Wir trauen uns: Was heißt das wirklich?

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(c) CC0 pixabay.com

Wir trauen uns! Und was ist damit jetzt denn genau gemeint? Heute soll es mal um die semantischen Bedeutungsfelder dieser und wortverwandter Formulierungen gehen. Lasst uns ein wenig träumen von dem, was eine Hochzeit alles bedeuten kann und was sie in sich birgt!

 

Was wir mit ihr verbinden. Ganz wortwörtlich. Sich trauen, sich vertrauen, sich einander anvertrauen …

Da ist zum einen die ganz simple Komponente des Wortes „trauen“, unter der wir zunächst ganz spontan und ohne große Reflexion den Mut verstehen, die Courage assoziieren. Es ist das erste, was wir ganz abstrakt und losgelöst von jeglicher (Hochzeits-)Welt unter Mut verstehen: Die Courage, in einer gewissen Situation, die oder deren Fortentwicklung, Ausgang, Weiterbestehen man momentan nicht überblicken und diese auch nicht bestimmen kann, auf die eigene Entscheidung zu setzen und diese zu treffen. Man entscheidet sich also für etwas. Und damit auch gleichzeitig gegen etwas anderes.

Das klingt zwar erst einmal recht prüde, kann aber durchaus unmittelbar auf den wunderschön-romantischen Hochzeitskontext transferiert werden: So passiert es nun einmal nicht „einfach so“, dass wir unserem Umfeld mit leuchtenden Augen verkünden „Wir trauen uns!“, nein:

Dazu gehört ganz zweifellos Mut!

Nun stimmt es auch ganz und gar, dass man also eine echt große Entscheidung getroffen, sich für etwas (oder besser gesagt: für jemanden!) entschieden hat. Und sich damit auch gegen etwas anderes entschieden hat, nämlich gegen ein Single-Leben. Und genauso gegen eine ohne die Eheschließung durchschrittene Partnerschaft (sei diese nun standesamtlicher oder kirchlicher Natur). Und genau von dieser Entscheidung lässt sich direkt übergehen zu einem weiteren Wort dieser Wortfamilie: sich VERtrauen. Denn bei egal welcher Entscheidung auch immer gilt es, seinem Gefühl zu vertrauen, welches man in sich trägt und mit dem man zu seiner Entscheidung gekommen ist. In diesem Fall natürlich zu zweit. Mit anderen Worten: Wir haben uns beide dafür entschieden, den jeweils anderen zu trauen, ja, ihm damit zu vertrauen. Und dann dieser gemeinsamen Entscheidung, sobald sie gefällt ist, zu VERtrauen. Das heißt: Es gehört Mut dazu, diese Entscheidung zu fällen, ja, aber es gehört auch die richtige Prise Gelassenheit dazu, diese Entscheidung guten Gewissens, ohne Angst oder Furcht, ohne Hintergedanken, gemeinsam zu genießen. Und sie zu feiern – wenn wir uns schließlich trauen 😉

Dann ist da noch die etwas intimere Komponente des „Sich-einander-Anvertrauens„, die sich aus dem Ausgangswort genauso bilden und weiter stricken lässt: Wir vertrauen uns einander an, mit all unseren jeweiligen Stärken und Schwächen, mit all unseren Wünschen, all unseren Fähigkeiten, mit allem, was wir in uns tragen, wir trauen uns gegenseitig an. Das ist doch das wahre Zeugnis der Ehe, dieser wunderschöne Gedanke, dass man sich im Gegenüber wiederentdecken kann, dass man gemeinsame Wege geht, dass man so tickt wie der andere, dass man sich immer und in jeder Lebenslage auf das Gegenüber verlassen kann, dass man ihm eben trauen kann.

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Und nicht nur das: Man VERtraut dem Gegenüber sich selbst an.

Die eigene Persönlichkeit mit allem, was zu ihr gehört, was sie ausmacht. Dass man als Partner immer weiter in den anderen hineinwachsen kann, dass man zusammen alles schafft, was man alleine für nie möglich gehalten hätte. Dass man zusammenhält, egal, was auch passiert. Dass man sich für den anderen einsetzt, sich nicht an erste Stelle setzt, sondern stets das „Wir“ im Blick behält. Dass man als Paar bestätigt, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen für das, was man zusammen aus dem Leben macht. Für das, was sich daraus entwickelt. Vielleicht für die entstehende Familie. In jedem Fall aber für alle Entscheidungen, die man gemeinsam im Leben so zu treffen hat. Ab jetzt zu zweit. Und weiter: Dass man sich stets um seinen Partner kümmert, ihn pflegt, wenn es ihm schlecht geht, ihn auffängt, wenn er fällt, ihn liebt von ganzem Herzen.

So, und bevor es jetzt allzu schnulzig wird und hier ein ausformuliertes Ehegelübde zu erkennen ist, soll das auch ausreichend sein, um die wundervolle Komponente des Sich-einander-Anvertrauens möglichst vielseitig zu umschreiben 😊

Wozu trauen wir uns also? Was ist nachher anders als jetzt? Welchen Zweck birgt dieses „Trauen, Vertrauen, Sich-einander-Anvertrauen“, welche Ziele verfolgt es?

Das fragt sich schonmal das eine oder andere Paar, wenn es übers Heiraten sinniert … und irgendetwas ist auch dran, denn: Von wie vielen Menschen hört man denn nicht immer wieder auf die Frage, ob das Gefühl denn nach der Hochzeit nun ein gänzlich anderes sei als zuvor: „Nein, überhaupt nicht, alles beim Alten.“ Oder „Ich bin mir nicht sicher, aber ich fühle nicht anders, also: nein?!“

Und doch ist da noch etwas, was wir damit nicht sehen: und zwar der Aspekt des immer Bleibenden. Des Ewigen. Ein Gefühl von Konstanz. Von Treue. Und zwar für immer.

Was das sein soll? – na klar: im Prinzip doch ganz genau das oben bereits erwähnte Ehegelübde. Denn ob es nun vor dem Standesamt oder in der Kirche oder gleich in beiden Institutionen geschieht: Wenn Ihr Euch traut, dann schafft Ihr einen Bund zwischen Euch, der Euch zusammenführt in ewiger Liebe und Treue. Und genau das ist anders als in Eurer vorigen, bisherigen Partnerschaft oder Beziehung. Ihr versprecht Euch etwas.

Und auch das gehört nämlich schließlich zum „trauen, vertrauen, sich einander anvertrauen“ dazu: es tritt eine Komponente des Versprechens hinzu, die so fundamental ist, wenn es um die offizielle Deklarierung des Bundes der Liebe in einer Eheschließung geht, dass er einfach nicht so vernachlässigt werden kann. Und sie beinhaltet genau das: Ihr seid miteinander verbunden. Ihr geht den Bund der Liebesehe ein, und Ihr versprecht Euch gegenseitig, dass Ihr diesen Bund pflegt und ihm ewige Treue schenkt.

Und das soll jetzt nicht aufdringlich wirken, aber: So etwas Grundsätzliches, so etwas Bedeutsames, so etwas Wichtiges, das Ihr da aussprecht am schönsten Tag Eures Lebens – das soll mit Euch einfach so NICHTS machen und Ihr fühlt Euch UNVERÄNDERT?

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Dieser Treueschwur auf Ewigkeit ist doch so fundamental wichtig, dass er ganz sicher was mit Euch anstellt. Und wenn nicht bewusst, dann ganz bestimmt unbewusst, im Unterbewusstsein. Es kann schon sein, dass man mal so beiläufig daherredet, die Ehe sei genauso schön wie die Beziehung zuvor und man kann keine Veränderung feststellen, weil man nicht möchte, dass man irgendwie etwas ausspricht, was nicht vor positiven Funken übersprüht, was Glanz und Gloria der Hochzeit wegwehen ließe, doch: Ganz im Innern, da ist dieser ewige Bund, der doch so etwas Wundervolles ist, dass Ihr auch überhaupt keine Sorgen haben müsst, dass das irgendwie seltsam wäre, davon zu erzählen … sofern dieses Höhere also (noch) ganz tief in Euch schlummert und Ihr Euch dessen nicht bewusst seid, dann ist das ja auch kein Thema, was einem so einfach kurz einfällt auf die Frage, ob sich nun seit der Trauung das Gefühl füreinander verändert habe. Nein, das ist wohl klar. Aber man kann es sich selbst, sofern man es spürt, zunächst einmal zulassen, dieses Gefühl, wie auch immer es sich zeigt. Am Schönsten natürlich, wenn Ihr Euch zu zweit so stark fühlt, dass Ihr sagen könnt, Ihr baut stets aufeinander, und Ihr habt dadurch keinerlei Zweifel mehr, dass das, was Ihr zu zweit unternehmt, für Euer Leben das richtige ist. Weil Ihr Euch liebt. Und für immer liebt.

Und das gehört zu einer Trauung, zum „sich-trauen“, eben auch dazu: das Versprechen, den anderen bis ans Ende des Lebens zu lieben, zu achten und zu ehren.

Sicherlich – und das ist klar – das ist ein Versprechen, was gerade in der heutigen Zeit voller Schnelllebigkeit und dem Drang der meisten Menschen, sich möglichst flexibel zu halten und sich nicht auf eine Sache festlegen zu wollen (geschweige denn für immer!) mitunter auch mal schwierig vorstellbar ist für manche Paare. Das ist zum einen eine Frage des Menschenschlags, ob man sich an ein solches Versprechen zu zweit heranwagen möchte, zum anderen Teil aber auch eine Frage des „Sich-trauens“, wobei wir den Bogen zu den ersten Gedanken dieser Wortfamilie geschlagen haben:

Denn dieses Versprechen lässt sich nur mit Mut, mit Vertrauen auf diese mutige Entscheidung und mit einem Herz voller Liebe, Leidenschaft und Treue formulieren 😊 in diesem Sinne: Auf zur Trauung … oder erstmal: Mut zum VERtrauen! In Dich. In Euch. Ins Wir. Denn das „Sich-einander-Anvertrauen“ ist die schönste Sache der Welt. (LG)