Nagoya – Stadt der Vielfalt

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(c) Celina Döring

Wer noch nie in Japan war, kann sich nur vorstellen, welche Dimensionen Megastädte wie Tokio oder Osaka annehmen. Menschen über Menschen, umgeben von Stahl, Beton und blinkenden Werbeflächen. Klingt unromantisch? Allerdings.

Japans Städte haben dabei aber immer noch ihre romantischen Seiten. Außerdem ist man mit dem Zug schnell in der Natur, die nicht mehr Kontrast zur Stadt sein könnte.

Nagoya – alter Charme mit modernem Flair

Deshalb möchte ich Euch Nagoya vorstellen. Die Stadt liegt zwischen Osaka und Tokio an der Ise Bucht und ist wie alle japanischen Städte sehr modern, sauber und digitalisiert.

(c) Celina Döring

Gleichzeitig findet man aber noch das alte Japan – hier und da. Die kleinen japanischen Holzhäuschen säumen manche Straßen, Tempel verstecken sich in bunten Einkaufsarkaden und die schöne Burg von Nagoya aus der Edo Zeit thront über der Stadt.

Beginnen wir in Nagoya selbst: Es gibt viele Eindrücke, die man gut bei einem Spaziergang durch die Stadt erleben kann. Ich empfehle, nicht zu versuchen, mit der Bahn zu fahren, wenn das Wetter schön ist, denn das japanische Verkehrsnetz ist nicht immer auf Englisch oder leicht verständlich ausgeschildert und auch wenn die Menschen in Japan immer sehr freundlich und hilfsbereit sind, kann man sich leicht verlieren. Es ist außerdem schlau, sich – bevor man ausgeht – an der Hotelinformation eine Karte geben zu lassen und nach den Sehenswürdigkeiten zu fragen, die man gerne ansehen möchte. Das Personal wird immer gerne alles auf der Karte einkreisen, Tipps geben und auch die öffentlichen Verkehrsmittel vorab erklären.

Kirschblütenzauber

Japan ist zu jeder Jahreszeit wunderschön, für Nagoya empfehle ich den Herbst oder die Zeit der Kirschblüte. Dann sind die Temperaturen angenehm, aber nicht zu heiß und leuchtendes Rosa oder Rot erwarten den Besucher.

(c) Celina Döring

Entlang des Horikawa Kanals und über verschiedene Brücken kann man sich seinen Weg suchen in die Shike Michi (Michi bedeutet Weg). Hier reihen sich die historischen Wohnhäuschen Japans dicht aneinander und man erlebt eine Stille, wie sonst nirgends in der quirligen Stadt. Der Weg führt dann weiter bis zur Burg von Nagoya. Es ist wunderschön, hier durch den Park zu bummeln, vor allem am späteren Nachmittag, wenn sich der Park bereits zu leeren beginnt. Man sollte dann nur die Öffnungszeiten im Hinterkopf behalten.

Während der Kirschblüte läuft man hier durch Schauer zartrosa Blütenblätter und im Herbst strahlt der rote Ahorn gegen den blauen Himmel. Dazu sieht man das beeindruckende, restaurierte Nagoya Castle. Man kann außerdem in die Burg hinein und ganz nach oben. Von dort oben hat man eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt und die Umgebung, auch wenn die Fenster recht schmal, wie die Schanzen einer Festung angelegt sind.

Der größte Tempel in Nagoya, der Osu Kannon ist ebenfalls sehr sehenswert und die Pracht vergangener Zeiten strahlt hier entgegen.

Japan wie es leibt und lebt

An einem verregneten Tag oder auch abends ist die Edoji Einkaufsmeile ein unglaubliches Erlebnis, das Japans Charakter widerspiegelt. Die riesige, verzweigte Arkade mit Überdachung bietet für jeden etwas. Hier kann man sich an den vielen Essensständen typisch japanische Kleinigkeiten, wie Mochis, kaufen. Das sind kleine Grüntee-Reisbällchen an einem Holzspieß, die mit Puderzucker oder süßen Soßen übergossen werden. Oder ein Tayaki, eine gefüllte Waffel in Fisch-Form. Hier wird alles frisch am Stand zubereitet und das Street-Food eignet sich hervorragend, um es während des Sehens und Staunens gemeinsam zu snacken.

Wenn man ein wenig in die Nebengässchen geht, kann man niedliche kleine Tempel und Ruhe finden, zurück auf der Hauptstraße das bunte, blickende Japan. Laternen erleuchten die Straßen und Musik dringt von allen Geschäften ans Ohr. Im Kimono-Secondhand Laden findet man wunderschöne Kimonos zu günstigen Preisen, die man auch anprobieren darf – mit Assistenz der Mitarbeiter.

Auch durch die Spielhallen zu laufen und zusammen den ein oder anderen Spielautomaten auszuprobieren macht Spaß. Man macht zum Beispiel ein Tanz-Battle oder fischt einfach Kuscheltierchen aus dem Automaten, um sie danach seinem Liebsten oder seiner Liebsten zu schenken. Das ist garantiert eine tolle Erinnerung. Man darf sich japanische Spielhallen nicht so vorstellen, wie bei uns, denn hier ist es unter Jugendlichen eine ganz gewöhnliche Freizeitbeschäftigung. Es wird nicht um viel Geld gespielt, sondern um mit Freunden eine gute Zeit zu verbringen.

(c) Celina Döring

Wenn man genug gesehen und gehört hat, ist es Zeit für ein entspanntes Essen. Sushi geht in Japan natürlich immer, aber auch eine leckere Nudelsuppe – ob vegetarisch oder nach individuellen Wünschen – ist sehr zu empfehlen. Typisch für Nagoya ist die Misonikomi Suppe mit Kishimen Nudeln, die Ähnlichkeit zu breiten Bandnudeln haben.

Spezialitäten sind außerdem japanische Hühnerflügel, genannt Tebasaki, und frischer Aal, für den Nagoya das Zentrum ist. Restaurants gibt es überall in den großen Arkaden oder auch in der Einkaufsstraße um den Bahnhof herum. Man bestellt als Ausländer, der der japanischen Sprache nicht mächtig ist, am besten nach Bildern, denn nicht viele Lokalitäten haben Karten auf Englisch oder Personal, das Englisch spricht.

Japans Bergdörfer

Nagoya besticht mit den vielen Anbindungen in die schönen Bergdörfer und in die Natur. Eines dieser Dörfer ist Magome. Von Nagoya Station aus ist es mit dem Zug eine Stunde nach Nakatsugawa Station. Hierfür empfiehlt es sich, das Ticket im Info Zentrum zu kaufen und nicht zu versuchen, die japanischen Schriftzeichen an den Automaten zu deuten.

In Nakatsugawa angekommen; geht es mit dem Bus weitere 20 Minuten hinein in die Berge bis sich das hübsche Magome vor einem eröffnet. Man spaziert durch das Dörfchen an kleinen Restaurants und Souvenirständen vorbei und kann sich vor der Wanderung in einer Teestube stärken.

Ein Steinweg führt nach oben auf die Hügel und hinein in den im Herbst scharlachroten Ahornwald. Man folgt dem Magome-Tsumago-Wanderweg, der gemütlich innerhalb von ein paar Stunden bis in das zweite schöne Bergdorf führt. An kleinen Wasserfällen vorbei, durch Bambus und Ahorn und rote Schreintore. Manchmal begegnet man einer kleinen Siedlung mit wenigen Holzhäuschen, ansonsten ist es still und man kann die klare Luft und die traumhafte Aussicht über die bergige Landschaft genießen. Wenn man schließlich in Tsumago ankommt, ist der Weg zum Bus ausgeschildert, der einen zur Nagiso Station bringt, von der aus man mit der Chuo Line zurück nach Nagoya fahren kann.

Auch Kyoto, Japans einstige Hauptstadt, ist gut mit dem Shinkansen oder dem langsameren, aber günstigeren Kodama Zug zu erreichen. Diese Zugfahrt ist allerdings generell teuer.

(c) Celina Döring

Romantischer Lichterzauber

Näher an der Stadt Nagoya ist das Tal von Korankei, welches ebenfalls im Herbst durch seine traumhaften Farben und seine Natur besticht. Ein Bummel über die Taigetsukyo Brücke, deren Geländer genauso rot strahlt wie der Herbstahorn in der Sonne, ist wie das Paradies. Der Tomoe Fluss fließt hier in wildem Lauf und auf dem Berg Iimori erwartet einen der erhabene Kojakuji Tempel.

Im November findet hier das Momiji Matsuri Festival statt, bei dem die goldenen und roten Ahornbäume im Dunkeln erleuchtet werden, was einen unglaublich romantischen Effekt der leuchtenden Bäume mit sich bringt. Die Bäume strahlen immer von 17.00 Uhr bis 21.00 Uhr.

Wir wünschen viel Spaß beim Entdecken dieser einzigartigen Kultur! (CD)