Unser Interview mit Amy Baxter

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(c) Chiara Goldmann

Tattoos, Musik und wilde Romantik – das klingt ganz nach dem Leben eines Rockstars, doch falsch gedacht: Hier geht es einzig und allein um die Welt in Amy Baxters Romanen. Mehr dazu und warum sie der Bereich Sexy Romance so fasziniert, hat uns die Autorin im Interview verraten. Und wer dann immer noch nicht genug von Amy Baxter bekommen konnte, kann sie im Mai auf der LoveLetter Convention treffen. Nun aber erst mal zu unserem Interview 😉

Wer ist Amy Baxter? Und wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Amy Baxter ist das zweite Ich, die gespaltene Persönlichkeit von Andrea Bielfeldt.
Als sich 2016 die Zusammenarbeit mit be.ebooks ergab (dem digitalen Label von Bastei Lübbe) und da meine sexy Romance-Reihe in den USA spielt, lag es nahe, sich für ein amerikanisch klingendes Pseudonym zu entscheiden. So wurde Amy Baxter geboren.

Zum Schreiben kam ich vor Jahren beim Wäschezusammenlegen. Kein Witz.
Ich saß auf dem Bett und kümmerte mich um verwaiste Socken, als ich – wie im Kino – einen Film vor meinem geistigen Auge ablaufen sah. Und dann hatte ich die Geschichte dazu im Kopf. Noch am selben Abend setzte ich mich an meinen Uralt-PC und begann, die ersten Worte meines ersten Romans zu tippen, aus dem letztlich eine Fantasy-Trilogie wurde. Kurz darauf habe ich als Andrea Bielfeldt meinen ersten Liebesroman geschrieben. Das gefiel mir so gut, dass ich im Laufe der Jahre noch einige Bücher in dem Genre veröffentlicht habe. Bis Amy kam und mehr Zeit für die Romance-Reihe einforderte …

Du schreibst Liebesromane. Was fasziniert Dich so an dem Genre, warum gerade dieses Genre?

Ich liebe die Liebe. Ich liebe Happy Ends. Aber ich liebe auch den Weg dorthin.
Über Berge und durch Täler wandern, tiefe Schluchten überwinden und dabei den Mut und das Ziel nicht aus den Augen verlieren. All das ist möglich in diesem Genre. Es ist toll, mit den Emotionen der Protagonisten zu spielen, zu sehen, wie sie ihren Weg gehen, das Glücksgefühl mit ihnen gemeinsam zu erleben, die erste Liebe fühlen, den Schmerz, die Wut, die Trauer, die Angst, die Verzweiflung … All die Emotionen, die jede Frau schon mal durchgemacht hat. Deswegen steckt wohl auch immer ein kleiner Teil Wahrheit in diesem Genre.

Wie würdest Du Deine Bücher beschreiben? Was zeichnet sie aus? Worauf legst Du besonderen Wert?

Als ich angefangen habe, die Romance-Reihe „San Francisco Ink“ zu schreiben, war mir wichtig, dass die Geschichten einen Bezug zum wirklichen Leben haben. In den Büchern geht es um Tattoos, um Musik und natürlich um die Liebe. Alles Dinge, die mich selbst bewegen. Doch an erster Stelle geht es um Charaktere, die Ballast aus der Vergangenheit mit sich rumschleppen und sich ihm oft – aus welchen Gründen auch immer – nicht stellen wollen oder können. Auch wie im richtigen Leben.

Jedes Buch hat einen anderen Ton, einen anderen Hintergrund, ein anderes Gefühl, das es transportiert. Ich verarbeite in diesen Geschichten oft Dinge, die ich in meinem Alltag sehe oder auch erlebt habe – wenn auch nicht am eigenen Leib. Mal geht es um Gewalt, dann um Mobbing oder den Tod. Deswegen nimmt intensives Beleuchten der Themen einen großen Teil meiner Schreibzeit ein. Ich möchte mich in meine Figuren hineinversetzen können und wähle deshalb in der Regel Themen aus, zu denen ich auch selbst einen Bezug habe. Nur so kann ich die Handlungsweise und die Gefühle meiner Protagonisten nachvollziehen und darauf aufbauen. Ob es mir immer gelingt weiß ich nicht, aber wenn der Leser an den Stellen lacht oder weint, an denen ich beim Schreiben gelacht oder geweint habe, dann ist es ein gutes Zeichen.

Was kannst Du uns über Dein aktuelles Buch erzählen?

Am 10. April erscheint der mittlerweile 5. Band der „San Francisco Ink“-Reihe, in der jeder Band in sich abgeschlossen ist und auch unabhängig von den andren gelesen werden kann. Schöner ist es natürlich trotzdem, wenn man die Anfänge des Tattoo-Studios Skinneedles miterlebt hat. 😉

Auch in „Someone like you – Scott und Olivia“ geht es um Tattoos, die Liebe und eine Vergangenheit, die allgegenwärtig scheint. Mit Scott und Olivia habe ich ein Paar gewählt, dass unterschiedlicher nicht sein könnte. Wer die Reihe kennt, kennt auch schon Olivia, die seit dem ersten Band dabei ist. Und ich weiß, dass viele meiner Leser diese Figur nicht mögen. Es war eine besondere Herausforderung für mich, Olivias Geschichte zu erzählen, zu zeigen, warum sie so ist, wie sie ist und sie einen – realistischen – Wandel durchleben zu lassen. Scott ist aber auch nicht ohne. Er schleppt ebenfalls eine alte Last mit sich herum, von der er sich einfach nicht lösen kann. Soweit das Klischee.

Die Story der beiden beinhaltet einiges an Humor, an knisternder Erotik, aber auch viel an tiefen Gefühlen. Ich glaube, dass diese Story wieder in einem anderen Ton geschrieben ist als ihre Vorgänger und ich bin wirklich sehr gespannt, wie #Scolivia bei den Lesern ankommen wird.

Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei Dir aus?

Oh, das wechselt immer wieder, je nachdem, was anliegt. Aber das Erste, was nach dem Augenaufmachen sein muss, ist Kaffee. Wenn die häuslichen Pflichten erledigt sind, geht es nach San Francisco oder es wird für weitere Storys geplottet oder am Lektorat gearbeitet. Zwischendurch wird noch Scocial Media erledigt und Vorbereitungen für diverse Events oder Messen getroffen. In der Regel schreibe ich täglich ein paar Stunden, manchmal – wenn ich im Fluss bin – auch mal den ganzen Tag bis in die Nacht. Dann sind Unterbrechungen tödlich – ob für mich oder den, der mich unterbricht, wird nicht verraten. Mit dabei sind aber immer Kaffee und Musik.

Was inspiriert Dich für Deine Geschichten?

Das Leben. Der Alltag. Mein Alltag, mein Leben oder das von anderen Menschen. Manchmal sind es nur Bilder oder Wortfetzen, die ausreichen, um eine neue Szene oder gar eine ganze Geschichte entstehen zu lassen. Manchmal muss auch ein Brainstorming her mit lieben Freunden, Lesern, Kollegen oder meiner Lektorin. Letztens hatte sogar eines dieser typischen Facebook-Bildchen „Was machst du am Valentinstag?“ gereicht, um eine neue Szene zum nächsten Buch in meinem Kopf in Gang zu setzen. An dieser Stelle danke an mein großartiges Skinneedles-Team!

Wie recherchierst Du für Deine Bücher?

Am liebsten natürlich vor Ort. Allerdings klappt das nicht immer, so dass ich meist die unendliche Weite des Internets dafür benutze. Aber wenn es um spezielle Themen geht, spreche ich gerne mit Personen, die sich damit auskennen oder so etwas schon erlebt haben. Mir ist eine gute Recherche für meine Romane unglaublich wichtig und damit meine ich nicht nur die Beschreibungen der Orte. Ich habe für Themen wie Tätowieren oder San Francisco Ansprechpartner, die mir für Fragen zur Seite stehen. Im ersten Buch lag der Schwerpunkt neben dem Tätowieren auf dem Tanzen und neben einer ordentlichen Recherche vor Ort standen gute Tanzfilme und -Videos auf der Tagesordnung.

In einem weiteren Buch der Reihe behandle ich ein sehr trauriges Thema: Brustkrebs. Wie ich weiter oben schon erwähnte, habe ich oft einen Bezug zu den Themen in meinen Büchern, verarbeite Geschehenes. So auch in dieser Geschichte, denn eine Freundin war an Brustkrebs erkrankt, hat ihn Gott sei Dank besiegt. Mit ihr habe ich lange und intensiv über alles gesprochen und fühlte mich beim Schreiben sehr in der Situation. Ihr ist auch dieses Buch gewidmet.

Aber es gibt auch Schönes: Zum gleichen Buch habe ich einer Footballmannschaft einen Besuch abgestattet und mir alles ganz genau erklären lassen. Auch, wenn es nur eine kurze Szene im Buch ist, die davon handelt, ist es mir wichtig, dass alles stimmig ist. Und mal ehrlich – mit so knackigen Kerlen macht Recherche ja auch Spaß 😉

Haben Deine Protagonisten reale Vorbilder?

Nein, eher fiktive. Es sind meist Menschen aus ihrem ebenfalls fiktiven Umfeld, die ihnen die Augen öffnen und unbewusst dabei helfen, ihren Weg zu gehen, sie stärken und ihnen beistehen.

Wie entscheidest Du über die Namen Deiner Protagonisten? (Historische) Vorbilder? Persönliche Vorlieben?

Jake und Carrie aus „Never before you“ sind mir so zugefallen, sie waren einfach da, genau wie einige andere Namen. Aber ich stöbere auch gerne durch Namen-Datenbanken im Internet, schaue mir die Bedeutung der Namen an und wenn es sich stimmig anfühlt, dann kommen sie in die engere Auswahl. Oft lasse ich auch mein Team mitentscheiden, was Namen für neue Protagonisten angeht.

Auf welche (exotischen?) Handlungsorte oder Geschichten dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Erstmal bleiben wir in San Francisco, die Reihe ist ja noch nicht zu Ende. Aber wenn es klappt, wird es auf jeden Fall in absehbarer Zeit auch noch mal nach Irland gehen – dort war ich nämlich schon zur Recherche 😊

Man kann Dich im Mai 2018 auf der LoveLetter Convention persönlich kennenlernen. Worauf freust Du Dich am meisten?

Auf alles! Ungelogen! Ich durfte ja letztes Jahr schon dabei sein und war so geflasht von dieser wundervollen Veranstaltung, dass ich wirklich noch lange, lange davon gezehrt habe. Ich freue mich auf die Leser. Auf neue Leser sowie auf ein Wiedersehen mit bereits bekannten, auf den Austausch mit ihnen und das Miteinander, das so typisch ist für die ganze Convention. Ich freue mich auf die Kollegen, auf neue Autoren und auf das ganze Team der LoveLetter Convention. Ich freue mich auf die Workshops, die Spiele (Fünününü … kleiner Insider vom letzten Jahr …) und die Blind Dates. Ich freue mich darauf, im Garten zu sitzen und die ganzen glücklichen Leute zu beobachten. Ich freue mich auf darauf, auch von der diesjährigen Convention wieder mit einem Haufen positiver Eindrücke nach Hause zu kommen, die dann vielleicht sogar wieder in einem neuen Roman verarbeitet werden – ich sag nur „Hello Kitty“ 😉

Ach, ich freue mich auf wirklich alles und kann es kaum erwarten, nach Berlin zu kommen!

Wie weit würdest Du für Deinen Traummann gehen?

Oh, weit. Sehr weit. Wenn es sein muss, auch barfuß durch den Schneesturm.
Ich finde, dass die Liebe nicht einfach ist – aber wenn man sie wirklich gefunden hat, ist sie das Schönste, was einem passieren kann. Und dann sollte man auch alles dafür tun, um sie am Leben zu erhalten.

Ich bin in der glücklichen Lage sagen zu können, dass ich mit meinem Traummann verheiratet bin. Aber bis dahin war es ein weiter Weg, auf dem auch ich ausprobiert und auch Berge, Täler und Schluchten überwunden habe.

Hast Du ein Guilty Pleasure, das Du uns verraten möchtest?

Eins?

Welche Bücher liest Du in Deiner Freizeit? Welches im Moment?

Ich lese aber unglaublich gerne Thriller und Psychothriller wie zum Beispiel Cody Mc Fayden, Michael Robotham oder Ethan Cross. Dabei kann ich herrlich abschalten und bin am Ende jeden Buches immer wieder fasziniert davon, wie der Autor es geschafft hat, diese kranken Gedanken in eine stimmige Geschichte zu bringen. Ich könnte das nicht! Und das ist auch gut so 😊 Gerade habe ich den vierten Band der Ethan Cross Reihe „Ich bin der Zorn“ beendet und lese jetzt „Die Angst schläft nie“ von Rachel Caine.

Welches Buch/welchen Autor aus dem Bereich Romance würdest Du als aktuelle Leseempfehlung geben und warum?

Im Sexy Romance Bereich mag ich die Bücher von Charlotte Taylor, die mich von Beginn an mit ihrer „Hot Chocolate“ Reihe gepackt hat. Eine Reihe um eine Mädels-WG, deren grundverschiedene Bewohnerinnen alle ihre eigenen Romanzen erleben.
Und als Gegensatz zur horizontalen Literatur gibt es noch Sina Müller, die mit Josh & Emma eine bezaubernde Dilogie geschrieben hat, die ganz ohne Erotik auskommt und wirklich das Herz berührt.

Welche Frage würdest Du Dir selbst gerne stellen?

Welche geheime Superkraft hättest du gerne?

Welche Frage/n würdest Du gerne an Deine Leser richten?

Was würdet ihr von mir gern als nächstes lesen?