Unser Interview mit Michael Meisheit alias Vanessa Mansini

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(c) Michael Meisheit

Wie? Vanessa Mansini ist keine Frau? Ja, da habt ihr richtig gehört! Hinter der Autorin, die so gerne mit Fiktion und Realität spiet und ihre Geschichten mit einer großen Portion Liebe würzt, verbirgt sich nämlich ein Mann. Wer genau das ist und warum er unter weiblichem Pseudonym schreibt, haben wir in unserem Interview für euch herausgefunden …

Wer ist Michael Meisheit, und wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Ich bin seit zwanzig Jahren Drehbuchautor und seit fünf Jahren schreibe ich zusätzlich Romane. Zusammengefasst: Ich erzähle gerne Geschichten. Das habe ich auch schon als Kind getan – mir selbst. Als Jugendlicher in Form vom ausgedachten Fantasy-Rollenspielen. Irgendwie war alles andere dann nur folgerichtig.

Du gehst sehr offen mit Deinem Pseudonym Vanessa Mansini um. Bringt es wirklich Vorteile, einen weiblichen „Künstlernamen“ im Bereich Romance zu haben?

Auf jeden Fall. Das erste Interesse für ein Buch wird gerade online nur durch Cover, Titel und Autorenname geweckt. Wenn das irgendwie nicht zusammenpasst, dann schauen sich viele das Buch nicht einmal an. Dabei geht es nicht nur um einen Frauennamen, sondern auch um einen wohlklingenden. Solch einen haben sich übrigens auch mindestens die Hälfte meiner Romance-Kolleginnen zugelegt.

Als Vanessa schreibst Du im Bereich Liebesromane. Was fasziniert Dich so an dem Genre?

Wen fasziniert Liebe nicht? Ich erzähle gerne Geschichten mit großen Emotionen. Wo kann man das besser, als in der Liebe? Außerdem mag ich Humor, der bei dieser Art von Geschichten immer gut aufgehoben ist.

Wie würdest Du Deine Bücher beschreiben? Was zeichnet sie aus? Worauf legst Du besonderen Wert?

Es sind im Kern Liebesgeschichten, ja. Aber Vanessa Mansini macht neben dem Humor auch immer der Faktor X aus. Eine ungewöhnliche Ausgangssituation. Das berühmte: Was wäre wenn? Beispielsweise ein Traummann, der behauptet von einem anderen Stern zu kommen. Eine Frau, die ihre Erinnerungen verliert und ihren Mann daraufhin furchtbar findet. Eine Frau, die zwanzig Jahre im Koma lag und nun onlinedaten soll.

War es schwer, als Self-Publisher anzufangen? Oder war es von vornherein Dein Plan, unabhängig zu bleiben?

Anzufangen ist denkbar leicht. Man kann ein Buch ja einfach so bei den entsprechenden Anbietern hochladen. Leute darauf aufmerksam zu machen, ist deutlich schwieriger. Das ging beim ersten Mal bei mir auch schief. Aber dadurch habe ich so viel gelernt, dass das zweite Buch (diesmal als Vanessa Mansini) ein Bestseller wurde. Wobei dafür natürlich auch eine Menge Glück nötig war. Unabhängig zu sein, war dabei nicht nur der Plan, sondern überhaupt der Grund, warum ich Self-Publisher geworden bin. Ich liebe diese Freiheit.

Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei Dir aus?

So viel Zeit ohne Kinder im Haus nutzen, wie es nur eben geht. Sobald sie in der Schule beziehungsweise im Kindergarten sind, setze ich mich an den Schreibtisch, versuche Facebook und Co. zu ignorieren (klappt nicht immer) und arbeite dann bis zum Nachmittag, wenn die Kids wieder eintrudeln. Ist dann nicht gerade Fußballtraining oder Ballett angesagt, mache ich eher „leichte“ Arbeiten wie Social Media oder Korrekturen. Abends oder am Wochenende arbeite ich nur, wenn es gar nicht anders geht.

Wie recherchierst Du für Deine Bücher?

Meine Geschichten finden immer sehr nah an meinem realen Leben statt. Die Figuren leben in meinem Haus in Berlin-Kreuzberg, sie haben Berufe, die ich zumindest aus der Betrachtung bei Freunden kenne und sie haben Kinder, die immer genauso alt sind wie meine. Mein Leben ist die Recherche. Bei spezielleren Themen wie Amnesie oder Koma tauche ich aber natürlich ganz tief ins Internet ein oder kontaktiere schon auch mal Experten.

Haben Deine Protagonisten reale Vorbilder?

Es gibt nie eine Figur, die eins zu eins einem realen Vorbild entspricht. Aber Charakterzüge, Marotten, kleine Erlebnisse klaue ich schon gerne von mir selbst oder aus meinem Umfeld.

Wie entscheidest Du über die Namen Deiner Protagonisten?

Vornamen suche ich mir meistens aus entsprechenden Listen der Geburtsjahre im Internet. Außer bei besonderen Protagonisten wie meinen Hauptfiguren Trixi oder Hermine. Das läuft nach langem Überlegen im Zusammenspiel mit der Geschichte. Nachnamen stammen schon mal gerne von Briefen, die zufällig auf meinem Schreibtisch liegen. Kann also sein, dass irgendwer wie ein Geschäftsführer der Telekom heißt.

Auf welche besonderen Handlungsorte oder Geschichten dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Auch meine Handlungsorte sind meistens welche, an denen ich selbst war und wo ich mich auskenne. Deswegen spielen die Geschichten in der Regel in Berlin. Oder eben dort, wo ich hinreise. Dieses Jahr stehen als Reisen bei mir noch Rhodos und Südfrankreich an – also vielleicht …

Wirst Du weiterhin im Bereich Romance schreiben oder darf man sich auch auf anderes aus Deiner Feder freuen?

Romance geht sicher weiter. Aber in der Tat reizen mich auch Experimente mit anderen Genres. Es gibt eine tolle Urban-Fantasy-Idee, die natürlich auch viel mit Liebe zu tun hat. Und irgendwann möchte ich unbedingt mal meine Thriller-Ideen zu Papier bringen.

Welche Bücher liest Du in Deiner Freizeit? Welches im Moment?

Da ich selbst aus der Fernsehwelt stamme und es zur Zeit unfassbar viele gute neue Serien besonders bei Netflix und Amazon gibt, verbringe ich die raren Stunden ohne Arbeit oder Familie eher vor dem Fernseher. Ich habe fast das Gefühl, ich schreibe mehr, als ich lese. Die letzte Lektüre waren hingegen Libretti von bekannten Opern, denn ich arbeite derzeit an meinem ersten eigenen Libretto.

Welche Frage würdest Du Dir selbst gerne stellen?

Ein Libretto? Du schreibst eine Oper??? … Ja, cool, nicht wahr? Hätte ich auch nicht gedacht, weil ich eigentlich eher unmusikalisch bin. Aber ich wurde gefragt, ein französisches Theaterstück aus den Fünfzigerjahren für eine Oper umzuschreiben und stürze mich gerade mit Freude in diese Aufgabe und die doch eher unbekannte Welt. Komponiert werden muss dann aber auch noch – Gott sei Dank nicht von mir – sodass es leider noch Jahre dauern kann, bis man die Oper mal sehen und hören kann. Da hat man es mit Romanen schon leichter. Die kommen raus, wenn sie fertig sind.

Welche Frage/n würdest Du gerne an Deine Leser richten?

Eine Frage treibt mich heute besonders um, weil meine Tochter (mehr oder weniger) krank zuhause ist und neben mir auf dem Sofa liegend singt. Die Frage wäre: Willst Du einen Schneemann bauen?