Unsere Meinung zu: Das Alphabet meiner Familie – Nina Sahm

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Ella hat sich gerade erst von ihrem Freund getrennt, als ein völlig Fremder vor ihrer Tür steht: Frieder. Er platzt schlagartig in ihre Wohnung und in ihr Leben – mit einem Foto aus der Jugend ihrer Mutter. Ella fasziniert der Fremde und so sitzt sie schneller als gedacht mit ihm an ihrem Küchentisch. Dort lauscht sie gebannt seinen Geschichten über ein Dorf am Bodensee, seinen Vater, die Trennung seiner Eltern, den Umzug, die Zwiebel, die man wie einen Apfel essen kann …

Wie soll sie ahnen, dass sie sich durch seine Erzählungen immer mehr mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen wird? Ihre Mutter spricht nicht gern über vergangene Zeiten, so dass Ella beispielsweise ihren Vater nicht kennt. Was also weiß Frieder? Und was will er von ihr? Irgendwie scheint er einer anderen Zeit entsprungen und ist scheinbar sehr belesen. Ein merkwürdiger junger Mann – oder doch eher faszinierend?

Ella lässt ihn trotz ihrer Bedenken – und sicher auch ein wenig aus Neugier – bei sich wohnen. Doch Frieder hat es nicht eilig, ihr die Episoden zu erzählen, die Ella am Ende ihre Herkunft erklären: Er legt das Tempo fest und stellt sie nicht nur damit auf eine harte Probe …

Unser Fazit: Vieles aus der Vergangenheit der beiden Protagonisten lässt den Leser intensiv mitfühlen. Frieder hatte, wie Ella auch, keine einfache Kindheit. Umso schöner ist das Ende des Buches. Ella und Frieder scheinen ihren Platz im Leben gefunden zu haben, auch wenn ihre Mütter die Vergangenheit nicht ruhen lassen oder verzeihen können. „Das Alphabet meiner Familie“ ist eine Reise in die Vergangenheit von zwei Menschen, die vorher nicht wussten, dass sie diese verbindet. Es ist kein romantisches Buch, wie man es vielleicht erst erwartet hat. Es ist eher die Aufarbeitung einer Familiengeschichte. Zwei Menschen, die im Leben noch nicht wirklich angekommen sind, suchen ihren Platz in der Gesellschaft und im Leben selbst. Teilweise ist die Geschichte leider etwas langatmig und verworren, aber da man letztlich wissen möchte, was Frieder und Ella verbindet, liest man sich durch die Vielzahl der Kapitel. Sicher lesenswert, aber kein absolutes Muss – deshalb vergeben wir hier 3 von 5 Sternen. (SM)

Besondere Sätze in „Das Alphabet meiner Familie“ von Nina Sahm:

Lukas zu Frieder, als er herausgefunden hat, wo Shiva zu finden ist: „Ich sag’s ja, du wolltest sie gar nicht finden. Lieber jemanden vermissen, als jemanden verloren zu haben, das erträgt man leichter.“

Shiva zu Frieder beim Wiedersehen: „Wenn du davonläufst, geht es immer nur in eine Richtung. Da gibt es kein Zurück.“

Großmutter früher zu Ella: „Das Leben ist kein Fischernetz. Du kannst dir nicht die besten Momente raussuchen und den Rest zurück ins Meer kippen.“

  • Das Alphabet meiner Familie
  • Nina Sahm
  • Verlag: Droemer Taschenbuch
  • Sprache: Deutsch, Taschenbuch, 288 Seiten
  • Auch als eBook erhältlich
  • Erscheinungsdatum: 2. Oktober 2017
(c) Stella Marten