Unsere Meinung zu Die Yogini von Ulli Olvedi

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Der zauberhafte Roman Die Yogini lässt die Herzen aller Yoga-, Tibet- oder Tantra-Fans höher schlagen. Wir abendländischen Sucher sind häufig auf den Spuren uralter Heilmethoden und Weisheiten; nicht immer kennen wir die Hintergründe und Lebensweisen ihrer Ursprünge.

Einfühlsam erzählt Ulli Olvedi die Geschichte einer Tibeterin, die vom jungen Mädchen Lenjam zur weisen Yogini heranreift. Fasziniert von den Lehren des tantrischen Buddhismus folgt sie ihrem eigenen Weg. Sie schwankt zwischen ihrem Herzenswunsch – von einem großen Meister als Schülerin angenommen zu werden – und dem traditionellen Leben einer tibetischen Frau.

Lenjam endeckt die Liebe, die ihr auf ihrem Weg in unterschiedlicher Art und Weise begegnet: als jugendliche Schwärmerei, Bewunderung und Leidenschaft, aber auch als Zwang, Brutalität und Missbrauch mit ihren dunklen Seiten. Immer wieder gerät sie in Situationen, in denen sie sich entscheiden muss – zwischen ihrer Familie, die ihr Schutz und Liebe gibt; zwischen der vertrauten Heimat und dem absolut Ungewissem auf dem Dach der Welt. Ein Aufbruch auch aus einer traditionellen Frauenrolle, die ihr das Los einer verheirateten, ungebildeten Hausfrau und Mutter vorschreibt. Sie glaubt jedoch nicht an geistige Unterschiede zwischen Mann und Frau. Ihr Streben nach Bildung und Wissen führt Lenjam ebenso voran wie ihre Suche nach den spirituellen Weisheiten, die nur Eingeweihten zugänglich sind. Auf diesem Weg, der sie auch in gefährliche Situationen führt, lernt Lenjam, dem Leben ins Gesicht zu schauen, ohne ihr Ziel aus den Augen zu verlieren. Sie wird zu einer hochangesehenen Yogini, einer unabhängigen weisen Frau …

Ulli Olvedi beschreibt die tibetische Landschaft sehr anschaulich und lebendig, versteht es, uns Leser mitzunehmen in diesen magischen, aber auch schroffen Teil unserer Welt.
Da die Autorin selbst in tibetischen Projekten engagiert ist, gelingt es ihr sehr authentisch, gut recherchiertes Wissen über alte Riten und Geheimnisse dem Leser nahe zu bringen.
Tiefes Hintergrundwissen über den tantrischen Buddhismus, Yoga-Praktiken, Meditation und spirituelle Weisheiten ist eine besondere Bereicherung und macht aus diesem Roman viel mehr als „nur“ eine spannende Geschichte.
Auch politische Aspekte und historische Hintergründe um die Situation Tibets werden von Ulli Olvedi verständlich beschrieben, eröffnen uns eine Sichtweise von innen, ohne jedoch zu bewerten. Wenn wir als Abendländer auf diesen Teil der Welt blicken, empfinden wir meistens eine große Faszination, Sehnsucht, aber auch gewisse Fremdheit. Die Innensicht der Autorin öffnet den Blick für das Herz Tibets: dem Streben spirituell orientierter Menschen nach Mitgefühl und Wohlergehen für alle fühlenden Wesen.
Besonders berührt mich jedoch der rote Faden dieser Geschichte, die Suche nach der ewigen Wahrheit großer Liebe … Er ist somit mein aktueller neuer Lieblingsroman. (GR)

  • Die Yogini
  • Ulli Olvedi
  • 576 Seiten, E-Book, Gebunden
  • Herausgeber: Arkana
  • Erscheinungsdatum: 16. Mai 2016
  • Sprache: Deutsch