Musik: Philipp Dittberner, „In deiner kleinen Welt“

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„In deiner kleinen Welt“ – das ist DAS Traumlied schlechthin! Melancholisch angehaucht, doch nicht allzu pessimistisch, nein, ganz im Gegenteil: Es ist das Lied eines Menschen, der in die Welt eines anderen hineinschaut, alles genau betrachtet, all das, was er dort sieht, so schön findet, dass er, und das ist sein Traum, einmal in genau dieser Welt des anderen auch landet – um mit dem anderen zusammen zu sein.

Im Refrain heißt es: „Und du drehst dich in deiner kleinen Welt“ und später: „Und ich würd mich so gern in deinen Welten dreh’n“. Dieses drehende Element wird auch musikalisch nachempfunden – und zwar in dem durch Percussion und Gitarre gestützten Rhythmus, der genau an so etwas Bewegtes erinnert, fast einem Karussell gleich, das sich stets im Kreis dreht – so wie die in dem Lied geliebte Person. Dieses ‚drehende‘ Element schafft eine innere Geschlossenheit innerhalb des Liedes und verschafft uns als Hörer den angenehmen Eindruck eines immer bleibenden Moments, was zugleich eine gewisse Sicherheit versichern vermag. Dieses Gefühl der Gewissheit geht einher mit dem in dem Lied ausgedrückten Wunsch, auch selbst Teil dieser drehenden Welt zu sein; die Gewissheit der beschriebenen Situation existiert zusammen mit der Hoffnung auf ein eigenes Ankommen in diesem drehenden Universums des anderen.
Das ‚Ich‘ im Lied mutet zwar, wie erwähnt, hier und da etwas melancholisch an, da die jetzige Situation eine für das ‚Ich‘ noch ganz und gar nicht zufriedenstellende Situation darstellt; doch umso größer wirkt der Optimismus, der in den Strophen anklingt. Denn hier schafft es das ‚Ich‘ immer und immer wieder, auf Chancen und Gelegenheiten eines Zusammentreffens zu sprechen zu kommen, die für diese von ihm so ersehnte Zweisamkeit sorgen würde. Das all sind Möglichkeiten, die dieser Mensch sieht, indem er über den Anderen sinniert und seine Welt für sich entdeckt; Möglichkeiten, die es ihm ermöglichen, ja gar versprechen könnten, dem anderen in seiner kleinen, so beschränkten Welt einen Schritt näherzukommen.
Wie schön und gleichzeitig naiv dies erscheinen mag – auch und gerade der Anfang des Liedes: das ‚Ich‘ versucht auszudrücken, inwieweit ihm die andere Person bekannt ist: „Ich kenn dich zur Hälfte, nein, ich kenn dich dreiviertel, und eigentlich kenn ich dich überhaupt nicht.“ – Schon alleine diese Verse drücken aus, dass diese Welt des andern, der sich darin ständig dreht, ihm noch völlig fremd ist, weil bzw. obwohl das ‚Ich‘, bevor es dies erkennt, in mathematischen Floskeln auszudrücken versucht, bis zu welchem Grade es vom anderen und seiner Welt weiß. Das kennen wir doch alle irgendwie! Woher? – na klar, von der Situation des eigenen Verliebt-Seins! Ganz sicher… da ist dieses Gefühl, einem Gegenüber auf einmal völlig nahe zu sein, auch wenn man keine Ahnung hat, weshalb… und dieses Gefühl wird zusehends stärker, obwohl diese Vorstellung an sich derart naiv ist, da man das Gegenüber doch eigentlich noch überhaupt nicht kennt! Solche und ähnliche Gedanken und eine so naive Logik scheint sich dann aber immer mehr in dem verliebten Hirn breit zu machen, die angehimmelte Person jeden Morgen beim Aufwachen und in allen Augenblicken in Gedanken vor sich habend und herbeisehnend.
So oder so ähnlich scheint auch in diesem Lied der Beginn des Gedankenspiels zu verlaufen… ja, fast eines Gedankenkarussells des ‚Ich‘, das sich in die Welt des ‚Du‘ hineinschleicht, unterzutauchen mag und am liebsten auf immer und ewig dort bleiben will.
Eine ganz verwandte Methodik verliebter Menschen, die in dem Lied auch auftaucht: man schreibt Gedichte, Verse, Lieder für den anderen und gibt sich mehr als die allergrößte Mühe dabei; doch man gibt nichts davon preis. Man behält alles für sich. Liest oder singt die Sachen unter Umständen für den anderen, aber nie in der Öffentlichkeit oder gar vor dem ander’n, nein, man singt sie höchstens für den ander’n, doch stets bei sich – heimlich. Dieses Moment der heimlichen Sehnsucht tritt in unzähligen Liedern der heutigen Pop-Szene auf, die ein solches Gefühl des Verliebt-Seins ansprechen und findet sich so auch hier. Und ist auch uns – so wage zumindest ich zweifelsohne zu behaupten! – nicht allzu fremd… oder, ihr da draußen, wie geht es euch damit? Auch schon einmal sowas gemacht oder zumindest daran gedacht oder es in Erwägung gezogen? 🙂
Solche und ähnliche Unternehmungen werden in dem Lied geschildert, was das ‚Ich‘ hier schon alles unternimmt, um dem ‚Du‘ zu begegnen, es kennenlernen zu können, seiner Welt etwas näher zu sein.
Das tragende Element des Liedes ist und bleibt aber auch im weiteren Verlauf des Songs dieses drehende Element, was durchgängig durch diese karussell-haft anmutende rhythmische Gestaltung zusätzlich untermalt wird. Und was sich, so auch ganz am Schluss, im aber- und abermalig wiederholten Refrain niederschlägt, der diese Sehnsucht, diese Hoffnung, die das ‚Ich‘ mit sich herumträgt und so noch stärker intensiviert und auch auf den Hörer übertragen wird.
Zum Schluss kann man nur hoffen, dass all diese niedergeschriebenen und in dem Song ausgesprochenen, gesungenen Gedanken und Ideen nicht nur im Kopf der Person, die jemanden zu lieben scheint, existieren, sondern dass all das auch Wirklichkeit wird. Dass die Person es in die kleine Welt des Du, die sich stets dreht, hineinschafft. Dass die beiden sich treffen, näherkommen, sich kennen und eventuell ja sogar auch lieben lernen. Das wäre wohl das Schönste, was sich das ‚Ich‘ so wünschen würde. Und was wir ihm doch auch wünschen. Wenn wir uns nicht sowieso schon längst in dem ‚Ich‘ wiedererkannt haben… tolles Lied für alle, die gerade nicht so ganz wissen, wie es um sie oder den andern steht und was aus der Situation oder der Beziehung noch so ergeben wird und wie sich die Zukunft entwickelt. Unbedingt anhör’n. Romantischer Anhauch garantiert! 🙂 (LG)

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