Unser Interview mit Emily Bold

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Emily Bold
(c) Guido Karp

Emily Bold hatte schon von Kindheitstagen an ein Faible für Bibliotheken und Bücher. Und mindestens genauso lange hatte sie schon im Kopf, irgendwann einmal selbst einen Roman zu schreiben. Warum es dann das Genre Romance wurde und was sie daran fasziniert, hat uns die Autorin in einem Interview verraten …

Emily, Du bist eine äußerst erfolgreiche Autorin, die als Self-Publisherin startete und mittlerweile auch Verlagsautorin ist. Möchtest Du unseren Lesern ein bisschen über Deine Anfänge erzählen? Wie kamst Du zum Schreiben?

Ich war schon in meiner Kindheit eine Leserin, die sich die ortansässige Bücherei als Daueraufenthalt auserkoren hatte. Irgendwann hatte ich dann den Gedanken, selbst einen Roman zu schreiben – konnte ja nicht so schwer sein, schließlich hatte ich selbst ja bereits tausende gelesen.

Es dauerte aber noch etliche Jahre, ehe ich meine Idee in die Tat umsetzen konnte, nämlich bis nach der Geburt meiner ersten Tochter. Die Geschichten wollten unbedingt raus aus meinem Kopf und so fing ich an, meinen Debütroman „Gefährliche Intrigen“ zu schreiben. Mein Mann nahm mich zuerst nicht ernst, versprach mir aber, mich zu unterstützen, wenn ich 50 Seiten schreiben würde. Als ich ihm mein Skript wenige Tage später stolz präsentierte, hielt er sein Versprechen und erzählte mir von einer Möglichkeit, seine Bücher bei Amazon als eBook zu verkaufen … am Ende des Jahres war mein Buch unter den Top 10 der beliebtesten eBooks bei amazon.de und der Rest ist ja bekannt 🙂

Was fasziniert Dich so an dem Genre Romance?

Ich bin ein verträumter und romantischer Mensch, und Liebe ist ein Thema, das jeden einzelnen Menschen auf unserem Planeten beschäftigt. Liebe ist überall und sie zeigt sich in den vielfältigsten Facetten und Konstellationen. Jeder Mensch braucht sie auf seine ganz eigene Art und jeder sehnt sich danach. Ich kann mir nichts Spannenderes und Wichtigeres vorstellen, als das Thema Liebe.

Wie würdest Du Deine Bücher beschreiben? Was zeichnet sie aus? Worauf legst Du besonderen Wert?

Meine Bücher sind alle mit viel Herzblut geschrieben – in jedem steckt viel Persönliches. Ich versuche, meine Charaktere glaubhaft und realistisch zu gestalten, mit all ihren kleinen und großen Alltagsproblemen. Oft vereine ich in meinen Büchern Freude und Leid eng miteinander, weil diese auch im echten Leben zusammengehören. Meine Protagonisten müssen meistens hart um sich und ihre Liebe, ihre Beziehung kämpfen – aber fast immer gibt es am Ende meiner Bücher ein Happy End.

War es schwer, einen Verlag für Deine Bücher zu begeistern?

Tatsächlich konnte ich mit meinem Erstlingswerk viele Lektoren begeistern, die meinen Stil, meine Schreibe lobten. Leider aber hielten alle das Genre „Historical Romance“ aus Deutschland für vollkommen unverkäuflich, da es Genre-Größen gab, die den Markt beinahe voll abdeckten. Ich habe es sehr schnell aufgegeben, Verlage für meine Bücher begeistern zu wollen, schließlich kamen damals diverse Plattformen für die Selbstvermarktung von Büchern heraus. Mit meinem Erfolg veränderte sich die Lage und erstmals kamen die Buchverlage auf mich zu. Heute bin ich Hybrid-Autor, arbeite also sowohl als Self-Publisher als auch als Verlagsautorin und bin damit sehr zufrieden.

Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei Dir aus?

Nach dem Frühstück geht es für meine beiden Mädchen in die Schule und in den Kindergarten, anschließend gehe ich in mein Büro. Hier starte ich mit der Beantwortung meiner Emails und schaue kurz bei Facebook & Co. vorbei. Dann beginne ich mit meinem Arbeitspensum für den Tag. Früher habe ich oft regelrecht bis zur Erschöpfung geschrieben, heute lege ich mir ein Tagespensum fest, welches ich schaffen möchte. Wenn ich dieses erreicht habe, lese und überarbeite ich den Text nochmal – dann ist für den Rest des Tages Familienzeit. Ab und zu schreibe ich auch abends, wenn ein Gedanke noch unbedingt aus meinem Kopf will.

Wie recherchierst Du für Deine Bücher?

Das kommt darauf an: je nach Thematik recherchiere ich im Web, in Reiseführern, mittels Filmen / Dokumentationen oder sehr gerne natürlich auch vor Ort. Für meinen neuen Titel „Der Duft von Pinienkernen“, der im Herbst bei Ullstein erscheinen wird, habe ich viel gekocht und mich auch „bekochen“ lassen …

Haben Deine Protagonisten reale Vorbilder?

Manchmal. Ich stelle mir als Hilfe oft Schauspieler vor, die eine bestimmte Rolle gespielt haben. Diese fiktive Person forme ich auf meine für das Buch gedachte Rolle um.

Wie entscheidest Du über die Namen Deiner Protagonisten? Historische Vorbilder? Persönliche Vorlieben?

Eine Mischung aus allem, vermute ich. Ich finde, der Name muss zur Person passen – oft steht der Charakter meiner Person mit all seinen Ecken und Kanten fest, nur der Name passt noch nicht. An der Namenssuche hänge ich oft mal fest. Bei meiner Jugendbuchreihe „The Curse“ haben fast alle Namen eine Bedeutung, die den Charakter der Person trifft.

Auf welche exotischen Handlungsorte oder Geschichten dürfen wir uns in Zukunft freuen?

In naher Zukunft geht es für meine Leser auf einen Roadtrip durch Italien, gefolgt von einer phantastischen Reise nach London – in einer neuen Jugendbuchserie. Gerne würde ich auch mal wieder einen literarischen Ausflug nach Schottland machen.

Wirst Du weiterhin im Bereich Romance schreiben oder darf man sich auch auf anderes aus Deiner Feder freuen?

Ich denke, vorerst werde ich dem Romance-Genre treu bleiben, obwohl ich bereits seit langem auch einen Thriller-Plot im Kopf hätte. Im Frühjahr 2018 erscheint der erste Teil einer neuen Jugendbuchreihe in Genre Urban Fantasy, die aber natürlich auch eine Liebesgeschichte enthalten wird.

Welche Bücher liest Du in Deiner Freizeit? Welches im Moment?

In meiner (knappen) Freizeit lese ich momentan einen wilden Mix aus Liebesromanen, Thrillern und historischen Romanen.
Aktuell lese ich als Vorbereitung für meinen Schottland-Urlaub einen sehr unterhaltsamen Reisebericht 😉

Welches Buch/welchen Autor aus dem Bereich Romance würdest Du als aktuelle Leseempfehlung geben und warum?

Gerade hat mich „Sommer in St. Ives“ von Anne Sanders gut unterhalten. Ich mag es zurzeit sehr gerne, wenn ich in einem Roman die Geschichten mehrerer Generationen erfahre. Das gibt einem Roman meiner Meinung nach eine schöne Fülle.

Welche Frage/n würdest Du gerne an Deine Leser richten?

Es ist keine einzelne Frage, die ich meinen Lesern stellen würde. Ich würde gerne von jedem von ihnen in einem Gespräch bei einer Tasse Kaffee erfahren, welche Orte, welche Worte, welche Düfte bei ihnen Wohlgefallen auslösen, welche Sehnsüchte sie mit sich herumtragen, ohne je darüber zu reden, und was es ist, das ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Denn diese Zutaten zusammengenommen, würden sicher einen Roman ergeben, der ans Herz geht und rundherum glücklich macht.