Interview-Mittwoch mit Kerrelyn Sparks

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(c) Jennifer Berry, Studio 16

Kerrelyn Sparks vereint zwei Genres in ihren Romanen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Zeitgenössische Liebesromane und Paranormales. Was ihre Bücher so besonders macht und warum sich ihre Romanhelden und die ihres Alltags gar nicht so sehr unterscheiden – das und vieles mehr haben wir im Interview mit der Autorin herausgefunden.

Wer ist Kerrelyn Sparks und wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Das ist mein echter Name. Ich bin in Texas aufgewachsen, wo es im Sommer extrem heiß wird. Also habe ich die meisten Sommer drinnen verbracht und gelesen. Ich habe es schon immer geliebt, zu lesen und schon als ich klein war, dachte ich, Autorin zu sein wäre der tollste Job der Welt. Ich dachte, Autoren sind eine Art Zauberer und leben in Schlössern irgendwo in Schottland. Ein Beruf, den ein armes texanisches Mädchen wie ich niemals ausüben könnte. Also wurde ich Geschichtslehrerin an einer High School. Erst, als ich 43 Jahre alt war. Beschloss ich, meinem Traum eine Chance zu geben. Ich realisierte, dass ich es auf dem Sterbebett bereuen würde, wenn ich es nicht wenigstens versuchen würde. Also musste ich es probieren. Zwei Jahre später war mein erstes Buch im Verkauf. Seitdem schreibe ich.

Sie schreiben humorvolle Romane mit paranormalen Elementen. Was fasziniert Sie so an diesem Genre? Warum ausgerechnet dieses Genre?

Eigentlich war mein erstes Buch ein historischer Roman. Diese sind aber echt schwierig – man muss stets die wahren Gegebenheiten und Fakten aus der Vergangenheit berücksichtigen. Als ich anfing, paranormale Geschichten zu schreiben, war ich auf einmal frei von diesen Einschränkungen und hatte damit so viel Spaß, dass ich nie wieder etwas anderes schreiben wollte. Ich mag Bücher, die sich magisch anfühlen – und es ist so viel einfacher, das im paranormalen Genre umzusetzen. Und warum humorvoll – nun ja, ich habe mir das nie ausgesucht 😉 Ich versuchte, düster zu schreiben aber irgendwie ist es immer lustig geworden. Das bin einfach ich. Außerdem glaube ich, dass meine Leser erwarten, dass meine Romane lustig werden, also will ich sie nicht enttäuschen.

 

Wie würden Sie Ihre Bücher beschreiben? Was zeichnet sie aus und was ist Ihnen wichtig?

„Love and Sake“-Reihe, Band 1

Ich würde sie als lustig, unbeschwert und moralisch aufrichtend beschreiben. Bücher, die dich mit einem Lächeln im Gesicht zurücklassen und auf ein besseres Morgen hoffen lassen. Was ich wichtig finde? Den Lesern ein gutes Gefühl über das Leben und die Liebe mitzugeben. Dass sie sich wohl in ihrer Haut fühlen.

Respektlosigkeit oder Missbrauch in einer Beziehung will ich auf keinen Fall beschönigen oder als normal darstellen. Ich habe viele junge Leserinnen und Leser und ich möchte sie nicht negativ beeinflussen. Wenn ich darüber schreibe, sich zu verlieben, dann frage ich mich immer: Wäre das die Art, wich ich wollen würde, dass meine Tochter sich verliebt? Ist das die Artvon Beziehung, die ich mir für sie wünschen würde? Ich will die Liebe immer von ihrer besten Seite darstellen – genauso wie gesunde und glückliche Beziehungen.

Wie recherchieren Sie für Ihre Geschichten?

„Love and Sake“-Reihe, Band 2

Heutzutage kann man fast alles im Internet finden. Während ich die „Love at Sake“-Reihe geschrieben habe, habe ich die Geschichten an Orten wie Thailand oder China angesetzt. Ich war nie dort, daher habe ich ziemlich viel recherchiert und eine Menge Bilder im Internet angeschaut. Google Earth ist da sehr praktisch. Ansonsten reise ich schon ab und zu und ziehe Inspiration aus den Orten, die ich besuche. Das Schloss aus meinem ersten „Embraced“-Buch basiert auf Dunnottar Castle in Schottland. Ich habe das Setting benutzt, aber da das Schloss mittlerweile eine Ruine ist, habe ich das Schloss Kronberg in Dänemark als das finale Gebäude ausgewählt. Nachdem ich dort die Katakomben besucht hatte, wusste ich, dass ich diese unbedingt in meine Geschichte einbauen muss. Für das dritte „Embraced“-Buch „Eight Simple Rules for Dating a Dragon“ habe ich mich von Talinn in Estland inspirieren lassen. Die mittelalterliche Stadthalle hatte Wasserrinnen, die wie Drachen aussahen – und da wusste ich, dass ich das benutzen muss.

 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus? Ist er strukturiert oder eher chaotisch?

Normalerweise arbeite ich mehrere Stunden am Tag. Am Anfang eines Buches bin ich immer sehr langsam, ich muss mich da schon auf den Hosenboden setzen 😉 Ich plane ein Buch nicht durch, sondern schreibe nach Intuition, weshalb am Anfang alles etwas durcheinander ist. Aber wenn ich bei den letzten 100 Seiten angekommen bin, wird der rote Faden klar und ich schreibe den ganzen Tag wie verrückt – manchmal auch die ganze Nacht. Sogar wenn mein Mann und ich verreisen, bin ich dann immer noch am Schreiben. Er liebt Road Trips, was sich ganz gut trifft, weil ich dann im Auto schreiben kann. Ich schreibe auch im Flugzeug und auf Kreuzfahrten.

Haben Ihre Protagonist*innen reale Vorbilder?

Keiner von ihnen im Detail, aber manchmal finden sich kleine Teile verschiedener Leute wieder. Manchmal schleicht sich mein Mann in meinen Helden 😉 Ich habe gerade einen Elfen-Helden für mein neues „Embraced“- Buch fertig entworfen und der sagt immer, dass man unbedingt immer einen Plan haben muss. Das ist einer der Lieblingssprüche meines Mannes – du musst einen Plan haben!

Wie entscheiden Sie über die Namen Ihrer Held*innen?

Manchmal schaue ich einige Namen durch, bis ich den richtigen finde. Wenn es dann der richtige ist, weiß man es einfach. Um mich inspirieren zu lassen, surfe ich auf Websites über Baby-Namen. Auf meiner Lieblingsseite sind alle Namen nach ihren Herkunftsländern unterteilt, was zum Beispiel sehr hilfreich ist, wenn man einen japanischen Vampir oder einen chinesischen Wer-Tiger benennen will 😉 Nachnamen können sehr schwierig sein, wenn man Charaktere hat, die aus der ganzen Welt stammen. Dafür schaue ich gerne Karten an. Roman Draganestis Nachname ist eine kleine Stadt in Rumänien – Laszlo Vestos Nachname eine Stadt in Ungarn 😉

Über welche Ihrer Held*innen war es am witzigsten zu schreiben? Welches Paar war das „schwierigste“ und warum?

Das ist schwer zu sagen, weil ich es über jede/-n meiner Heldinnen und Helden immer genossen habe zu schreiben. Ich denke, dass mir die Schottischen Vampire am meisten Spaß gemacht haben. Obwohl, Connor war derhochnäsigste von all meinen Figuren. Ich wollte seine Geschichte schon so lange schreiben, doch der Typ hat nicht mit mir gesprochen 😉 Als er das dann letztendlich doch getan hat, war die Geschichte nicht mehr schwer zu Papier zu bringen 😉 Von Zeit zu Zeit war sie ein bisschen herzzerreißend, aber sie fühlte sich für mich sehr besonders an. Dougals Buch hat mich auch so berührt. Es ist ziemlich lustig, eine Figur zu entwerfen, die einen verrückten Sinn für Humor hat – wie der Vampir Gregori oder Silas, der Drachen-Anführer oder seine Schwester Sorcha aus der „Embraced“-Reihe.

Haben Sie auch im wahren Leben eine Heldin oder einen Helden? Falls ja, was macht sie oder ihn so besonders?

Meine Heldinnen im richtigen Leben sind meine besten Freundinnen und Kritikerinnen, die mich schon seit 15 Jahren begleiten. Und mein Held ist mein Mann. Was sie gemeinsam haben? Sie sind allesamt immer für mich da. Sie sind stark, loyal und ich kann mich jederzeit auf sie verlassen. Und das sind Werte, die ich auch stets meinen fiktiven Helden mitzugeben versuche.

Auf welche (exotischen) Handlungsorte und Geschichten von ihnen dürfen wir uns jetzt schon freuen?

Die neue „Embraced“-Serie spielt sich auf einem fremden Planeten ab. Meine letzte Veröffentlichung „Eight Simple Rules for Dating a Dragon“ spielte Norveshka, ein magisches Land voller Berge und Drachen. Das nächste Buch, das erscheinen wird heißt „How to Love Your Elf“, welches im Elfen-Königreich Woodwyn spielen wird.

Haben Sie ein Lieblingsbuch? Oder gibt es ein Buch, das Sie Ihr Leben lang begleitet hat?

Mein liebster historischer Roman ist „A Rose in Winter“ von Kathleen Woodiwiss. Er hat mir meinen liebsten Tropus gezeigt – Die Schöne und das Biest – weshalb ich jahrelang über den selben Tropus geschrieben habe. Ein sehr wichtiges Buch für mich war „A Knight in Shining Armor“ von Jude Deveraux. Dieses buch hat mir gezeigt, dass es möglich ist, Historisches, Paranormales und Humor zu einer wundervollen Geschichte zu vereinen.

Planen Sie in naher Zukunft einen Besuch in Deutschland?

Ich werde zur nächsten LoveLetter Convention kommen!

Welche Frage würden Sie sich selbst gerne einmal stellen?

Was kommt als nächstes? (Ich will immer in die Zukunft schauen ;-))

Was würden Sie gerne von Ihren Leser*innen wissen?

Was wollt Ihr lesen? Was macht ein Buch für Euch besonders? (SL)