Interview-Mittwoch mit Saskia Louis

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(c) Saskia Louis

Saskia Louis bezeichnet sich selbst als totales „Romantik-Opfer“ – und trotzdem triefen ihre Romane nicht vor Kitsch, sondern erzählen auf Saskia Louis´ einzigartige Weise humorvolle Liebesgeschichten aus dem Leben ihrer charakterstarken Protagonistinnen. Dafür lieben sie ihre Leser. Doch ihre Brüder hat die Autorin noch nicht für ihre Romane begeistern können. Warum diese noch nichts von ihr gelesen haben und was Saskia Louis tun müsste, um ihre Geschwister als Leser zu gewinnen – das und vieles mehr hat sie uns im Interview verraten.

Wer ist Saskia Louis und wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Saskia Louis mag ein Pseudonym sein – weil niemand sich meinen komplizierten, niederländischen Nachnamen merken könnte – ist aber trotzdem durch und durch Ich.
Ich bin äußerst talentiert im Hinfallen, kann mit den Ohren wackeln, bin meistens etwas zu laut – außer wenn ich gerade über eine Geschichte nachdenke, denn dann verstumme ich auf magische Art und Weise – und singe den ganzen Tag lang. Ich hasse Erbsen, liebe dafür Brokkoli und kann keinen Kaffee trinken, weil niemand mit der hyper-hyper-hyperaktiven Saskia in einem Raum sein will. (Soweit nur das Wichtigste …)

Wie genau ich zum Schreiben gekommen bin, weiß ich gar nicht mehr. Für mich war es nie eine bewusste Entscheidung, die ich getroffen habe. Eher etwas, das ich immer tun musste. Sei es, um meine Gedanken zu ordnen oder meine eigenen Gefühle zu verstehen. Ich habe außerdem schon immer unglaublich gerne gelesen und fand es einfach faszinierend, wie Menschen, die ich überhaupt nicht kenne, mich zum Lachen, Weinen und Nachdenken bringen konnten. Das wollte ich auch können! Mit elf habe ich dann mein erstes Buch geschrieben und seitdem nicht mehr damit aufgehört.

Du schreibst humorvolle Liebesromane. Was fasziniert Dich so an diesem Genre, warum genau dieses Genre?

Ach, die Liebe … was soll ich sagen? Ich bin ein totales Romantik-Opfer, das seufzt, wenn ein altes Ehepaar Händchen hält. Liebe ist einfach zeitlos. Und so vielseitig! Liebe kann traurig, heiß, witzig, warmherzig, dramatisch, herzzerreißend oder auch bekloppt sein. (Und gerade mit Letzterem konnte ich mich immer sehr gut identifizieren)

Außerdem gefällt es mir, zwei Charaktere zu erschaffen, die scheinbar nicht zusammenpassen, sich aber auf überraschende Art und Weise ergänzen. Sich neu kennenlernen, gegenseitig besser machen … und schließlich verstehen, dass sie zusammengehören. Der Humor darf dabei nie fehlen – denn das Leben ist einfach so viel besser, wenn man es nicht allzu ernst nimmt!

Nach eigener Aussage bist Du neuerdings ins Fantasygenre „abgewandelt“. Wie kam es dazu?

Das ist ganz simpel: Meine älteren Brüder meinten: „Saskia, wir lesen erst etwas von dir, wenn in dem Buch mindestens zwei Charaktere auf tragische und möglichst brutale Art und Weise sterben.“

Und ich wollte wirklich, wirklich gerne, dass sie etwas von mir lesen!

Blutige Thriller waren nie so mein Ding und für Fantasy konnte ich mich schon immer begeistern. Das Genre bietet außerdem total andere Herausforderungen als ein Liebesroman. Ich mag die Vielseitigkeit eines Fantasyromans. Mag es, einen Plot von hinten aufzurollen und Geheimnisse und Hinweise zu streuen, die am Ende ein ganz neues Bild ergeben. Und ab und zu, wenn die Liebe mich erschöpft, lohnt es sich, in einer fiktiven Schlacht allen Emotionen freien Lauf zu lassen … definitiv gut fürs Seelenheil!

Wie würdest Du Deine Liebesromane beschreiben? Was zeichnet sie aus? Worauf legst Du besonderen Wert?

Wenn ich meine Romane in drei Worten beschreiben müsste, wären es wohl die:
1. Humorvoll
2. Gefühlvoll
3. Humorvoll

Könnt Ihr Euch denken, auf was ich besonders großen Wert lege? Ich selbst bin einfach kein großer Fan von übermäßigem Kitsch und den Frauen, die dem männlichen Helden hinterherlaufen. Deswegen gibt es bei mir Protagonistinnen, die ihre Meinung sagen, Paare, die viel miteinander streiten – und eine Menge Beziehungschaos. Das wichtigste sind mir da immer die Dialoge und Schlagabtäusche, die ich selbst auch am liebsten schreibe.
Klar, die nötige Romantik, Spannung und Hitze darf nicht fehlen, aber der Humor ist trotzdem immer Teil der Geschichte und kommt nie zu kurz.

Was kannst Du uns über Deinen neuen Roman erzählen?

Am 6. September ist der Auftakt meiner neuen humorvollen Liebesroman-Reihe erschienen. „Ein bisschen Abenteuer, bitte!“ spielt in der kleinen Hafenstadt Eden Bay in Maine. Dort steht ein Leuchtturm, um den sich eine tragische Liebesgeschichte rankt und jede Frau, die dort ein Licht entzündet, soll innerhalb der nächsten Monate die große Liebe finden.

In diesem ersten Band geht es um Maya und Nathan. Maya hält ihr Leben für absolut langweilig und sucht nach ein wenig Aufregung. Nathan hält sein Leben für viel zu abenteuerlich und sucht nach ein wenig Ruhe. Ihr erkennt den möglichen Konflikt, oder?

Als Maya nach Eden Bay kommt und in Nathan rein rennt, ist ihr ziemlich schnell klar, dass er die Lösung für ihr Problem ist. Eine heiße Affäre mit einem gutaussehenden Feuerwehrmann ist genau das Abenteuer, das sie sucht. Nathan ist da nicht ganz ihrer Meinung … aber seine Selbstbeherrschung lässt zu wünschen übrig.

Ich hatte wirklich unglaublich viel Spaß mit den beiden. Vor allem mit der unbeholfenen Maya, die keine Ahnung hat, wie man eine Affäre führt, sich aber redlich Mühe dabei gibt, alle Richtlinien einzuhalten. „Ein bisschen Abenteuer, bitte!“ ist tatsächlich das erste Buch, das ich geschrieben habe, das ausgeschriebene Sexszenen beinhaltet … ein Grund mehr, warum ich super-nervös vor der Veröffentlichung war!

Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei Dir aus?

8.00 Uhr: Will aufstehen, den Tag mit ein wenig Sport starten.
8.02 Uhr: Denke mir, dass es blöd wäre, bei dem schönen Wetter ins Fitnessstudio zu rennen.
8.05 Uhr: Denke mir, dass es viel zu heiß ist, um draußen Sport zu machen.
9.30 Uhr: Habe keinen Sport gemacht. Liege noch immer im Bett. Lasse das Frühstück einfach ausfallen.
10.02 Uhr: PC angeschmissen und angefangen, zu schreiben … nämlich auf die Facebookseite einer Freundin. Gefällt mir.
11.15: Zeit, ein wenig was auf der Gitarre zu klimpern und meine Nachbarn in den Wahnsinn zu treiben.
13.00: Ab in die Mensa zum Mittagessen mit Freunden.
15.00 Prokrastiniere indem ich google, wie man am besten prokrastiniert.
18.30 Raus aus dem Haus, weg mit Freunden, zum Pubquiz, Spieleabend, Kino … alles, was mich vom Computer fernhält.
22.56: Zuhause angekommen, mache mich bettfertig … habe plötzlich fantastische Idee, wie ich meine Szene weiterführen kann! Klappe Laptop auf und schreibe wie eine Verrückte alles auf.
01.34: Mein Tagespensum von 2.000 Wörtern locker erreicht. Mache den Laptop aus und lege mich zufrieden in die Kissen.
01.35: Mhm. Schade, dass es schon so spät ist. Jetzt komme ich morgen früh wohl auch nicht mehr zum Sport …

Wie recherchierst Du für Deine Bücher?

Das kommt immer aufs Buch an. Bei meinen Fantasybüchern und humorvollen Krimis wie die „Mordsmäßig“-Reihe recherchiere ich sehr viel im Internet (meistens dazu, wie genau ein Mensch stirbt … oder aber auch, wie man jemanden am besten umbringen kann – warum stand das SEK noch nicht vor meiner Tür?)

Ansonsten lese ich tatsächlich eine Menge psychologischer Zeitschriften und schaue TED-Talks oder andere Videos, die sich mit der menschlichen Psyche und der täglichen Lebensbewältigung beschäftigen. Mir ist es sehr wichtig, meine Charaktere und ihre Geschichten möglichst authentisch darzustellen. Deswegen möchte ich möglichst viel über den Menschen, seine Emotionen und Reaktionen lernen.

Was inspiriert Dich für Deine Geschichten?

Die Frage finde ich immer super schwierig. Denn mich inspiriert alles und nichts.
Musik, ein Bild, ein Gespräch, ein Film … manchmal ist die Idee einfach da und ich habe keine Ahnung, wo sie herkommt. Ich glaube, am wichtigsten ist es, aufmerksam durchs Leben zu laufen – dann kommt die Inspiration schon von ganz allein.

Haben Deine Protagonisten reale Vorbilder?

Nein, eigentlich nie. Auch wenn alle Charaktere natürlich immer ein Stück von mir in sich tragen.

Wie entscheidest Du über die Namen Deiner Protagonisten? (Historische) Vorbilder? Persönliche Vorlieben?

Ich mache das für jedes Buch anders.

Bei meiner Fantasyreihe „Geheimnis der Götter“ zum Beispiel habe ich fast alle Namen aus Anagrammen von Freunden von mir zusammengebastelt. So wird aus Clara zum Beispiel Arcal oder aus Annika Nikana.

Bei meinen Liebesromannamen gehe ich meistens nach Gefühl (und der Liste der süßesten amerikanischen Babynamen). Aber hier und da baue ich auch mal Namen von Freunden oder Bekannten ein – als mein kleines, dreckiges Geheimnis.

Auf welche (exotischen?) Handlungsorte oder Geschichten dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Ihr dürft euch auf die süße kleine Hafenstadt Eden Bay in Maine freuen. Auf das erfüllte und hektische Leben in Philadelphia und auf witzige Geschichten in Köln. Exotisch ist das Ganze vielleicht nicht, aber Liebe macht ja Gott sei Dank blind!

Wie weit würdest Du für Deinen Traummann gehen?

Hach, der muss mir nur endlich sagen, wo er sich versteckt, dann würde ich für ihn durch die Wüste laufen, auf Schokolade verzichten und mir Justin Bieber ansehen (glaubt mir, das wäre ein großes Opfer für mich!). Die Liebe ist ein hartes Geschäft – aber ich bin fest davon überzeugt, dass sie jede Mühe und jedes Leid wert ist.

Hast Du ein Guilty Pleasure, das Du uns verraten möchtest?

Taylor Swift und Mexikanisches Essen.

Welche Bücher liest Du in Deiner Freizeit? Welches im Moment?

Ich lese bunt durcheinander. Einen Liebesroman hier, einen Fantasyroman dort und zwischendurch einen guten Krimi. Zurzeit lese ich „Goldener Käfig“, der dritte Teil der „Roten Königin“-Reihe von Victoria Aveyard.

Welches Buch/welchen Autor aus dem Bereich Romance würdest Du als aktuelle Leseempfehlung geben und warum?

„Now that you mention it“ (auf Deutsch: Das Leben ist kein Flickenteppich) von einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen Kristan Higgins. Ich habe beim Lesen schon lange nicht mehr so viel gelacht und geweint.

Welche Frage würdest Du Dir selbst gerne stellen?

Ernsthaft, Saskia? Taylor Swift?

Welche Frage/n würdest Du gerne an Deine Leser richten?

Was lässt euer Herz höher schlagen? (Schokolade zählt nicht!)