Unser Interview mit Michelle Willingham

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(c) Michelle Willingham

Michelle Willingham ist eine der beliebtesten Historical-Autorinnen im Bereich Liebesromane. In unserem Interview hat sie uns einiges über sich verraten: Wie sie zum Schreiben gekommen ist, warum sie eine Schwäche für gepeinigte Helden hat und warum sie ihren Kindern von Deutschlandbesuchen immer Schokolade mitbringen muss …

Wer ist Michelle Willingham und wie bist Du Autorin geworden?

Ich lebe mit meinem Ehemann, drei Kindern, einem Kater, der sich für einen Hund hält, und einem Hund, der vom Kater beherrscht wird, in Virginia. Ich koche und backe leidenschaftlich gerne und in diesem Abschnitt meines Lebens fahre ich dauernd die Kinder zum Sporttraining und zu ihren Spielen. Daher kann es eine Herausforderung sein, mit meiner Arbeit fertig zu werden. Aber ich versuche, früh morgens zu arbeiten, um mein tägliches Pensum an Seiten abzuarbeiten.

Ich schreibe seit 2004 historische Liebesromane, mein erstes Buch wurde aber erst 2007 veröffentlicht. Lest einfach hier, wie es dazu kam. Seither habe ich über 35 Bücher, Novellen und Kurzgeschichten veröffentlicht. Zwei brandneue Geschichten, die dieses Jahr auf Englisch veröffentlicht werden, sind: „The Sweetest Christmas“ im Sammelband Kissed at Christmas und der Regency-Liebesroman What the Earl Needs Now. In Deutschland werden demnächst veröffentlicht: „Mein rettender Highlander“ (September), „Eiskalt verführt vom Verräter“ (November) und „Wie betört man eine Lady?“ (Dezember).

Deine neuen Veröffentlichungen in deutscher Sprache sind drei Liebesromane mit sehr unterschiedlichen Helden: ein mittelalterlicher irischer Krieger, ein umwerfender schottischer Highlander und ein Soldat aus der viktorianischen Epoche. Möchtest Du Deinen Lesern einen kleinen Vorgeschmack darauf geben, was sie erwarten können?

„Mein rettender Highlander“ ist meine vierte Geschichte aus der Serie um den schottischen MacKinloch-Clan. Die Inspiration für das erste Buch Claimed by the Highland Warrior („Schicksalsnächte in den Highlands“) kam von dem Musical „Eine Braut für sieben Brüder“. Ich habe den vier MacKinloch-Brüdern ähnliche alphabetische Namen wie die der Brüder im Musical gegeben: Alex, Bram, Callum und Dougal. Als ich begann, diese Highlander zu kreieren, wurde mir klar, dass in jedem von ihnen eigene Dämonen schlummern, die sie überwinden müssen. Alex kämpft darum, seine gescheiterte Ehe zu retten („Verführt von einem stolzen Highlander“). Bram bemüht sich, nach seiner Kriegsgefangenschaft zurück ins normale Leben zu finden („Schicksalsnächte in den Highlands“). Callum hat seine Stimme verloren („Ein Engel für den Highlander“). Und Dougal, der Held aus „Mein rettender Highlander“, versucht, den Verlust der Frau zu überwinden, die er vor Jahren geliebt hat. Jeder dieser Männer ist ein gepeinigter Held, doch ihre Heldinnen heilen ihre Wunden mit Liebe und Güte.

Auf welche (exotischen) Handlungsorte oder Geschichten dürfen wir uns von Dir freuen?

Ich mag viele Orte und Epochen. Meine historischen Liebesromane sind im Mittelalter, der viktorianischen Epoche und der Epoche des Regency angesiedelt. Ich hatte aber auch Spaß beim Schreiben eines Märchens, das im fiktiven Königreich Lohenberg (nördlich von Deutschland, südlich von Dänemark) spielt. „Wie betört man eine Lady“ wird im Dezember in Deutschland veröffentlicht. Der englische Titel hierzu war The Accidental Princess. Im November kommt außerdem der im Mittelalter spielende Roman „Eiskalt verführt vom Verräter“ heraus, die Fortsetzung von „Die Prinzessin und der Bastardkrieger“. Diese beiden Bücher spielen im 12. Jahrhundert, ich bin gerne zu meinen mittelalterlichen Wurzeln zurückgekehrt.

Wie sieht ein typischer Tag in Deinem Leben als Autorin aus? Bist Du komplett durchorganisiert oder lässt Du Dich vom Chaos oder von Deinen Protagonisten leiten?

Ich muss ziemlich organisiert sein, denn ich muss mit dem Schreiben beginnen, sobald meine Kinder in der Schule sind. Ich schreibe normalerweise von 7:30 bis 14:30 Uhr mit einer kurzen Mittagspause. Manchmal mache ich noch Besorgungen, wenn ich mit meinem Tagespensum fertig bin. Ich versuche, mindestens 1.000 Wörter am Tag zu schreiben. Das können aber auch mal mehr und mal weniger sein, je nachdem, wie das Buch so vorankommt.

Welches Paar war das schwierigste und warum? Haben sie die Handlung übernommen oder etwas in der Art?

Mit jedem meiner Bücher stelle ich mich gerne neuen Herausforderungen. Ob es sich nun um Recherchen zu Schottland im Mittelalter oder gebrochene Helden und Heldinnen handelt – es reizt mich, eine noch nie dagewesene Geschichte zu schreiben. Aber als ich Tempted by the Highland Warrior („Ein Engel für den Highlander“) schrieb, fragte ich mich tatsächlich, ob ich den Verstand verloren hatte. Ein stummer Held? Ein Mann, der die Fähigkeit zu sprechen verloren hat? Wie sollte ich das nur schaffen? Es kam mir zunächst wie eine gute Idee vor. Mein verletzter Held war durch die Folterung als Kriegsgefangener im ersten Unabhängigkeitskrieg zwischen Schottland und England traumatisiert. Obwohl er von seinen Brüdern gerettet wurde, stand er am Rande des Wahnsinns. Alles, was ihn am Boden hielt und ihm Stabilität verlieh, war seine Liebe zu Marguerite, die ihn gefunden hatte.

Während ich das Buch schrieb, verwandelte es sich von einer Geschichte ganz nach Robin Hood – mit einem gezeichneten Bogenschützen und der Tochter eines Herzogs – zu einer Geschichte ähnlich der von Romeo und Julia. Meine Herausforderung lag darin, die Gedanken und Gefühle von Callum MacKinloch zu vermitteln, ohne dass er ein einziges Wort sagen konnte. Es gab Tage, an denen wollte ich nur meinen Kopf gegen die Wand schlagen, und Tage, an denen Callum für mich zum Leben erweckt wurde – ein Mann, gefangen in seinem eigenen Körper, unfähig, mit der Frau zu sprechen, die er liebt. Ich habe schon immer etwas für gepeinigte Helden übriggehabt und dieser war eine Herausforderung wie kein anderer.

Gibt es ein Urlaubsziel, das Du besonders romantisch findest? Gibt es einen besonderen Ort, den Du mit unseren Lesern teilen möchtest?

Eines meiner Lieblingsziele ist Loch Ness in Schottland, ob ihr es glaubt oder nicht. Wir übernachteten dort in einem Bed & Breakfast mit dem Namen The Old Manse in der Nähe von Lochend und verbrachten einen wunderbaren Nachmittag beim Wandern durch die Wälder entlang des Lochs. Wir sind auch mit dem Boot über Loch Ness zu Urquhart Castle gefahren und haben die mittelalterlichen Ruinen erkundet. Ich habe jeden Moment genossen!

Welches Buch liest Du gerade?

Ich habe gerade viel Spaß mit dem neusten Buch von Tessa Dare: The Duchess Deal. Es ist humorvoll, herzerwärmend und macht mir viel Freue beim Lesen. Ich empfehle es jedem weiter, der gerne Regency-Liebesromane liest.

Steht in nächster Zeit ein Besuch in Deutschland auf dem Plan?

Ich freue mich immer auf meine Reisen nach Deutschland und hoffe, dass ich in den nächsten zwei Jahren wieder dorthin fahren kann. Wären nur die Flüge nicht so teuer. Aber Berlin ist eine meiner Lieblingsstädte, zusammen mit Potsdam, Garmisch und Berchtesgaden. Jedes Mal, wenn ich nach Deutschland reise, soll ich Schokolade für meine Kinder mitbringen. Es gibt nichts Besseres als deutsche Schokolade. Meine zwei Lieblingsläden in Berlin sind Rittersport und Fassbender & Rausch.

Was würdest Du gerne von Deinen Lesern erfahren?

Von welcher Buchreihe würden sie sich ein zusätzliches Buch wünschen und weshalb? Welche Epoche gefällt ihnen am besten: Mittelalter, Wikinger, Regency oder viktorianisches Zeitalter?