Unsere Meinung zu Anne Freytag – Mein bester letzter Sommer

0
98
FreytagAnneMeinBesterLetzterSommer

Tessa ist siebzehn Jahre alt. Sie war ihr Leben lang die perfekte Tochter, Schülerin, Freundin. Sie hat immer auf die große Liebe gewartet und große Pläne für eine Karriere als Schriftstellerin geschmiedet. Doch jetzt wird ihr klar: Wirklich gelebt hat sie nie, weil sie viel mehr beschäftigt damit war, eine Musterschülerin zu sein und in der Zukunft ihr Glück zu suchen. Aber nun steht fest, dass Tessa zum Warten keine Zeit mehr hat, denn sie wird sterben, schon sehr bald. Auf diese Nachricht hin verschanzt sich die Siebzehnjährige voller Wut und Trauer über ein unerfülltes Leben in ihrem Zimmer. Bis sie auf Oskar trifft. Oskar scheint hinter Tessas Fassade gucken zu können. Er weicht nicht von ihrer Seite, auch als sie ihm ihr Geheimnis gesteht. Viel mehr als das, Oskar möchte seiner „Krabbe“ einen unvergesslichen letzten Sommer in Italien schenken. Tessa ist zwiegespalten: Darf man sich wirklich verlieben, wenn man weiß, dass man bald sterben wird?

Wer denkt, bei „Mein bester letzter Sommer“ handelt es sich um einen billigen Abklatsch von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, kann diesen Gedanken getrost verwerfen. Zwar mag die grobe Handlung, gespickt mit dem Thema Krankheit und Tod, auf den ersten Blick nichts Neues mehr bieten, doch die Geschichte von Tessa und Oskar trifft trotzdem mitten ins Herz. Schon auf den ersten Seiten musste ich den Kloß in meinem Hals runterschlucken. Die Beschreibungen von Tessas Innenleben waren für mich so erschreckend nachvollziehbar: Auch wenn es sinnvoller erscheint, in seinen letzten Lebenstagen das Leben voll und ganz auszukosten, waren für mich Tessas Rückzug in sich selbst, die Distanzierung von ihren Liebsten und das dumpfe Warten auf den Tod viel authentischer. Nur eine einzige Person kann Tessa aus dem Loch des Selbstmitleids und der Angst ziehen, und das ist Oskar. Durch ihn lernt sie: „Das Leben wird nicht definiert von den Momenten, in denen du atmest, sondern von denen, die dir den Atem rauben.“

Die Jugendliebe der beiden schenkt dem Leser die Glücksmomente, die den Roman perfekt machen. Durch den Perspektivwechsel wird einem die Möglichkeit geschenkt, sowohl in Tessas, als auch in Oskars Gedanken Einblick zu erhalten. So habe ich mit „Teskar“ geweint, gelacht und gehofft, ein wahres Wechselbad der Gefühle.

Auch wenn Tessas nahender Tod wie ein durchweg präsenter Schatten erscheinen mag, ist der erste Jugendroman von Anne Freytag vor allem unglaublich lebensbejahend. Nahezu jede Seite erinnert einen daran, dass man das Glück im Moment suchen sollte, denn jeder könnte der letzte sein. Eine wirklich gelungene und berührende Storyline, der ich nur eine klare Leseempfehlung für alle Altersklassen aussprechen kann. (LM)

  • Anne Freytag
  • Mein bester letzter Sommer
  • Deutsche Originalausgabe
  • Heyne Verlag, März 2016
  • 368 Seiten, Taschenbuch, E-Book

MerkenMerken