Unser Interview mit Jennifer Wellen

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(c) Jennifer Wellen

„Anti-Romanti-Jenni“ – das ist der Kosename, den Jennifer Wellen oft von ihrem Freund zu hören bekommt. Und das, obwohl sie überwiegend Liebesromane schreibt. Was es damit auf sich hat, warum die Autorin ein richtiges „Ruhrpott-Kind“ ist und was die Schattenseiten des modernen Autoren-Daseins sind, hat sie uns im Interview verraten.

Wer ist Jennifer Wellen, und wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Das war circa 2008/2009. Ich habe zu Hause gesessen und gedacht, wie schön es wäre, von zu Hause aus zu arbeiten. Da kam mir wieder in den Sinn, dass ich mit 13 ja schon mal versucht hatte, ein Buch zu schreiben. Was aber aufgrund verschiedener Umstände (z.B. meine unleserliche Handschrift) im Sande verlaufen war. Doch der Gedanke, mal ein Buch zu schreiben, hat mich in den Jahren nie losgelassen. Wie wäre es also mit Autor? Und so habe mich dann 08/09 wieder damit beschäftigt und recherchiert, wie ich das „Autor werden“ umsetzen kann. Dabei bin ich auf Sandra Uschtrins Seite gestoßen. Sie beschreibt, dass der erste Schritt auch über Kurzgeschichtenwettbewerbe gegangen werden kann. Meine erste Kurzgeschichte Olliphone hat dann gewonnen und ist vertont worden. Dies war genug Motivation für mich, dran zu bleiben. Mittlerweile habe ich ein recht anständiges Portfolio.

Du schreibst Liebesromane. Was fasziniert Dich so an dem Genre, warum gerade dieses Genre?

Wahrscheinlich, weil ich es selber gerne lese und in Liebesdingen eine totale Niete bin. Ich bin 43 und unverheiratet, das sagt doch schon alles. Deswegen schreibe ich eben gerne Liebesgeschichten. Es ist schön, sich vorzustellen, dass es tatsächlich den Einen oder die Eine gibt, mit dem/der ein Mensch ein ganzes Leben verbringen kann.

Wie würdest Du Deine Bücher beschreiben? Was zeichnet sie aus? Worauf legst Du besonderen Wert?

Oh! An sich bin ich weniger romantisch. Also wer Geschichten mit Schnulzenfaktor a la Nicolas Sparks erwartet, ist bei mir falsch. Mein Freund nennt mich nicht umsonst Anti-Romanti-Jenni. Ich bin eher der humorvolle Mensch, der gerne lacht (leider tue ich es derzeit viel zu selten!). Deswegen wird bei meinen Geschichten eher mal laut aufgelacht. Katerfrühstück mit Aussicht, mein Debütroman, bringt selbst mich noch zum Lachen.

Wenn Du Dich beschreibst, erwähnst Du Deine Heimat, den Ruhrpott, sehr gerne. Wie hat Dich Deine Heimat beeinflusst? Wie beeinflusst sie Deine Bücher?

Na, ich bin im Pott geboren und aufgewachsen. Also verständlich, dass mich das auch in meinen Projekten beeinflusst. Einige meiner Bücher spielen in Essen. Katerfrühstück zum Beispiel enthält einiges an Lokalkolorit von Frohnhausen und Katernberg (wo ich auch eine Zeit lang gewohnt habe). Liebe ist wie eine Goodie Bag spielt sowohl in Rüttenscheid, also auch in Düsseldorf. Die Sternschnuppenwünsche überwiegend in Düsseldorf, obwohl hier auch der Duisburger Zoo erwähnt wird. Mein neues Projekt findet auch wieder seine Heimat in Essen und zwar in der Eishalle Essen-West, wo ich früher als Kind mein Eiskunstlauf-Training absolviert habe. Ich finde, die Leute merken es, wenn ein Autor sich dort auskennt. Und warum muss ein Roman denn immer in New York oder London spielen? Der Pott tut‘s doch auch.

Kannst Du uns schon etwas zu Deinem neuen Buch verraten?

Wie gesagt, es ist eine Geschichte über ein Eissternchen, die im Pott ihre Familie besucht. Natürlich kommt es zu Problemen. Sie bricht sich das Wadenbein und kann vorübergehend nicht Eislaufen. Somit wird die Eishalle in Essen-West ihre zweite Heimat, wo sie natürlich jemanden kennenlernt. Wen genau sie kennenlernt, wird aber nicht verraten. Das müsst ihr dann selbst lesen. Ich hoffe, dass die Geschichte bis zur LBM 18 fertig wird.

Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei Dir aus?

Mein Wecker schellt um halb fünf. Dann stehe ich auf, schleife den todmüden Hund einmal rund um den Block und während der sich anschließend zum Pennen neben mich auf die Couch haut, schnappe ich mir meinen ersten Kaffee sowie den Laptop und schreibe. Bis ca. halb sieben. Dann wecke ich das Kind, mache mich und Lia für Schule und Arbeit fertig. Karre den Hund zu meinen Eltern, das Kind in die Schule, fahre zur Arbeit und unterrichte meine Schüler. Nachmittags dasselbe zurück. Kind und Hund abholen, nach Hause fahren. Dort den üblichen Kram wie Wäsche waschen, putzen, Hausaufgaben machen, bis das Kind im Bettchen liegt und ich vielleicht noch mal was schreiben, lesen oder einfach nur in Tiefschlaf fallen kann.

Was inspiriert Dich für Deine Geschichten?

Alles! Situationen, Zeitungsartikel, Erzählungen von Freunden. Wenn ich meine Gedanken freilassen kann und noch ein Stichwort hinzukommt, sind oft plötzlich Ideen in meinem Kopf, die ich umsetzen muss.

Wie recherchierst Du für Deine Bücher?

Überwiegend über das Internet. Oder ich bestelle mir Fachliteratur. Manchmal rede ich auch mit Leuten, die sich damit auskennen. Bislang hat das immer völlig ausgereicht, denn ich schreibe ja nur seichte Liebesromane und keine Ken Follet Familiensaga.

Haben Deine Protagonisten reale Vorbilder?

Sagen wir so, ich nehme immer interessante Eigenschaften von realen Vorbildern und mixe sie zu einer neuen Person zusammen. Aber oft sind viele Sachen auch rein fiktiv, so wie die Zählmanie von Marie aus Katerfrühstück oder der Esoterikwahn von Padmaja in Sternschnuppenwünsche.

Wie entscheidest Du über die Namen Deiner Protagonisten? (Historische) Vorbilder? Persönliche Vorlieben?

Ich scrolle Namenslisten rauf und runter. Was auch immer ein Garant auf gute Namen ist, sind Abspanne von Filmen oder eben Leute, die ich neu kennenlerne. Ich schreibe mir die interessanten Namen auf und verwende sie, wenn sie mir passend zum Charakter erscheinen. Als Beispiel den Namen Catlin, meiner Protagonistin in Lost in Pain. Sie hat ihren Namen von einer Bekannten namens Catalin, den ich dann aber noch etwas abgewandelt hatte, weil ich da respektvoll sein und der Bekannten dennoch ihren besonderen Namen lassen wollte. Männernamen finde ich ziemlich schwer. Da gibt es nicht so viele besondere und vor allem schöne Namen. Den Namen Leander habe ich bei der Goodie Bag verwendet. Sie heißt Zara, das fand ich dann wiederum eine witzige Kombination, die der Verlag zum Glück auch so gelassen hat.

Auf welche exotischen Handlungsorte oder Geschichten dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Also die Sternschnuppenwünsche spielen zum Teil in Australien. Im Örtchen Eden, um genau zu sein. Mein nächstes Projekt, das bereits fertig und verkauft ist, ist eine Aschenputtelstory. Die spielt in New York und London. Die Eisprinzessin, die noch nicht ganz fertig ist, wird wieder viel Lokalkolorit von Essen enthalten, insbesondere von der Eishalle in Essen-West. Ich folge da, ehrlich gesagt, keinem Schema. Der Ort muss eben einfach zur Geschichte passen.

Hast Du ein Guilty Pleasure, das Du mit uns teilen möchtest?

Erst mal habe ich „Guilty Pleasure“ googlen müssen, wusste gar nicht, was das ist. Aber dazu fällt mir, auch wenn ich jetzt weiß, was das ist, nichts ein. Hmmm. Vielleicht Süßigkeiten? Jeder weiß, wie ungesund die sind, insbesondere ich, die im Gesundheitswesen arbeitet. Aber lassen kann ich es trotzdem nicht. Ich liebe Stapelchips und Peanut-Caramel-Schokolade und Weingummi und Lakritze und McSunday Caramel und …

Welche Bücher liest Du in Deiner Freizeit? Welches im Moment?

Gerade habe ich den ersten Teil Gone von Michael Grant gelesen. Da würde ich mir gerne den nächsten Band zu Gemüte führen. Grundsätzlich lese ich aber leider aufgrund meiner mangelnden Zeit viel zu wenig. Die Genres sind dann aber bevorzugt Liebe, Horror und Mystisches. Ich habe seit Kurzem einen Bibliotheksausweis und gehe mit meiner Tochter oft in die Bücherei. Sie hat in den Ferien über zwanzig Pferdebücher lesetechnisch geschreddert. Letztens habe ich mir Der letzte Engel von Zoran Dvrenkar ausgeliehen. Jetzt steht der zweite Teil auf meiner Liste, weil ich unbedingt wissen will, wie es dort weitergeht. Außerdem habe ich, wie jeder Bücherfan, zu Hause einen SUB. Und einen SUB auf dem Kindle. Und zur Weihnachtszeit schreibe ich mal nicht, sondern lese.

Welches Buch/welchen Autor aus dem Bereich Romance würdest Du als aktuelle Leseempfehlung geben und warum?

Oh, das ist schwierig. Weil es so viele schöne Bücher gibt. Wen ich halt sehr gerne lese, ist Jojo Moyes. Ein ganzes halbes Jahr ist unangefochten mein Lieblingsbuch. Petra Hülsmann ist neben Kerstin Gier einer meiner deutschen Lieblingsautorinnen. Ihr Buch Das Leben fällt, wohin es will ist definitiv ein Buch, das ich 2017 in einem Rutsch durchgelesen und für Spitze befunden habe. Also hier wäre sie meine klare Leseempfehlung.

Welche Frage würdest Du Dir selbst gerne stellen?

Wie es in Zukunft weitergeht zum Beispiel. Ob ich irgendwann mal die Lust am Schreiben verliere oder vielleicht wirklich von zu Hause aus arbeiten kann. Ob mal ein Buch von mir verfilmt wird. Das sind alles Fragen, die ich mir tagtäglich stelle, nur leider noch keine Antworten darauf habe.

Welche Frage/n würdest Du gerne an Deine Leser richten?

Warum so viele Leute, die gerne lesen, eBooks klauen und es noch in Ordnung finden. Wir Autoren werden ohnehin kaum bezahlt für die Menge an Arbeit, die wir mit einem Projekt haben, sodass uns viele Tantiemen durch Piraterie zusätzlich durch die Lappen gehen, deswegen können viele Autoren eben nicht mehr vom Schreiben leben. Außerdem würde ich gerne fragen, was wir Autoren tun können, damit Leser, die unsere Bücher toll finden, auch eine Rezension schreiben. Feedback von Lesern ist uns enorm wichtig, denn wir schreiben ja für sie.

Der Schriftstellerhund, Foto: Jennifer Wellen