Unser Interview mit Annie Stone

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Annie Stone
(c) Micki Hall

Jede Liebe hat ihre eigene, einzigartige Geschichte mit vielen Facetten und ganz speziellen Besonderheiten. Und diese zu finden und in ihren Büchern zum Leben zu erwecken, hat sich Annie Stone zur Aufgabe gemacht. Wir haben die Autorin zum Interview getroffen …

Annie, Du bist eine sehr erfolgreiche Autorin, die als Self-Publisherin durchstartete und mittlerweile auch Verlagsautorin ist. Möchtest Du unseren Lesern ein bisschen über Deine Anfänge erzählen? Wie kamst Du zum Schreiben?

Mein Vater hat auch geschrieben, daher war all das – schreiben, lesen, Fantasie – etwas, was zu Hause gefördert wurde. Schon ganz früh habe ich angefangen, mir Geschichten auszudenken. Bevor ich selber schreiben konnte, habe ich eine Geschichte erfunden mit Namen Alex und Alexandra, die meine Mutter für mich abgetippt und gebunden hat. Ich habe dann noch Zeichnungen hinzugefügt, allerdings muss ich sagen, dass ich darin nie besonders gut war. Das Geschichtenerzählen hat mich auf die ein oder andere Weise mein ganzes Leben begleitet.

Du schreibst auch weiterhin als Self-Publisherin. Worin siehst Du die Vor- und/oder Nachteile des Self-Publishings gegenüber dem Schreiben als Verlagsautorin?

Ich glaube, beides hat seine Vor- und Nachteile. Perfekt wäre eine Verbindung von Beidem. Am Self-Publishing schätze ich, dass ich alles so machen kann, wie ich das möchte. Ich bin für alles verantwortlich, darf aber auch alles selbst entscheiden, und muss keine Kompromisse schließen. Als Nachteil empfinde ich, dass man einen großen Teil des Buchmarkts, den stationären Buchhandel, nur schwer oder gar nicht erreichen kann.

Was fasziniert Dich so an dem Genre Romance? Wer ist Dein Lieblingsautor? Mit welchem Buch begann Deine Leidenschaft für das Genre?

(c) Annie Stone

Ich habe schon viele Genres ausprobiert, aber ich habe ganz wenige Geschichte je beendet. Ich wusste erst nicht, was der Grund ist, aber ich denke, es war die Tatsache, dass ich mein Genre noch nicht gefunden habe. Als ich dann meine erste zeitgenössische Liebesgeschichte geschrieben habe, war ich so gepackt, dass ich nicht mehr aufhören konnte. Es fühlte sich einfach richtig an. Geweckt wurde diese Leidenschaft u.a. von Christina Lauren. „Beautiful Bastard“ hat mich umgehauen, weil es so anders war, als alles, was ich bis dahin gelesen habe. Ich wusste gar nicht, dass Liebesgeschichten lustig und sexy und traurig und so wenig kitschig sein konnten. Ich war sofort Feuer und Flamme.

Wie würdest Du Deine Bücher beschreiben? Was zeichnet sie aus? Worauf legst Du besonderen Wert?

Meine Bücher sind moderne Liebesromane, von dramatisch bis sexy und alles dazwischen. Ich glaube, was sie auszeichnet, ist, dass sich keine zwei Geschichten gleichen. Jede Geschichte ist vollkommen verschieden von den vorherigen, weil ich mich selber langweilen würde, wenn ich immer nur dasselbe schreiben würde. Allerdings haben sie immer Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen, die ein selbstbestimmtes Leben führen und sich nicht unterbuttern lassen. Und das ist tatsächlich auch etwas, auf das ich Wert lege. Ich möchte ein positives und starkes Frauenbild vermitteln. Natürlich können sie auch mal schwach sein oder sie wachsen innerhalb der Geschichte, aber ich finde es wichtig, in meinen Geschichten für Gleichberechtigung und Frauenrechte einzutreten.

Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei Dir aus?

(c) Annie Stone

Es kommt darauf an, ob ich in einer Schreibphase bin oder nicht. Ich würde gerne jeden Tag kontinuierlich an den Geschichten schreiben, aber das gelingt mir nicht, weil ich Druck brauche. Ich brauche das drohende Nahen einer Deadline, um besonders produktiv zu sein. Wenn ich also in einer Schreibphase unter Druck arbeite, dann setze ich mich morgens an den Schreibtisch und arbeite bis nachts, wobei ich vom Schreibtisch zur Couch, von der Couch in den Sessel, vom Sessel an den Esstisch und zurück an den Schreibtisch ziehe. Wenn ich nicht in dieser intensiven Phase bin, dann beantworte ich morgens Mails und Facebook-Nachrichten, poste auf meinen Social-Media-Kanälen. Dann setze ich mich an den Schreibtisch und versuche zu schreiben, aber meist werde ich von Facebook und Co. abgelenkt.

Wie recherchierst Du für Deine Bücher?

Bisher habe ich moderne Liebesromane geschrieben. Die Recherche hat sich daher auf das Angucken von Stadtplänen auf Google Maps und ähnlichem beschränkt. Das Buch, das ich als letztes beendet habe, spielt in den 40er und 50er Jahren, dafür musste ich viel mehr recherchieren, da so viele Dinge anders sind als heutzutage. Ich weiß nicht, wie Autor*innen es früher geschafft haben, aber ich verlasse mich sehr stark auf das Internet. Für dieses Buch hat aber z.B. auch eine Leserin ihre Oma ausgefragt, um für mich zu recherchieren, was für Worte man früher so verwendet hat. Das war so unglaublich großzügig und ich denke, Zeitzeugenberichte geben einer Geschichte noch eine weitere Ebene an Authentizität.

Haben Deine Protagonisten reale Vorbilder?

Nein. Ich gebe zwar allen meinen Protagonistinnen etwas von mir mit und wenn es nur eine Kleinigkeit ist (Josie aus „The Words Unwritten“ hat z.B. meine eigene Reise durch Südamerika ebenfalls unternommen), aber eigentlich sind sie alle erfunden. Ich warne aber alle meine Freunde, dass alles, was sie sagen, in meinen Büchern auftauchen könnte. 😉

Wie entscheidest Du über die Namen Deiner Protagonisten? Historische Vorbilder? Persönliche Vorlieben?

Es sind meist persönliche Vorlieben. Ich mag eher kurze und traditionelle Namen, da scheiden schon mal viele aus. Manchmal lasse ich meine Leser über den Namen von Protagonisten abstimmen, was immer sehr gut ankommt. Aber meist kommt mir die Idee direkt mit den passenden Namen dazu.

Auf welche exotischen Handlungsorte oder Geschichten dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Ich werde in diesem Jahr – hoffentlich! – meine beiden Reihen abschließen. Es kommt also noch eine Cowboygeschichte aus North Carolina und die Geschichte des Big Wave Surfers Evan. Danach werde ich eine neue Reihe starten, auf die ich mich schon sehr freue, weil es um eher ungewöhnliche Frauen geht.

Wirst Du weiterhin im Bereich Romance schreiben oder darf man sich auch auf anderes aus Deiner Feder freuen?

Seit einiger Zeit turnt eine Fantasy-Geschichte in meinem Kopf herum. Mal sehen, wann sie aufgeschrieben werden will. Aber ich bleibe auf jeden Fall dem Genre Romance treu.

Hast Du neben dem Schreiben noch andere Leidenschaften? Wenn ja, welche, und was bedeuten sie für Dich?

(c) Annie Stone

Es gibt eigentlich noch drei weitere Dinge, die ich sehr gerne mache. Das erste ist quasi selbsterklärend, denn das ist lesen. Außerdem fotografiere ich sehr gerne und ich reise viel und mit Enthusiasmus. Da das Schreiben nicht an einen Ort gebunden ist, kann ich das sehr gut verbinden. Ich liebe es, Geschichten zu erzählen, aber ich kann nicht nur schreiben. Andere Hobbys, ins Theater oder ins Kino gehen, mich mit Freunden treffen, jeden Mittwoch mit meiner Mama ins Solebad zu gehen, das sind Dinge, die ich brauche, um Inspirationen zu finden und auch um einfach mal wieder zu atmen.

Welches Buch/welchen Autor aus dem Bereich Romance würdest Du als aktuelle Leseempfehlung geben und warum?

In diesem Jahr habe ich fast nur Fantasy gelesen, daher habe ich keine aktuelle Empfehlung, aber eine, die ich letztes Jahr gelesen habe und die im Juli auf Deutsch erscheint. Das ist „Big Rock“ von Lauren Blakely. Sie ist eine unglaublich witzige Person (ihre Videos sind großartig, vor allem das, in dem sie mit Gemüse die Ausstattung von Männern nachstellt) und ihre Bücher sind lustig und haben ein unglaublich schnelles Tempo, das einem den Atem raubt.

Welche Frage würdest Du Dir selbst gerne stellen?

Das ist eine sehr schwere Frage, und es fällt mir nie etwas dazu ein, weil ich immer alles erzähle, was mir so in den Sinn kommt und daher nie Fragen offen sind. Aber vielleicht, ob ich mir vorstellen könnte, mit meinen Protagonistinnen befreundet zu sein. Und das würde ich mit einem dicken Ja beantworten, obwohl ich vielleicht Angst vor Chrissa aus „Jace – Einspruch abgelehnt!“ hätte.

Welche Frage/n würdest Du gerne an Deine Leser richten?

Wenn ihr euch den perfekten Helden wünschen dürftet, wie würde er sein?