich gelernt, dass genau solche Nachrichten die allerbesten sind. Also, wenn Ihr die Arbeit eines Autors gut findet – lasst es ihn/sie wissen! (Allerdings müsst Ihr ihnen keine Email schreiben, um ihnen mitzuteilen, dass sich auf Seite 39 ein Rechtschreibfehler befindet 😉