Liebesbekundungen auf sozialen Netzwerken – Like?!?

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Liebesbekundungen Tim Reckmann / pixelio.de
(c) Tim Reckmann, pixelio.de

Wer kennt es nicht? Man schaut auf Facebook, und das Erste, was man erblickt, sind – wenn man denn in den neuesten Meldungen dementsprechend weit herunterscrollt – mindestens zehn neue Pärchen-Fotos unterschiedlicher Freunde, die so vor jedermann ihre Liebe zueinander bekunden. Aber mal ehrlich, sind die Likes, die man dafür gibt, eigentlich ernst gemeint? Oder ist das nur Show?

Was wohl sicher ist: Die Likes, die für solche Pärchen-Bilder gegeben werden, sind in mehr Fällen als zunächst gedacht die Folge eines indirekten Zwanges. Oder einfacher gesagt: Man fühlt sich der Person gegenüber irgendwie verpflichtet, einen Like zu geben und damit seinen oder ihren Status, die Lebenssituation, anzuerkennen! Klingt vielleicht hart, ist aber so. Oder aber man meint, durch Likes und Kommentare-Schreiben die eigene Freundschaft vertiefen zu können, was natürlich keinerlei Auswirkungen auf das reale Leben hat. Aber man mag das vielleicht denken. Oder man findet es wichtig, dass die Öffentlichkeit sowie derkomplette Rest der Freundeswelt des Anderen genau weiß, wie gut man mit der oder der Person kann, sodass es um eine Art Prestige geht. Dass alle wissen dürfen oder sollen, dass man eng mit einer Person befreundet ist. Gerade das Abgeben von Kommentaren unterhalb von Fotos von Freunden, die sich als Pärchen in der virtuellen Welt öffentlich machen und kenntlich geben, soll aber oftmals nichts anderes als die eigene Anerkennung und Mitfreude zur Kenntnis geben, die man selbst an dem Paar hat! Auch wenn dies natürlich nicht immer der Fall ist…

Wie überall im Leben finden sich auch hier immer wieder Fälle, in denen man ganz klar behaupten kann: Der Kommentar ist einfach nur oberflächlich! Nicht durchdacht oder im schlimmsten Fall überhaupt nicht ernst gemeint und daher gar nicht so zu verstehen, wie er denn geschrieben steht!

(c) Paulwip, pixelio.de

Doch soll dieses Gedankenspiel hier sich nicht gänzlich darin verlieren, herauszufinden, ob die Likes und Kommentare zu Pärchen-Fotos echt sind. Vielmehr geht es nun darum: Wie steht es eben um diese geposteten Dinge selbst? Sind diese Posts als echte Liebesbekundungen zu betrachten? Über die sozialen Netzwerke? Oder spielt da nicht eher die gesamte Community derer eine so tragende Rolle? Das wiederum hieße: es geht um den Liebeslebens-Bericht an sich, und zwar vor aller Augen … Und schließlich hieße das auch: Es geht um die Selbstinszenierung! Und sicher, genau die ist da zweifellos mit von der Partie. Das ist heute nun einmal so gut wie Durchschnitt. Einfach normal. Dass man auf eine Art sichergehen will, dass die Leute mitbekommen, was im eigenen Leben so vor sich geht. Es ist alles wie eine große Dokumentation seiner selbst. Und wie die des Partners.

Doch nicht nur das ist heutzutage fast alltäglich wie selbstverständlich: Auch die Tatsache, dass diese Art der Inszenierung des eigenen Lebens und des beinahe täglichen Dokumentierens verschiedenster Lebensbereiche nicht nur das Liebesleben umfasst, sondern auch alle anderen Bereiche wie Freizeit, Prüfungen und deren Resultate, Urlaube und so weiter. Viele, die etwas posten, meinen: Nur, wenn sie dieses oder jenes Ereignis gepostet und mit der Facebook-Gemeinde geteilt haben, nur dann sei es auch ein richtiges Erlebnis gewesen. Wenn sie nämlich dann zig-fache Glückwünsche, Likes oder zustimmende Kommentare dafür erhalten, werden sie darin bestätigt. Mittlerweile – da Facebook ja nun auch nicht mehr das aktuellste und hippste soziale Netzwerk darstellt – haben es viele durchaus auch begriffen: Dass dies eben nicht der Fall ist! Dass man die Dinge, die man selbst erlebt, nicht durch die Anerkennung in Kommentaren anderer bestätigt haben muss. Dass man alldem, was man selbst erlebt und was im eigenen privaten Leben so passiert, für sich selbst einen Wert geben kann. Und dass dies zur eigenen Zufriedenheit beiträgt. Dass es da kein Bewerten von außen mehr braucht. Überhaupt nicht.

Meines Eindrucks zufolge wissen das immer mehr Menschen und handeln dann auch danach. Doch allgemein gesehen glaube ich, dass dies immer noch eine Minderheit ist beziehungsweise dass sich diese Haltung mit einer zunehmenden Reife auch verändern mag. Und da kommen wir auch zum Punkt: Genau das könnte die Erklärung dafür sein, dass gerade jüngere Pärchen, die etwa zum ersten Mal einen festen Freund oder eine feste Freundin haben, öfter den Drang haben, dies auf Facebook öffentlich zu machen und fast täglich Fotos von sich zu posten. Denn dann ist es noch etwas ganz Neues. Und oft eben auch nicht das letzte, denn die allergrößte Mehrheit der Menschen durchlebt mehr als eine einzige feste Beziehung im Leben.

So scheint es in diesem Alter, mitten in der Pubertät, eben irgendwie dazu zu gehören. Das Ganze ändert sich aber ganz gewaltig, wenn es nun um ein Paar geht, das schon seit sieben Jahren zusammenlebt und das so alles miteinander teilt im Leben. Dann muss das nicht auch noch online passieren, indem täglich irgendwelche Dinge gepostet werden. Wie toll doch der Andere ist, sollte man ihm doch bitte persönlich sagen!

Und dann gibt es da noch die Paare, die sich im Mittelmaß befinden, die irgendwo zwischen den beiden hier bereits angerissenen Phänomenen liegen: Pärchen, die man selbst vielleicht gut kennt (oder zumindest einen davon), die man sehr mag, mit denen man gut klarkommt und von denen man immer mal wieder etwas via Facebook mitbekommt. Vielleicht ein Urlaubsbild beider vom Strand in Rio oder so. Was einen aber nie auch nur im Geringsten zu einer gekrümmten Nervenfalte bewegen würde, weil man genau weiß, dass sich so etwas wie dieser Post nicht alle 24 Stunden wiederholen wird! Dann verliert diese ganze Diskussion auch sehr viel von ihrer Brisanz. Und das Leben und die Liebe werden wieder zu dem gemacht, was sie eigentlich sind: Schön, einfach und natürlich! Und so soll es doch auch sein.

(c) Ute Mulder, pixelio.de

In diesem Sinne: Was Du likest oder kommentierst ist Dir selbst überlassen … Und: Auf all die Liebespaare, von denen wir ohne Facebook so rein gar nichts wüssten. (LG)