Interview-Mittwoch mit Nancy Warren

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(c) Nancy Warren

Nancy Warren hat schon immer gerne Geschichten geschrieben – ganz besonders welche mit viel Humor. Viel Spaß hat sie vor allem beim Zusammenbringen von Figuren, die eigentlich nicht zueinander passen und bei diversen Selbstversuchen in Sachen Hobbys. Was es damit auf sich hat, könnt Ihr am heutigen Interview-Mittwoch herausfinden. Viel Spaß mit Nancy Warren!

Wer ist Nancy Warren und wie sind Sie Autorin geworden?

Ich habe angefangen, Geschichten zu schreiben, weil ich es schon immer geliebt habe zu lesen. Und eines Tages dachte ich dann, dass ich es unbedingt versuchen muss! Wer ich bin? Eine Kanadierin, die es liebt zu wandern, zu reisen und Schokolade zu essen! 😉

Sie schreiben zeitgenössische Liebesromane, erotische Geschichten und Paranormal Romance. Was fasziniert Sie so an diesen Genres?

Zur Zeit schreibe ich hauptsächlich zeitgenössische Liebesromane und leichte Mystery-Geschichten. Ich liebe es, Figuren zusammenzubringen, die auf den ersten Blick nicht zueinander passen, aber die daraus lernen und daran wachsen, wenn sie zusammen sind und man dann, wenn sie sich ineinander verlieben, sieht, dass sie schon die ganze Zeit perfekt für einander waren. Sie haben sich nur nicht getraut.

Mystery-Romane schreibe ich, weil ich es toll finde, ein Puzzle zu erfinden, ohne dass die Lösung offensichtlich ist. Mit der „The Vampire Knitting Club“-Serie habe ich angefangen, weil ich dachte, es wäre witzig, eine Heldin zu haben, die einen Strickwarenhandel erbt und dann feststellt, dass sie einen Haufen untote, aber tüchtige Mitarbeiter hat, die es lieben, in dem Laden abzuhängen. Sie sind irgendwie gelangweilt, sodass sie sich freuen, wenn ein Mord passiert und sie helfen können, diesen aufzudecken /oder sich in die Sache einmischen können).

Wie würden Sie ihre Bücher beschreiben? Was macht sie besonders und was ist Ihnen dabei wichtig?

Viele meiner Leser*innen und Rezensent*innen erwähnen den Humor in meinen Romanen. Ich liebe lustige Geschichten! Meine Heldinnen und Helden neigen dazu, sich ineinander zu verlieben, während sie sich verbal miteinander auseinandersetzen, also streiten. Ich glaube, dass es die wahre Liebe wirklich gibt und der humorvolle Teil einer Liebesgeschichte von den Nebencharakteren ausgeht, die gute Ratschläge anbieten, Dinge vermasseln, Chaos mit einbringen und eine Gemeinschaft für die Hauptfiguren bilden. In meinen Mystery-Romanen wird das Verbrechen immer aufgedeckt und immer mit der Hilfe der bunten Nebencharaktere. Ich denke, jeder Mensch verdient Respekt und ich hoffe, dass das durch meinen Geschichten transportiert wird.

Wie recherchieren Sie für Ihre Geschichten?

Ich liebe es, zu reisen und setze meine Geschichten immer an Orten an, die ich besucht habe oder wo ich unbedingt mal hin möchte. Einmal habe ich sogar in Las Vegas Unterricht in Pole-Dance genommen, weil ich über eine Figur schreiben wollte, die Pole-Dancerin ist. Ich trank ein paar Magaritas, um in Stimmung zu kommen – es endete so, dass ich nicht besonders viel lernte! Ich hing mit Müh und Not an der Stange. Trotzdem war es lustig.

Ich interviewe auch Menschen, wie zum Beispiel Polizisten, Feuerwehrleute, Massage Therapeuten, Richter und Stricker, passend zu dem, was ich schreiben will. Was auch immer meine Charaktere tun – ich muss verstehen, wie es funktioniert.

Ich muss auch hören, wie Leute sprechen und welchen Bezug sie zu ihrer Stadt und ihrer Welt haben. Ich stelle Menschen immer Fragen über sie selbst und manchmal bekomme ich so Ideen zu einer Geschichte.

Haben Sie ein Lieblingsbuch? Oder gibt es ein Buch, das Sie Ihr Leben lang begleitet hat?

„Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen ist mein Lieblingsbuch! Ich habe es wieder und wieder gelesen. Bücher waren mir immer sehr wichtig: Von den „Harlequin“-Romanen, die ich in meiner Jugend gelesen habe (und glücklicherweise auch schreiben durfte, als ich meine Karriere begonnen habe) bis hin zu Susan Elizabeth Phillips, Janet Evanovich und Nora Roberts. Ich habe Emmy Abrahamson in Berlin getroffen und ihre Geschichte „How to Fall in Love with a Man who Lives in a Bush“ war eines der besten Bücher, die ich im letzten Jahr gelesen habe.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus? Sind Sie eher strukturiert oder chaotisch? Oder bestimmen manchmal sogar Ihre Protagonist*innen Ihren Alltag?

Ich würde sagen, ich arbeite im organisierten Chaos 😉 Das heißt, ich habe keinen Fahrplan, nach dem ich arbeite. Ich wünschte, ich hätte einen, aber ich werde gelangweilt und ruhelos, wenn ich am Schreibtisch sitzen und nach einem Plan arbeiten muss. Stattdessen setzte ich mir ein Ziel, wie viele Wörter ich schreiben will. Normalerweise setzte ich mir dieses Ziel monatlich, sodass alles passt, auch wenn ich einen Tag habe, an dem ich richtig viel schreibe und einen, an dem ich gar nichts aus Papier bekomme. Ich lasse die Charaktere nicht meinen Alltag bestimmen, sonst würden es unmöglich werden, über sie zu schreiben. Ich lese stattdessen, was ich am Tag davor geschrieben habe und versuche, den Rhythmus der Geschichte zu finden. Normalerweise springen die Charaktere in meinen Kopf, sobald ich anfange, das zu tun.

Haben Ihre Figuren reale Vorbilder?

Nie. Offen gesagt, interessiert sich niemand so sehr für das echte Leben. Trotzdem benutze ich manchmal einen Spleen, die einer meiner Freunde oder Bekannten hat. Vielleicht ein Lieblingszitat oder ein bestimmter Kleidungsstil. Manchmal orientiere ich mich auch an Bildern aus Magazinen oder denke darüber nach, welcher Filmstar meine Figur spielen könnte – auch das kann helfen.

Wie entscheiden Sie über die Namen Ihrer Protagonist*innen?

Namen sind schwierig. Ich kenne die Figur nicht richtig, bis ich ihren Namen gefunden habe. Ich spiele mit Namen, suche nach ihren Bedeutungen, schaue nach der Abstammung der Person und versuche, Nachnamen zu finden, die typisch für das Land sind. Namen kommen und gehen aus der Mode, also ist es wichtig – wenn man zum Beispiel über eine 30-jährige Frau schreibt – in die 80er Jahre zurückzugehen und zu schauen, welche Babynamen damals beliebt waren. Natürlich endet nicht jeder Versuch mit einem beliebten Namen und das ist auch okay, allerdings ist es schon gut zu verstehen, welche Namen zu dieser Zeit an diesem Ort der Welt verbreitet waren.

Über welche Ihrer Held*innen war es am witzigsten zu schreiben? Welches Paar war das „schwierigste“ und warum?

Da gibt es ein paar. Chloe aus „Courting Chloe“ ist eine davon. Sie ist ein verwöhntes Londoner It-Girl, die auf harte Zeiten stößt und nach Texas umzieht. Das Einzige, in dem sie jemals richtig gut war, war das Beenden von Beziehungen (ihre eigenen und die anderer Leute) – also gründet sie eine Firma, die Leuten hilft, Schluss zu machen. Ihr Vermieter Matthew ist ein großgewachsener, texanischer Ex-Polizist, der glaubt, Chloe wäre eine Prostituierte. Daher haben die beiden einige Konvlikte und verbale Auseinandersetzungen. Es war so witzig, über die beiden zu schreiben!

Ich liebe eigentlich alle meine Charaktere. Im Moment bin ich in Rafe Crosyer aus „The Vampire Knitting Club“ verliebt. Rafe ist Colin Firth, also wenn Colin Firth 600 Jahre alt und untot wäre 😉 Groß, dunkel und versnobt (aber sehr sexy).

Haben Sie auch im wahren Leben eine Heldin oder einen Helden? Falls ja, was macht sie oder ihn so besonders?

Ich liebe Queen Elizabeth II. Ich muss nur an ihren Mut denken und wie lange sie schon ihre Pflicht tut – und schon bin ich in tiefer Ehrfurcht.

Auf welche (exotischen) Handlungsorte und Geschichten von ihnen dürfen wir uns jetzt schon freuen?

Ich arbeite gerade an einer Reihe, die in Paris spielt. Außerdem schreibe ich auch noch die Mystery-Romane, die in Oxford spielen, was so ein unglaublicher, charakteristischer Ort ist. Und ich denke darüber nach, eine Geschichte in Neuseeland spielen zu lassen, seit ich dort gewesen bin. Nebenbei schreibe ich auch noch die „Take a Chance“-Reihe weiter, die in Oregon spielt, wo es so viele interessante Strände, Berge und Städte gibt.

Welche Frage würden Sie sich selbst gerne stellen?

Warum hast Du den schlechten Ratschlag befolgt, obwohl du wusstest, dass er schlecht ist? WAs hast Du Dir dabei gedacht?

Deutsche Ausgabe des ersten Bandes der Reihe „Almost Wives Club“

Was würden Sie gerne von ihren Leser*innen wissen wollen?

Welches Buch würdet Ihr gerne lesen, das bis jetzt noch nicht geschrieben wurde?

Planen Sie in naher Zukunft einen Besuch in Deutschland?

Ja. Ich war schon drei oder vier Mal auf der LoveLetter Convention und hatte immer eine wunderbare Zeit. Letztes Jahr habe ich dort meine „Almost Wives Club“-Serie auf Deutsch herausgebracht. Ich hoffe, dass ich bald wieder kommen kann!

Vielen Dank für das Interview mit Euch! (SL)