Interview-Mittwoch mit Thomas Kowa

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(c) Thomas Kowa

Heute im Interview der Woche: Thomas Kowa, der sowohl für seine Krimis als auch für seine humorvollen Liebesromane bekannt ist.

Neben dem Schreiben hat der Autor aber auch noch einige andere Talente. Welche das sind und wie er als Mann dazu kam, Liebesromane zu schreiben – das und vieles mehr hat er uns im Interview verraten!

Wer ist Thomas Kowa und wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich bin Schriftsteller, Poetry-Slammer, Musikproduzent und manchmal Weltreisender. Während in meinen Thrillern fleißig gestorben werden darf, ist es mir in meinen absurd-komischen Romanen trotz mehrfacher Versuche noch nicht gelungen, jemanden umzubringen. Dafür gelingt mir ab und an sogar eine Liebesgeschichte und das, obwohl ich ein Mann bin.

Zum Schreiben bin ich gekommen, weil ich die Ausgangslage meines ersten Thrillers „Remexan“ geträumt habe – es geht um ein Medikament, mit dessen Hilfe man nur noch eine Stunde am Tag schlafen muss. Das hat mich so gepackt, dass ich kurz darauf allein in den Urlaub gefahren bin und dort angefangen habe, an dem Buch zu schreiben. Das war zwar anfangs von furchtbarer Qualität, aber das weiss man ja zum Glück noch nicht, wenn man keine Ahnung hat. Auf alle Fälle hat es mir trotzdem Spass gemacht und so bin ich dabeigeblieben.

Sie schreiben sowohl Thriller als auch humorvolle Romane. Was fasziniert Sie so an diesen Genres? Warum gerade diese Genres?

Ich habe mit Thrillern begonnen und dabei festgestellt, dass mir die humorvollen Szenen immer am meisten Spaß gemacht haben und auch bei Lesungen am besten angekommen sind. Daher habe ich mich einfach mal an einem humorvollen Roman ausprobiert: „Mein Leben mit Anna von IKEA“ – und weil das um einiges schneller ging als mit den Thrillern gleich mehrere nachgelegt.

Trotzdem lassen mich auch Krimis/Thriller nicht los, weil man dort eben auf eine andere Art erzählen kann, weil man tiefer in die Gesellschaft hereinschauen und Tabus ansprechen kann. Es wird also nach wie vor beides von mir geben.

Wie würden Sie Ihre Bücher beschreiben? Was zeichnet sie aus? Worauf legen Sie besonderen Wert?

Ich bin nicht so gut darin, mich selbst zu loben, aber ich denke, ich habe einen Blick für skurrile Situationen und für die Absonderlichkeiten des Alltags. Außerdem mag ich starke Frauen und nicht ganz so starke Männer, die über sich selbst lachen können.

Wert lege ich auf vieles, aber das hervorzuheben wäre mir zu viel Selbstlob.
Ich freue mich über jeden Leser, der in ein Buch von mir herein schnuppert und dabei bleibt. Wenn mir das gelingt, sagt das mehr als meine eigene Nabelschau.

Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei Ihnen aus?

Wenn ich einen ganzen Tag schreiben kann, was dank zweier kleiner Kinder und Brotberuf selten genug vorkommt, dann bin ich am liebsten auf dem Balkon oder irgendwo in einer schönen Umgebung und schreibe bis es dunkel wird oder ich müde. Oder beides.

An allen anderen Tagen versuche ich das Schreiben irgendwo dazwischen zu schieben, da ich viel im Zug sitze, klappt das ganz gut. Ich schreibe selbst in der Straßenbahn und sogar in einem indischen Linienbus habe ich schon an einem Buch geschrieben. Im Grunde brauche ich nur einen Laptop und Zeit, der Rest kommt von allein.

Was inspiriert Sie für Ihre Geschichten?

Träume, Gespräche, Bilder, Orte, Zeitungsartikel und natürlich meine eigenen Erlebnisse. Selbst Dinge, die mal wieder furchtbar schieflaufen können eine Inspiration sein.

Ich habe jede Menge ungeschriebener Ideen in der Schublade, die dann drankommen, wenn sie reif sind. Momentan bin ich aber bis Ende 2019 mehr oder weniger ausgebucht mit Schreibplänen für bestehende oder neue Projekte. Aber man weiss ja nie, ob nicht noch eine bessere Idee kommt, die einen noch mehr packt.

Wie recherchieren Sie für Ihre Bücher?

Ich recherchiere erst einmal viel online, um zu sehen, ob meine Idee überhaupt funktionieren kann und ob sie nicht schon umgesetzt wurde. Häufig bin ich dann vor Ort und recherchiere weiter, viel auch dazu, was in bestimmten Situationen passieren könnte.

Für „Vegas! Vidi! Non Vici!“ war ich mit meinem Co-Autor Christian Purwien zum Beispiel in Las Vegas und zwar nicht, weil wir dort unbedingt hinwollten, sondern weil wir das gerade nicht wollten. Denn aus einer perfekten Reise, in der alles so abläuft, wie man sich das erhofft, entsteht keine Geschichte. Also haben wir eine Art Method Acting für Schriftsteller gemacht.

Haben Ihre Protagonisten reale Vorbilder?

Normalerweise nicht, aber bei „Lügen haben Männerbeine“ habe ich einige meiner ehemaligen Kollegen in die Geschichte eingebaut, allerdings jeweils nur mit einer Eigenart, die ich spannend fand. Ansonsten überlege ich mir eher, welchen Charakter es für die Geschichte braucht, die ich erzählen möchte und baue mir den dann anhand eines Fragebogens zusammen, der über 50 Punkte hat, die mir der Charakter erst mal beantworten muss, bevor er in meine Geschichte darf.

Wie entscheiden Sie über die Namen der Protagonisten? Gibt es Vorbilder? Persönliche Vorlieben?

Ich verwende einige Zeit darauf, die passenden Namen für meine Charaktere zu finden, ganz selten gibt es reale Vorbilder, die dann vielleicht den Vornamen eines Charakters bestimmen. Gerne schaue ich auch in den populärsten Vornamen eines Jahrgangs nach oder aber in den häufigsten Namen einer Region.

Generell achte ich darauf, dass die Namen sich nicht zu ähnlich sind, insbesondere bei den Anfangsbuchstaben, wobei es hier natürlich auch Ausnahmen gibt, wie bei der Walzheimer-Gang in „Lügen haben Männerbeine“.

Außerdem habe ich es mir zu Angewohnheit gemacht, in jedem meiner Humor-Bücher den Namen eines ehemaligen Lehrers einzubauen, bin mir aber noch nicht sicher, ob das eine unterbewusste Form der Rache oder der nachträglichen Wertschätzung ist.

Auf welche exotischen Handlungsorte oder Geschichten dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Als nächstes erscheinen Teil 3 und 4 der beliebten „Mein Leben mit Anna von IKEA“-Reihe, Teil 3 im Herbst 2018, Teil 4 Anfang 2019. Beide spielen in Schweden (schön) und Ludwigshafen (weniger schön).

Momentan schreibe ich mit einem Co-Autor an einer Krimiserie, die in der ehemaligen DDR spielt, im Jahr 1968. Die Serie haben wir schon an eine Filmproduktionsfirma verkaufen können und sind nun am entsprechenden Buch.

Können Sie uns schon etwas zu Ihrem neuen Buch verraten?

Das nächste Buch, welches von mir erscheint, ist der dritte Teil von „Mein Leben mit Anna von IKEA- Junggesellenabschied“. Im Grunde ist das eine Mischung aus Hangover mit einer Liebeskomödie, aber bevor ich viele Worte verliere, würde ich empfehlen, einfach mal in die Leseprobe auf meiner Homepage www.thomaskowa.de reinzuschauen.

Haben Sie ein Guilty Pleasure, das Sie mit uns teilen möchten?

Ich musste erst mal googlen, was das ist. Eigentlich stehe ich zu dem, was ich mag und das ist mir auch nicht peinlich. Nicht mal, dass ich als Mann humorvolle Liebesromane schreibe 😊.

Welche Bücher lesen Sie in Ihrer Freizeit? Welches im Moment?

Im Moment lese ich „Drei Frauen und die Kunst“ von Jutta Motz, zum einen, weil ich die Autorin kenne, zum anderen, weil es mir empfohlen wurde.

Zudem bin ich Juryvorsitzender des Kurt Marti Preises des BSV, was bedeutet, dass ich über mehrere Monate hinweg alles lese, was für diesen Preis eingereicht wird. Zum Glück ist der Preis für alle Stilrichtungen offen, was immer wieder für Überraschungen sorgt und mir Bücher näherbringt, die ich sonst nie gelesen hätte.

Außerdem lese ich viele Sachbücher, im Moment „Das Wörterbuch der Staatsicherheit“, um einige Details meiner historischen DDR-Krimiserie noch besser ausschmücken zu können.

Welches Buch/welchen Autor würden Sie uns als aktuelle Leseempfehlung geben und warum?

Das Buch, welches mich in letzter Zeit am meisten begeistert hat, war „Qualityland“ von Marc-Uwe-Kling. Er verbindet Gesellschaftskritik und Humor auf perfekte Art und Weise, was besonders gut als Hörbuch funktioniert. Sehr empfehlenswert ist auch mein Schweizer Autorenkollege Sunil Mann, der sehr humorvolle und doch authentische Krimis schreibt.

Welche Frage würden Sie sich selbst gerne stellen?

Am liebsten die Frage: „Wie hast du es geschafft, so viele Bestseller zu schreiben?“ Weil das würde bedeuten, da zu sein, wo ich immer hin wollte.

Welche Frage/n würden Sie gerne an Ihre Leser richten?

Ich würde gerne zufällig im Zug oder in der Straßenbahn einen Leser treffen, der gerade ein Buch von mir liest. Und dann würde ich erst fragen, wie der Person das Buch gefällt und mich dann vorstellen. Jedenfalls, wenn die Kritik nicht allzu vernichtend ausfällt 😊.