Liebesromane – Ist das Schund oder kann das weg?

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(c) Violet Truelove

Stimmt es wirklich, dass die Autorinnen und Autoren des Romance-Genres mehr oder weniger oft für ihre Leidenschaft belächelt werden? Was gibt es denn schöneres, als an einem lauen Sommerabend mit einem Gläschen Wein auf der Veranda zu sitzen und sich von einer romantischen Liebesgeschichte in eine andere Welt entführen zu lassen? Warum Liebesroman-Autoren oft mit Vorurteilen über ihr Genre zu kämpfen haben und wie diese damit umgehen, hat uns Violet Truelove in ihrem Post zum Welttag des Buches erklärt.

Liebesromane sind der Underdog unter den Büchern dieser Welt. Als Autor wird man ohnehin belächelt, wenn man Unterhaltungsromane schreibt, denn sie gelten als anspruchslos. Noch schlimmer ist es dann, wenn man Liebesromane schreibt, doch auch dazu gibt es eine Steigerung: Man kann Liebesromane über Millionäre schreiben. In diesem Fall gehört man zum Bodensatz der schreibenden Zunft und gilt mehr oder weniger als unrettbar verloren.

Auf dem ersten Amazon Academy Day, das war im Juni 2015, sagte ein männlicher Kollege: „Ich war erstaunt, dass die Kollegin studiert hat, ich dachte, Liebesroman-Autorinnen sitzen bei Aldi an der Kasse.“ Ich mag jetzt gar nicht darauf eingehen, in wie vielen Fällen diese Ansicht falsch, respektlos und diskriminierend ist. Sie blieb aber haften und ja, man gibt uns Liebesroman-Autoren/Autorinnen oft das Gefühl, dass wir nur billigen, seichten Schund schreiben.

Die erfolgreiche Schriftstellerin Susanna Ernst hat das auf der Leipziger-Buchmesse bei der Preisverleihung des Bloggerawards „Aphrodite 2017“ von feelings treffend formuliert: „Liebesromane. Eigentlich doch ein sehr schönes, wohlklingendes Wort, oder? Und trotzdem geht es den meisten Liebesromanautoren und -autorinnen recht schwer von den Lippen, wenn sie danach gefragt werden, welches Genre sie als Schriftsteller denn bedienen. Da fällt es plötzlich sogar schwer, dem Gegenüber weiterhin gerade in die Augen zu schauen und nicht den Kopf zu senken. Ich kenne das selber sehr gut. Man weicht zunächst mit einem unverfänglichen ‚Ich schreibe im belletristischen Bereich‘ aus und beteuert dann erst lang und breit, dass es gar nicht so leicht ist, die eigenen Bücher einem bestimmten Genre zuzuordnen, weil sie so viele unterschiedliche Facetten haben: Humor, Spannungselemente, vielleicht auch ein wenig Übersinnlichkeit oder geschichtlichen Background. Kurzum: Man versucht, zu verdeutlichen, dass man keine belanglosen Bücher nach Schema F schreibt, sondern Romane mit Tiefgang, Geschichten, die es vermögen, nachzuhallen.“

Doch nicht nur wir haben hin und wieder Schwierigkeiten, zu dem zu stehen, was wir tun. Nein, leider geht es unseren wunderbaren Leserinnen und Lesern auch so, denn Hinz und Kunz lässt sie wissen: Was sie da lesen, hat keine Substanz und daher verheimlicht man seine Leidenschaft für romantische Literatur gerne einmal. Dabei sind Liebesromane etwas Wunderbares! Wir Liebesroman-Autorinnen (und einige wenige Autoren) schreiben über den stärksten Kleber der Welt. Die Liebe ist der Leim, der alles zusammenhält! Wer kennt den Song „All You Need Is Love“ der Beatles nicht? Die Liebe ist das großartigste, wichtigste Gefühl, zu dem wir Menschen fähig sind. Sie überwindet alle Hindernisse und überdauert sogar den Tod.

Und natürlich haben wir Liebesroman-Autorinnen und -Autoren einen Anspruch. Wir möchten unsere Leser unterhalten, aber wir möchten ihnen auch in Erinnerung rufen, wie wichtig dieses Gefühl ist und dass die wahre Liebe (wie auch immer sie aussehen und welche Form sie haben mag) keine Illusion ist. Denn manchmal fühlt es sich so an. Das Leben hält nun einmal nicht nur Liebe und Glück bereit, sondern auch Verlust, Enttäuschung und Schmerz. Dann geht er verloren, der Glaube an die Liebe.

Ein Liebesroman ist Balsam für die Seele. Er kann ein Rückzugsort vor der harten Realität sein, an den man sich kurzzeitig flüchtet, um Kraft zu tanken und von dem man dann gestärkt zurückkehrt. Ich für meinen Teil habe schon oft Zuflucht in Büchern gefunden, ob beim Lesen der Romane meiner Kollegen und Kolleginnen oder beim Schreiben meiner eigenen Bücher. Genießt diese Auszeiten, lasst euch nicht einreden, dass eure Vorliebe für ein bestimmtes Genre falsch oder wertlos sei. Liebesromane sind weder Schund, noch können sie weg. Dass sie seicht und anspruchslos sind, ist ein Vorurteil, das ebenso haltlos ist wie das, dass Liebesroman-Autorinnen bei ALDI an der Kasse sitzen. Romantische Literatur ist fester Bestandteil der Vielfalt unserer Buchkultur, aber viel wichtiger noch: Sie ist ein Hoffnungsträger.

In diesem Sinne: Love & Light V.