Standesamtliche vs. kirchliche Trauung – oder gleich beides?

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(c) CC0 pixabay.com

Das ist eine der ersten Entscheidungen, die beim Thema Hochzeit zu fällen ist: Wie heiraten wir und von wem lassen wir uns eigentlich trauen?

Und da gibt es genau zwei Möglichkeiten: entweder es geht vor den Traualtar oder ins Bürgerhaus zum städtischen Standesamt.

 

Pfarrer vs. Standesbeamter oder eben beides – das ist hier die Frage! 😉

Doch immer mehr Paare fragen sich, sobald die ersten Hochzeitsglocken von fern zu hören sind und das Thema jedenfalls auf dem Tisch ist, ob sie NUR standesamtlich heiraten wollen oder auch kirchlich. In diesem Beitrag soll es darum gehen, unter welchen Berücksichtigungen Euch diese Entscheidung vielleicht leichter fällt . Für viele Paare ist es auch schon von Anfang an klar. Das zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich und auch individuell Partnerschaften nun einmal sind – es gibt eben auch hier solche und solche.

Konzentrieren wir uns also auf die Konstellation „Paar – Hochzeitswunsch – erste Gedanken zur Form und zum Rahmen der Hochzeitsfeier“ 😊 Hierbei stellt sich zuallererst die Frage: Welche Religionszugehörigkeiten liegen bei Mann und Frau vor? Denn falls nicht gerade der traditionsreiche, klassische Fall einer zweiseitigen römisch-katholischen Religionszugehörigkeit zutrifft – einer beider Partner also eine andere Konfession oder Religion angehört – gestaltet sich die Frage einer kirchlichen Trauung doch sehr schnell etwas komplexer. Denn dann müssten bei einer kirchlichen Trauung wiederum zusätzliche Faktoren berücksichtigt werden, zum Beispiel, was die Hochzeitszeremonie anbelangt – mit ihren je nach Religion divergierenden Sitten, Bräuchen, Konventionen etc.

In diesem Fall wäre – falls der generelle Gedanke einer kirchlichen Trauung im Raum steht – der erste Schritt zur Entscheidungsfindung folgender: Es müsste zunächst geklärt und ein Übereinkommen getroffen werden, in welcher der beiden kirchlichen Räume geheiratet wird; damit kommt also unvermeidlich die Frage nach der Priorität der jeweiligen Religions- bzw. Konfessionszugehörigkeit auf – ja, diese Frage drängt sich förmlich auf! Hier ist also ein Gespräch über die Vorstellungen der kirchlichen Trauung und deren örtlichem Rahmen, also kirchlichem Raum, in Verbindung mit einer entsprechend religiös gestalteten kirchlichen Hochzeitsfeier absolut notwendig. Dabei spielen natürlich auch weitere essenzielle Parameter mit hinein, wie etwa die folgenden Fragen, die eine bewusste Auseinandersetzung mit der religiösen Priorisierung anregen können:

Wie wichtig ist mir meine eigene Religion/Konfession?

kirchliche Trauung, (c) CC0 pixabay.com
  • Kann ich mir eine Hochzeit vorstellen, die im kirchlichen Raum der Religion/Konfession meines Partners stattfindet und dabei meine eigene religiöse Zugehörigkeit bewusst auslässt oder übergeht?
  • Was sagt meine Religion zum Thema Hochzeit bzw. wie sieht eine Hochzeitszeremonie in meiner Kirche aus? Welche „Schritte“ werden praktiziert, bevor es zur Vermählung kommen kann?
  • Über solche Fragen könnt Ihr Euch dann zusammen austauschen und gemeinsam überlegen, was für Euch passt, wie es um Eure jeweilige Religion bzw. Konfession steht, wie relevant sie für Euch als Einzelpersonen ist, wie flexibel Ihr seid etc. Diese gemeinsame Überlegungsphase ist in der Hinsicht essenziell für eine gut überlegte, gemeinsam gefällte Entscheidung, mit der beide guten Gewissens leben können.

Gehört ein Partner gar keiner Religion an, stellt sich die Frage nach einer kirchlichen Hochzeit nun sowieso nicht und die Art der Trauung steht damit fest: Es geht ins Standesamt. 😊

Nehmen wir andererseits nun einmal den am häufigsten vorkommenden Fall an und zwar: Beide Partner gehören derselben Religion an – lassen wir es hier einmal die römisch-katholische sein, als Gedankenkonstrukt zum Anstellen weiterer Überlegungen. In diesem Falle ist die erste Frage, die Ihr Euch als Paar stellen solltet, die folgende:

Welche Rolle spielt Religion in unserem jeweiligen Leben bzw. in unserer Beziehung?
Und die Frage ist zweiteilig – ja, genau. Hier solltet Ihr also zunächst für Euch ganz individuell ergründen, was Eure Religion Euch selbst bedeutet, welchen Stellenwert sie in Eurem Leben einnimmt, wie Ihr zu Eurer Religion steht, ob Ihr sie aktiv praktiziert, ob Ihr nur „auf dem Papier‘“ gläubig seid und so weiter. Und hier geht es nicht etwa um Vorstellungen Eurer Eltern von früher, Eurer Freunde oder sonst jemandem, sondern wirklich ausschließlich um Eure ganz eigenen Gedanken dazu. Denn es soll ja letztendlich repräsentativ sein für Eurer eigenes, jetziges Leben, wie es im Moment und in Eurer ganz individuellen Lebenslage gerade ist.

In einem zweiten Schritt – nach jeweiliger Reflexion der beiden Partner für sich und am besten nach einem kurzen Austausch über deren Ergebnisse oder Feststellungen (kann nämlich schon in Bezug auf die später anstehende gemeinsame Überlegung und Entscheidung mitunter sehr erhellend sein!) – setzt Ihr Euch dann zu zweit zusammen und überlegt, wie es denn in Eurer Partnerschaft mit Religion aussieht: Ist sie dort fest verankert, ist sie ein definitiver Teil von Euch als Paar? Oder ist sie eben nur manchmal oder ganz selten wirklich „da“ in Eurem Zusammensein? Gehört sie in eurem Alltag nicht unbedingt dazu?

Falls Ihr zu dem Schluss kommt, dass Religion für Eure Beziehung nicht unbedingt eine generelle Basis oder Grundlage bildet, Ihr aber trotzdem gerne vor den Traualtar geführt werden würdet – einfach der Festlichkeit halber und der ganz anderen, unvergleichlichen Stimmung einer Hochzeit in einem kirchlichen Raum verglichen etwa mit einem Bürgersaal – so geht das auch irgendwie. Nur solltet Ihr trotzdem von den innerhalb der kirchlichen Hochzeit (sei es nun ein Gottesdienst oder eine ganze Messe) praktizierten religiösen Traditionen konform sein – und zwar beide. Ihr solltet als Paar davon überzeugt sein. Denn sonst wirkt diese Ehe eher nur „dem Prunk und der Festlichkeit halber“ künstlich erzeugt anstatt göttlich gesegnet …
Denn – und lassen wir uns erst einmal so richtig auf den Gedanken ein, bevor wir vorschnell irgendetwas einwilligen oder entscheiden:

Sich kirchlich trauen heißt: vor Gott den Bund der Ehe zu schließen. Von Gott den Segen für Eure Ehe zu erhalten. Durch den Priester und damit durch Gott vermählt zu werden.

Und das, liebe Leute, ist ein SAKRAMENT. Für die Katholiken. Ein heiliges Sakrament, vergleichbar mit der Kommunion, Firmung oder der Taufe (das war ja unser angenommener „Ausgangsfall“ für die Überlegungen hier: Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche).

Welch‘ schöner Gedanke ist das denn eigentlich? 😊 Wir dürfen von Gott für unsere Beziehung, die wir damit als Bund der Ewigkeit schließen, den Segen erhalten.

Der eine freut sich daran, der nächste sagt, er braucht’s nicht … wie dem auch sei: die Möglichkeit habt Ihr – es geht ja schließlich um Eure Hochzeit, Eure Ehe, Eure Entscheidung dahingehend!

Und wie steht es jetzt eigentlich mit den Paaren, die „nur“ standesamtlich heiraten (eigentlich blöd, das klingt immer gleich so reduzierend irgendwie)? – also, zunächst: Es gibt sehr wohl auch nicht selten Paare, die zunächst standesamtlich heiraten, sich dann nochmal alle Zeit lassen, die sie brauchen oder für die Entscheidung wollen und geben sich ein paar Jahre später vor Gott und der Kirche das Ja-Wort.

Abgesehen aber von der Möglichkeit, die manche Paare realisieren, und zwar, dass sie zunächst einmal für sich entschieden haben, auf jeden Fall standesamtlich zu heiraten, die kirchliche Vermählung und den Bund der Ehe vor Gott aber stets im Hinterkopf behalten und ein paar Jahre später noch eingehen, gibt es natürlich auch die Möglichkeit, quasi DIREKT beides zu vereinen – hier sei aber auf eine Sache hingewiesen: Nehmt Euch nicht zu viel für einen einzigen Tag vor – oder anders ausgedrückt: Vermeidet, falls Ihr keine übermenschlichen Nerven besitzt, die Hochzeit standesamtlich und kirchlich auf ein- und denselben Tag zu legen. Denn das kostet Nerven. Und Kraft. Und Ihr lauft Gefahr, dass Ihr entweder das eine oder das andere – sei es nun die standesamtliche Hochzeit, vor lauter Vorfreude auf die Kirche, sei es die kirchliche Trauung, vor lauter Gefühlsübermacht schon im Standesamt – nicht genießen könnt. Und dafür sind wohl beide Formen der Hochzeit um einiges zu schade! Doch wissenswert ist: Noch vor 20 oder 30 Jahren war es Gang und Gäbe, dass zwischen der standesamtlichen und der kirchlichen Trauung nur wenige Stunden lagen 😊 … das hat sich inzwischen geändert.

Standesamt Dresden, (c) CC0 pixabay.com

Trotzdem habt Ihr selbstverständlich die gute Möglichkeit, beide Formen beispielsweise innerhalb eines Jahres zu vereinen und den standesamtlichen Hochzeitstermin etwa einige Wochen vor den kirchlichen zu legen. So wie Ihr mögt und natürlich so, wie auch Eure Trauzeugen Zeit haben.

Übrigens gibt es noch eine interessante Neuigkeit (naja ok, auch schon wieder eine Dekade alt, aber bestimmt noch immer nicht jeder oder jedem bekannt), denn …
… seit 2009 neu im Rennen: die kirchliche Heirat ohne vorherige standesamtliche Eheschließung! Das geht seither nämlich als vierte Variante (neben: nur standesamtlich heiraten; standesamtlich und vielleicht irgendwann später kirchlich heiraten; standesamtlich und kirchlich heiraten, sei es am selben Tag oder im selben Jahr)! Seit nunmehr zehn Jahren also muss keine standesamtliche Eheschließung mehr zwingend vor einer kirchlichen stattgefunden haben, as heißt, Ihr könnt also auch kirchlich vor der standesamtlichen Trauung heiraten – oder eben sogar ganz ohne der letzteren. 😊 Doch in diesem Kontext wissenswert: Wer auf die standesamtliche Trauung verzichtet, gilt für den Staat als unverheiratet, womit die rechtlichen Vorteile einer Ehe, die der Staat bietet, in einem solchen Falle nicht in Anspruch genommen werden können. Gut überlegen ist also angesagt!!

Wird eine kirchliche Heirat ohne vorherige standesamtliche Trauung geplant, so muss beim Pfarrer unterschrieben werden, dass man sich über das Fehlen der staatlichen Rechtsfolgen bewusst ist; das kann man aber alles im Traugespräch besprechen, also keine Sorge, einfach an den Pfarrer wenden.

Und sonst so? Also, für das Standesamt spricht natürlich: Ihr habt weniger Organisationsaufwand, es geht schneller über die Bühne … Das sind aber alles auch sehr variierende Angaben, die im Einzelfall auch mal genau andersrum ausfallen können. Heißt also: Schaut frühzeitig um alles, was mit Organisation, Bürokratie (v.a. natürlich beim Standesamt, aber dennoch NICHT zu vernachlässigen bei einer eventuellen kirchlichen Trauung (da braucht Ihr u.a. eine beglaubigte Taufurkunde Eurer ursprünglichen Heimatgemeinde)) zu tun hat.

Und Trauzeugen braucht Ihr auch in beiden Formen der Realisierung des Hochzeitsfestes, die habt Ihr also in jedem Fall mit im Boot!:)

Was natürlich bei einer kirchlichen Trauung auch noch eine Rolle spielt, ist die Orgel und damit Eure Hochzeitsmusik – ich meine, klar könnt ihr auch in jeden Bürgersaal Instrumente auffahren lassen und Musiker/-innen engagieren, aber so eine Orgel macht einfach richtig was her und holt aus Eurem Hochzeitsfest im Falle einer kirchlichen Hochzeit nochmal die festlichsten Töne heraus – und: sie steht dort sowieso; jede Musik im Standesamt ist mit nicht zu vernachlässigendem Zusatzaufwand in Sachen Organisation verbunden und den kann sich eine Braut vor ihrer Hochzeit wirklich – und das ist nur als lieber Rat gemeint – sparen (schonmal hier im Vorab: delegieren, delegieren, und nochmal: delegieren … es nimmt Euch sehr viel Stress ab und kostet Euch nicht die letzten Nerven!) – und der Bräutigam auch. 😊

Und ansonsten: Nehmt Euch die Zeit, um alles gründlich zu überlegen, bevor Ihr Euch entscheidet – es lohnt sich!! Denn es ist nachher EUER Fest, DER FESTTAG EURES LEBENS – und der soll schließlich grandios schön sein und vor allen Dingen: Er soll zu Euch passen!!! Also: gute Entscheidung! 😉 (LG)