Unser Interview mit K. J. Charles

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(c) (c) K. J. Charles

Aus dem Gay Romance Genre ist sie nicht mehr wegzudenken: K. J. Charles! Die aus England stammende Bestseller-Autorin hat uns im Interview erzählt, was sie so sehr an dieser Nische im Romance-Bereich fasziniert. Außerdem hat uns die Autorin verraten, welches ihrer Bücher für einen ganz bestimmten Preis nominiert ist … Lest rein, es lohnt sich!

 

Wer ist K. J. Charles und wie bist Du Schriftstellerin geworden?

Ich bin eine Frau in den Vierzigern, lebe im Norden Londons, habe einen Mann, zwei Kinder und eine Katze. Ich habe als Redakteurin in London gearbeitet und ca. zwanzig Jahre lang Artikel geschrieben. In meinen Zwanzigern habe ich ein paar Romane geschrieben, die aber niemals veröffentlicht wurden. Eine Zeit lang habe ich das Schreiben regelrecht vergessen und mich auf meine Karriere konzentriert und Kinder bekommen.

Dann kam mir die Idee für eine Geschichte von einem Mann, der von Elstern gejagt wurde – und die ließ mich einfach nicht mehr los. Daraus wurde „The Magpie Lord“, mein erstes Buch, das veröffentlicht wurde. Danach lief es einfach weiter. Ich ging aufs Ganze. Nach ein paar Jahren kündigte ich schließlich meinen Job und arbeite seither als Vollzeit-Schriftstellerin.

Du schreibst Gay Romance. Was ist so faszinierend an diesem Subgenre im Vergleich zu historischen oder zeitgenössischen Liebesromanen?

Gay Romance ist kein Subgenre wie zum Beispiel der historische Liebesroman, weil man Menschen nicht in Kategorien einteilt. Ich schreibe Geschichten in unterschiedlichen Genres, wie georgianisch, herrschaftlich, viktorianisch, edwardianisch, 1920iger oder paranormal, mit homosexuellen Charakteren, weil es homosexuelle Menschen gibt und auch schon immer gab. Ich schreibe vielseitig, weil ich in einer vielseitigen Welt lebe und vielseitige Geschichten gelesen habe – das ist alles.

Was inspiriert Dich beim Schreiben?

Fast alles. Ein Kinderlied über Elstern hat mich zu einem fünfbändigen Roman inspiriert. Die Idee für „Spectred Isle“, meinem für den RITA-Award nominierten Sci-Fi, bekam ich durch eine komische Kritik auf Amazon.

Die ganze komplexe „Society of Gentlemen“-Trilogie kam mir durch eine Reihe von Namen, die ich grundlos in eine Kurzgeschichte verpackt hatte. Inspiration ist wirklich eine witzige Sache!

Sind die Charaktere Deiner Protagonisten an reale Menschen angelehnt? Kannst Du Beispiele nennen?

Die meisten lehnen nicht an Individuen an, würde ich sagen. Silas, der radikale Buchverkäufer und Pamphletist in „A Seditious Affair“, ist ein fundierter Charakter seiner Zeit. Es gab viele Menschen, die wie er gegen die Regierung waren und sich für Reformen einsetzten. Der Charakter, der noch am ehesten an eine reale Person angelehnt ist, ist Martin St. Vincent in „Wanted, a Gentleman“: Ein befreiter Sklave, der mit seinen früheren „Besitzern“ im Frieden auseinandergeht, während er sich ein eigenes Leben aufbaut.

Ich wollte diese Geschichte schreiben, nachdem ich von Cesar Picton hörte, einem echten schwarzen Engländer, der sehr erfolgreich wurde und offenbar viele freundschaftliche Geschäfte mit der Familie abgeschlossen hatte, die ihn einst als Sklave hielt. Martin entspricht nicht Picton, da wir nicht wissen können, wie Picton sich bezüglich der Familie fühlte, aber ich verwendete ein Verhältnis dieser Art am Anfang meiner Geschichte.

Wie kam es zu den Namen Deiner Protagonisten? Historische Anlehnungen? Persönliche Vorlieben?

Alles Mögliche. Der Name Justin Lazarus schwirrte seit Jahren in meinem Kopf herum, bis ein Charakter entstand, der diesen Namen verdiente (in „An Unnatural Vice“). Manche Namen fühlen sich einfach richtig an. Ich lese Geschichtsbücher, um ein Gespür dafür zu bekommen, was sich richtig anhört.

Eines Sommers erfand ich Rowley Green in „An Unseen Attraction“. Ich hatte keinen speziellen Grund dafür, aber es ist ein guter viktorianischer Name der gehobenen Arbeiterklasse, aber ich war total zufrieden mit meinem Ideenreichtum. Bis ich im nächsten Jahr, als ich die Kinder in das Sommerlager fuhr, in das sie auch im vergangenen Jahr waren, sah, dass wir auf der Rowley Green Road fuhren. Na gut.

Wer war der Held/die Heldin, über den/die Du am liebsten geschrieben hast? Bei welchem Paar war es am „schwersten“ – und warum? Übernahmen sie die ganze Geschichte oder etwas Ähnliches?

Mir gefallen vor allem die Paare, die sich viel über Prinzipien streiten. Dom und Silas in „A Seditious Affair“, Justin und Nathaniel in „An Unnatural Vice“. Diese Passagen schreibe ich richtig gerne. Dann wiederum mochte ich Clem und Rowley in „An Unseen Attraction“, weil sie gut zueinander waren und das war besänftigend. Im Allgemeinen – wenn es schwer ist, über ein Paar zu schreiben – dann, weil ich einen Fehler in der Handlung oder zwischen den Charakteren eingebaut habe.

Welches Buch liest Du momentan? Wer ist Dein Lieblingsautor (aktuell oder allgemein)?

Meine aktuellen Lieblingsautoren sind die zwei zeitgenössischen Autoren Mina V. Esguerra („Chic Manila“-Bände) und Talia Hibbert (z.B. „A Girl Like Her“). Ich verschlinge all ihre Werke. Ich liebe die Bücher von Alexis Hall. Ich fange gerade an mit „The Covert Captain“, einem Roman von Jeannelle M Ferreira.

Welche Qualitäten muss ein Romanheld haben, um Dein Herz zu erobern?

Gutmütigkeit. Wir leben in schwierigen Zeiten. Gutmütigkeit und Nächstenliebe sind in jeglicher Hinsicht gut bei den Charakteren und für mich unabdingbar für ein gutes Buch. Ich bin nicht mehr für irgendeinen Alphatier-Nonsens zu haben!

(c) K. J. Charles