Unser Interview mit Nicole Leclercq

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(c) Nicole Leclercq

Frauen stehen immer auf die Bad Boys – wie viel ist da dran? In den Büchern von Nicole Leclercq steckt etwas mehr als ein Fünkchen Wahrheit darin, denn ihre Heldinnen fühlen sich oft magisch angezogen von Bösewichten und mysteriösen Männern. Was ihre Bücher sonst noch auszeichnet und warum sich die Autorin ausgerechnet im Paranormal- und Fantasy-Genrem pudelwohl fühlt, durften wir in unserem Interview herausfinden …

Wer ist Nicole Leclercq und wie sind Sie Schriftstellerin geworden?

Ich bin eine Leseratte, eine Träumerin, eine verrückte Katzenliebhaberin und liebe es, zu schreiben. Besonders genieße ich es, durch meine Charaktere zu leben, auch wenn ihr Leben nicht sehr rosig ist. Ich mag Geschichten über Überlebenskünstler und Leute, die sich zurückkämpfen.

Als ich klein war, habe ich angefangen, Geschichten zu schreiben. Nach ein paar Kapiteln habe ich mir jedoch immer überlegt, eine andere Geschichte zu schreiben und mich dann mit dieser zu beschäftigen. Vor zehn Jahren habe ich während meines Urlaubs in der Türkei an Seminaren für kreatives Schreiben bei der britischen Herausgeberin von Stephen King teilgenommen. Dank ihrer Unterstützung habe ich mich dazu entschlossen, mich auf eine Geschichte zu konzentrieren und diese zu Ende zu schreiben.

Sie verfassen schaurige Liebesromane und paranormale Fantasy-Romane. Was ist das Faszinierende daran im Vergleich zu historischen Romanen, die im Mittelalter oder in der Regency-Zeit spielen, oder zu Gegenwartsromanen?

Ich liebe all diese Genres. Was mich allerdings zu paranormalen Liebesgeschichten hingezogen hat, ist die Tatsache, dass die Männer darin die ultimativen Bösewichte sind. Ich weiß, dass es nicht politisch korrekt ist, aber ich mag Schurken. Im Alter von acht Jahren habe ich mich zum ersten Mal verknallt und zwar in David Bowie in „Labyrinth“. Dort gibt es eine Szene, in der er sie vergiftet, damit sie ihren Bruder vergisst und in einer Fantasiewelt mit ihm lebt.

Ich mag Geschichten, in denen Männer schonungslos um eine Frau werben. In paranormalen Liebesromanen haben die Männer in der Regel die Macht, die Heldin mit List dazu zu bringen, mit ihm zusammen zu sein. Im echten Leben fände ich dies aber nicht gut. Als ich noch Studentin war, sagte eine Mitbewohnerin zu mir, dass ich sogar davonlaufen würde, wenn mich John Travolta anbaggern würde. Im echten Leben bin ich also ziemlich langweilig. In meiner Fantasie habe ich jedoch jede Menge Spaß.

Was inspiriert Sie beim Schreiben?

Ich liege gerne mit einem Notizblock im Bett und lasse mich von meinen Träumen inspirieren.

Wie würden Sie Ihre Bücher beschreiben? Was ist das Besondere daran? Was halten Sie für besonders wichtig?

Es handelt sich dabei um erotische, paranormale Liebesromane. Was für mich besonders daran ist, ist, dass Erin eine Ritualtötung seitens ihres Vaters überlebt hat und am Ende mit den Mächten der Kreaturen ausgestattet ist, die in dieser Nacht gestorben sind. Darüber hinaus hört sie auch deren Stimmen. Zudem ergreifen diese Kreaturen manchmal Besitz von ihrem Körper. Sie sehnt sich danach, ein ganz normaler Mensch zu sein. Daher geht sie zurück in ihre Heimatstadt, um einen Weg zu finden, das Ritual rückgängig zu machen. Leider will sie das Oberhaupt der Vampire von Hope Acres nicht dort haben und versucht, sie davonzujagen.

Was ich für wichtig halte, ist, dass Erin lernt, sich selbst zu akzeptieren und sich zu wehren, wenn Leute mit ihr Schindluder treiben.

Wie recherchieren Sie?

Im Roman „Touched by Evil“ beispielsweise wird Erin erpresst, ihren Vater, einen Voodoo-Priester, ausfindig zu machen, der in seinem Heimatland Haiti stecken soll. Ich ging in die Bücherei, um mir Bücher über Haiti zu besorgen. Zudem schaute ich mir auf YouTube Videos über Voodoo in Haiti an und las Artikel über die Geographie und die Hotels. Auch Google Maps ist ziemlich nützlich.

Wurden Ihre Protagonisten nach dem Vorbild von realen Menschen erschaffen? Können Sie Beispiele dafür geben?

Ich verrate keine intimen Details!

Wie überlegen Sie sich Namen für Ihre Protagonisten? Nehmen Sie sich historische Figuren zum Vorbild? Basiert diese Entscheidung auf persönlichen Vorlieben?

Manchmal entdecke ich einen Namen, der mir gefällt, in einem Film und notiere ihn mir dann. Als ich in Norwegen gearbeitet habe, hatte ich einen spanischen Kollegen namens Sabas. Ich habe ich gefragt, ob ich seinen Namen benutzen darf, weil ich diesen großartig fand. Zum Glück hatte er nichts dagegen, obwohl der Charakter im Buch nicht zu den Guten gehörte.

Auf welche (exotischen) Schauplätze oder Geschichten von Ihnen können wir uns freuen?

Im letzten Roman von Erin Holland ist sie gezwungen, nach Haiti zu reisen, um ihren Vater ausfindig zu machen, der sie im Alter von sieben Jahren versucht hat, umzubringen.

Wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Leben als Schriftstellerin aus? Gehen Sie sehr organisiert vor oder wird Ihr Tagesablauf beim Schreiben von Chaos oder Ihren Protagonisten bestimmt?

Ich arbeite Vollzeit im Energiesektor und schreibe in der Regel nur, wenn ich Urlaub habe. Dadurch geht das Schreiben bei mir ziemlich langsam voran. Ich habe immer schon die Struktur vorgefertigt, bevor ich mit dem Schreiben beginne. Ich bevorzuge es, nach Mitternacht zu schreiben – was auch zum Genre passt.

Bei welchen Helden/Heldinnen hat Ihnen das Schreiben am meisten Spaß gemacht? Welches Paar war das „schwierigste“ – und warum? Haben sie die Kontrolle über die Handlung übernommen oder so etwas in der Art?

  Ich fand es toll, über Erin zu schreiben. Ich glaube jedoch nicht, dass in meinen Büchern viel Humor steckt. Im Roman „Touched by Darkness“ gibt es eine Szene, in der der Bösewicht im Traum von Erin vorkommt. Sie träumt, Sex mit Dane zu haben. Er kann sie jedoch nicht ausstehen. Daher war dieser Anblick für ihn ziemlich traumatisch. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, diese Szene zu schreiben.

Im gleichen Buch habe ich einen glatzköpfigen Mann in die Handlung eingebracht, der Erin letzten Endes angreift, als sie sich zum ersten Mal in einen Werwolf verwandelt. Ich habe ihn mir nicht als romantischen Charakter vorgestellt. Beim Schreiben meines nächsten Romans tauchte er jedoch wieder auf. Erins Mitbewohnerin sah ihn als Bedrohung für Erin an und versuchte ihr zu helfen, indem sie ihn verhexte. Ich fand ihre Konflikte sehr unterhaltsam. Zudem gab es auch ein kleines Liebesabenteuer zwischen ihnen, das sich ganz von selbst ergeben hat, ohne dass ich dies geplant hatte.

Gibt es einen Ort, um Urlaub zu machen, den Sie besonders romantisch finden? Haben Sie einen Geheimtipp, denn Sie mit unseren Lesern teilen möchten?

Ich bin auf die Malediven geflogen, um dem norwegischen Winter im ersten Jahr, als ich dort hingezogen bin, zu entkommen. Das war wunderbar.

Haben Sie ein Lieblingsbuch? Gab es wichtige Bücher für Sie, die Sie das ganze Leben begleitet haben? Was war Ihr erster Liebesroman?

Ich liebe jedes Buch von Jayne Ann Krentz. Mein Lieblingsbuch ist „Trust Me“. Im Alter von 14 Jahren habe ich meinen ersten Liebesroman gelesen: „Captive Bride“ von Johanna Lindsey. Ich habe es nicht noch einmal als Erwachsene gelesen, da ich befürchte, dass es nicht so beeindruckend ist, wie ich es in Erinnerung habe. Der Held ist vielleicht ein extremer Schurke und ich möchte mir nicht die Erinnerung daran verderben. Danach habe ich „Hearts Aflame“ und „Secret Fire“ von Johanna Lindsey gelesen. Diese Bücher haben mich durch meine ganze Jugend begleitet. Liest man sich jedoch die Buchbeschreibungen dazu durch, sind diese Bücher alles andere als politisch korrekt.

Welches Buch lesen Sie zurzeit? Wer ist (zurzeit bzw. allgemein) Ihr Lieblingsautor?

Ich habe gerade angefangen, das Buch „Silver Silence“ von Nalini Singh zu lesen. Sie ist meine Lieblingsautorin. Deshalb freue ich mich wahnsinnig darauf, sie im Mai zu treffen!

Welche Eigenschaften muss ein Liebesroman-Held haben, um Ihr Herz zum Schmelzen zu bringen?

Das kommt echt auf die Geschichte an. In den Geschichten von Catherine Anderson sind die Helden sehr liebenswürdig, da die Frauen in ihren Geschichten oftmals Opfer sind, die diese Art von Mann brauchen. Das liebe ich an diesem Handlungsrahmen.

In den Büchern von Jayne Ann Krentz aus den 1980er Jahren benehmen sich die Männer wie Höhlenmenschen. Auch das finde ich total toll. Die Frauen darin sind meist unabhängig, wohingegen die Männer glauben, dass die Frau, wenn sie einmal mit ihnen geschlafen hat, ihr eigen ist. Ich glaube, dass die Menschen heutzutage Angst davor haben, sich zu binden. Das stellt den Reiz für mich an diesen alten Büchern dar, in denen die Männer eine feste Bindung eingehen wollen.

Sie sind auf der diesjährigen LoveLetter Convention in Berlin dabei. Auf was freuen Sie sich am meisten?

Andere Leser/innen von Liebesromanen wie mich kennenzulernen und uns über Romantik zu unterhalten.

Welche Fragen möchten Sie Ihren Lesern stellen?

Sind Alpha-Männchen immer noch beliebt oder bevorzugen Sie Männer, die nicht so offensiv um eine Frau werben?