Unser Interview mit Katrin Koppold

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Katrin Koppold – eine Autorin, so vielseitig wie ein Buch selbst. Was ihre Geschichten ausmacht? Die ganz spezielle Mischung aus berührenden und humorvollen Momenten –  perfekt verbunden in einem Liebesroman. Warum sich Katrin Koppold gerade für dieses Genre entschieden hat und vom Hype um Erotikromane so gar nichts hält, hat sie uns im Interview verraten.

 

Wer ist Katrin Koppold, und wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Geschrieben habe ich schon immer. Aber während des Studiums geriet der Traum vom eigenen Buch in Vergessenheit. Erst nach der Geburt meines jüngsten Kindes erinnerte ich mich wieder daran. Als mein Sohn fünf Monate alt war, waren mein Mann und ich auf einer Hochzeit eingeladen. Die Braut wünschte sich, dass alle Gäste zusammen an einer Reizwortgeschichte schrieben, die unter anderem das Wort „Buddelschiff“ beinhaltete. Keiner hatte Lust dazu, ich aber schrieb mit Feuereifer – und ich merkte, wie unglaublich viel Spaß es mir machte.
Kurz darauf lag ich krank im Bett und las an einem Tag „Moor des Vergessens“ von Val McDermitt. Der Roman beeindruckte mich dermaßen, dass ich am ersten Tag meiner Genesung sofort zu meinen Eltern lief und verkündete: „Ich schreibe jetzt auch ein Buch. Und das ist mein Mordopfer.“ (In diesem Augenblick lief gerade die Postbotin an unserem Haus vorbei.) Natürlich wurde ich eine ganze Zeitlang sehr belächelt. Aber ich habe es allen Zweiflern gezeigt. Und das Buch mit der ermordeten Postbotin ist unter dem Titel „Hochzeitsküsse und Pistolen“ tatsächlich zwei Jahre später erschienen.

Du schreibst Liebesromane? Was fasziniert Dich so an dem Genre, warum gerade dieses Genre?

Ich mag es, durch meine Geschichten den Zauber des ersten Verliebtseins immer wieder erleben zu dürfen.

Du schreibst auch als Katharina Herzog im selben Genre. Warum zwei Pseudonyme? Kommen sich Katrin und Katharina gelegentlich in die Quere, oder ist es ein friedliches Miteinander ohne Überschneidungen?

Katharina schreibt für Verlage, Katrin veröffentlicht selbst. Mein Verlag und ich kamen zu der Ansicht, dass es besser ist, diese beiden Bereiche zu trennen. Und in die Quere kommen diese Pseudonyme sich gar nicht, da ich nie zeitgleich zu einer Verlagsveröffentlichung ein SP-Buch herausbringen würde.

Wie würdest Du Deine Bücher beschreiben? Was zeichnet sie aus? Worauf legst Du besonderen Wert?

Das ist als Autor immer schwer zu sagen. Mir wird immer wieder nachgesagt, dass es die Mischung zwischen lustigen und berührenden Szenen ist, die meine Bücher von der Masse abheben. Tatsächlich veröffentliche ich eine Geschichte immer erst dann, wenn ich von ganzem Herzen mitlachen oder auch -leiden kann.

Was kannst Du uns über Dein aktuelles Buch erzählen?

Mein aktuelles Buch heißt „Zwischen dir und mir das Meer“ und es wird im Mai 2018 bei Rowohlt Polaris erscheinen. Darin spielt Lena die Hauptrolle, die Leser von mir schon in „Immer wieder im Sommer“ kennenlernen durften. In der Geschichte macht sich Lena auf an die Amalfiküste, um etwas über die geheimnisvolle Vergangenheit ihrer Mutter herauszufinden, die vor Jahren zum Schwimmen ins Meer ging und nie wiederkam. Und sie möchte einen höchst attraktiven Italiener namens Marco wiedersehen. Zum ersten Mal erzähle ich hier auf zwei verschiedenen Zeitebenen: aus der Sicht von Lena und aus der Sicht von ihrer Mutter, durch die der Leser erfährt, wie es dazu kam, dass sie vor Jahren den Kontakt nach Italien vollkommen abgebrochen hat. Lenas Perspektive nimmt aber einen weitaus größeren Raum ein.

Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei Dir aus?

Ich stehe um halb sechs aus, mache Yoga, bereite meiner Familie das Frühstück vor, dann räume ich noch ein bisschen auf und radle um halb neun in das Tagesbüro, in dem ich mir einen Platz gemietet habe. Dort koche ich mir immer zuerst einen Kanne Tee, ich mache eine Duftlampe an und dann lege ich los bis etwa zwei Uhr. Der Nachmittag und der Abend gehören meiner Familie, genau wie die meisten Wochenenden.

Was inspiriert Dich für Deine Geschichten?

Fast immer sind es Dinge, die wirklich passiert sind, oder Menschen, über die ich lese/die mir begegnet sind. Bei „Zwischen dir und mir das Meer“ war es zum Beispiel ein Zeitungsartikel über eine Frau, die Schmuck aus Meerglas macht – so wie Lena jetzt. Ich habe mich gefragt, was einen dazu bringt, diesem Hobby nachzugehen und schon setzte mein Kopfkino ein.

Wie recherchierst Du für Deine Bücher?

Ich lese unheimlich viel im Internet, befrage Personen, und ich fliege/fahre zu den Schauplätzen. Morgen geht es zum Beispiel nach Island, was schon lange mein großer Traum war. Mein Jugendroman, der 2019 bei Loewe erscheinen wird, spielt dort.

Haben Deine Protagonisten reale Vorbilder?

Nein, nie 1:1, das fände ich sehr seltsam, aber gewisse Eigenschaften verarbeite ich schon.

Wie entscheidest Du über die Namen Deiner Protagonisten? (Historische) Vorbilder? Persönliche Vorlieben?

Es sind immer persönliche Vorlieben. Komischerweise kann ich eine Geschichte nicht schreiben, wenn der Name nicht stimmt. Lena sollte zuerst Jana heißen. Das hat einfach nicht funktioniert. Ich habe keinen Zugang zu ihr bekommen, es war für mich keine Jana. Dabei sind die Namen sich so ähnlich! Verrückt!

Auf welche exotischen Handlungsorte oder Geschichten dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Ich habe mir gerade gestern erst überlegt, dass ich gerne mal einen Liebesroman auf der Blumeninsel Madeira spielen lassen würde und nach Usedom soll es noch gehen.

Wie weit würdest Du für Deinen Traummann gehen?

Ich würde schon einiges für ihn tun, aber ich würde mich nie für jemanden verbiegen. Für mich ist es Liebe, wenn man den anderen – abgesehen von vielleicht ein paar Modifikationen 😉 – annimmt, wie er ist.

Hast Du ein Guilty Pleasure, das Du uns verraten möchtest?

Ich bin süchtig nach Gummibärchen. Früher habe ich die meinen Kindern sogar heimlich weggegessen. Jetzt sind sie vorsichtiger geworden. Wenn meine Mutter ihnen Süßigkeiten schickt, schreibt sie immer dazu: Passt auf, dass eure Mama sie nicht in die Finger bekommt!

Welche Bücher liest Du in Deiner Freizeit? Welches im Moment?

Im Moment lese ich zur Einstimmung auf den Islandurlaub „Das letzte Ritual“ von einer isländischen Krimiautorin, deren Namen ich mir einfach nicht merken kann. Ich nehme an, das wird mir in Island öfter so gehen. In Sachen Namen war ich noch nie gut. Krimis lese ich sowieso gerne, genau wie Jugendbücher oder Liebesromane. Horror, Erotik und Science Fiction mag ich dagegen gar nicht.

Welches Buch/welchen Autor aus dem Bereich Romance würdest Du als aktuelle Leseempfehlung geben und warum?

So sehr geweint habe ich bei den letzten Seiten von „Irgendwo im Glück“ von Anna McPartlin. Da ich im Zug saß, musste ich sogar auf die Toilette gehen. Ein sehr berührendes, ungewöhnliches Buch, das mich sehr beeindruckt hat.

Welche Frage würdest Du Dir selbst gerne stellen?

Was macht für dich den Sinn des Lebens aus? Diese Frage stelle ich mir in regelmäßigen Abständen immer wieder, und nach den Antworten, die ich bekomme, versuche ich zu leben.

Welche Frage/n würdest Du gerne an Deine Leser richten?

Was findet ihr an erotischen Romanen in der Endlosschleife so faszinierend? Dass man mal ein oder zwei liest, kann ich natürlich schon verstehen, aber es gibt so viele Leserinnen, die gar nichts anderes lesen. Für mich sind die Geschichten total austauschbar, von daher fände ich die Antwort auf diese Frage echt interessant.